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Großübung in der Geretsrieder Feuerwehrschule: An einem nachge bauten Wohn- und Geschäftshaus trainieren die Einsatzkräfte die Rettung eingeschlossener Personen. 

Mit Feuereifer

Münchner Feuerwehr probt in Geretsried den Ernstfall

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Es qualmte in der Freistadt: Für eine Großübung der Münchner Feuerwehr hat es die Staatliche Feuerwehrschule Geretsried am Mittwoch krachen und brennen lassen. Auf dem Gelände an der Sudetenstraße waren Fehler willkommen.

Geretsried – Die Stimmung ist angespannt. Gruppenführer, Zugführer und gut zehn Einsatzkräfte stehen im Kreis. Sie sprechen leicht gereizt über den Einsatz, bei dem nicht alles so gelaufen ist, wie es laufen sollte. Zugführer Michael Suhrbier hat noch versucht, dem Fehler auf den Grund zu gehen. Doch er konnte den Knoten nicht lösen.

Wenige Minuten zuvor gleicht die hintere Ecke des Freigeländes der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried einem Wimmelbild. Es qualmt aus dem Wohn- und Geschäftshaus. An den Fenstern stehen Frauen und Männer, rufen um Hilfe. Zwei Drehleitern bringen sie nacheinander hinunter, wo sie dem Rettungsdienst übergeben werden. Parallel arbeiten insgesamt 38 Kräfte zweier Löschzüge vor dem Haupteingang, an der Tiefgarageneinfahrt, im Treppenhaus und in den verrauchten Räumen des Gebäudes.

Zu einem Brand im Wohnhaus ist die Feuerwehr gerufen worden. Ein Lieferant hat sein Auto in der Tiefgarage abgestellt und die Brandschutztüren bis zu den Lagerräumen verkeilt, um seine Waren auszuladen. Es kommt, wie es kommen musste: Ein Kabelbrand an dem Lieferfahrzeug sorgt für Qualm im ganzen Gebäude.

Das Szenario könnte überall passieren und überall wüsste die Feuerwehr, was zu tun ist. Bei dem Tiefgaragenbrand am Mittwoch sind jedoch (noch) keine Profis am Werk. Es handelt sich um insgesamt 130 Kräfte der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr München, die einen Grundlehrgang oder eine Fortbildung zum Gruppenführer machen. Sie sind drei Tage zu Gast an der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried.

In der sogenannten Freistadt können die Teilnehmer in sicherer Umgebung realitätsnah trainieren. Viele Freiwillige Feuerwehren nutzen das Gelände, auf dem samstags außerhalb des regulären Lehrangebots an verschiedenen Häusern, Autos und Gleisen geübt werden kann. Zirka 30 Termine gibt es im Jahr. „Es gibt eine starke Nachfrage auf dieses begrenzte Angebot“, sagt Schulleiter Dr. René Mühlberger.

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Für die Gäste aus München hat die Feuerwehrschule einen Slot vor der Sommerpause freigeschaufelt. Zum zweiten Mal nutzen die Münchner die Gelegenheit, die gewohnte Umgebung ihrer eigenen Feuerwehrschule zu verlassen und sich in Geretsried zu bewähren. „Fehler sind äußerst willkommen, hier üben wir, um sie auszumerzen“, erklärt Tobias Hötzel, Leiter der Feuerwehrschule München.

Aus diesem Grund sind die angehenden Feuerwehrler nicht auf sich alleine gestellt, als sie den Brand in der Tiefgarage löschen und die Menschen aus dem Wohn- und Geschäftshaus retten. Mehrere Schiedsrichter beobachten das Geschehen. Einer davon ist Ausbilder Andreas Eppli. Er kann bei der Nachbesprechung genau sagen, was schief gelaufen ist. Fehler nennt er es nicht, sondern Lernpunkte. Feuerwehrleute hatten auf Anweisung eines anderen Zugführers Menschen aus den Wohnungen gerettet, obwohl sie den Brand in der Tiefgarage hätten löschen sollen. Zugführer Michael Suhrbier hätte die Verwechslung bemerken und seine Kräfte einfordern müssen. „Solche Kommunikationsprobleme kann man hier schön üben“, sagt Eppli.

Nach dem Einsatz legen die angehenden Feuerwehrler ihre Jacken und Helme ab. „Das klingt jetzt blöd, aber mein T-Shirt hat wieder eine Farbe – weil es komplett durchgeschwitzt ist“, sagt Isa Hartmann und zieht mit spitzen Fingern an dem blauen Stoff. Für die angehende Feuerwehrfrau ist es der zweite Einsatz des Tages, und es soll nicht der letzte bleiben. Zu einem Auffahrunfall mit Gefahrgut rückte sie bereits aus. Und ein Zusammenstoß am Bahnübergang wird noch folgen.

Erschöpft wirkt die 27-Jährige trotzdem nicht. „Es ist positiver Stress“, sagt sie und freut sich über die realitätsnahe Übung. Nächstes Jahr im April will sie ihre Kollegen der Werkfeuerwehr der Technischen Universität München in Garching bei echten Einsätzen unterstützen. Ohne Schiedsrichter und ohne Fehler.

sw

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