Der Musiker und Lehrer Tobias Weber (53).
+
Tobias Weber (53) ist Musiker und Lehrer.

Festanstellung ist ein Glücksfall

Musikschullehrer Tobias Weber über Online-Unterricht und den Nockherberg

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
    schließen

Der Münchner Tobias Weber ist Berufsmusiker sowie fest angestellter Lehrer an der Geretsrieder Musikschule. Darüber ist sehr glücklich, gerade in diesen unsicheren Zeiten.

Geretsried – Mit am härtesten von der Corona-Pandemie betroffen sind Künstler und Musiker. Mangels Auftrittsmöglichkeiten sind die meisten von ihnen seit Monaten zum Nichtstun verdammt. Der Münchner Tobias Weber ist Berufsmusiker sowie fest angestellter Lehrer an der Geretsrieder Musikschule – und sehr glücklich darüber, wie er im Gespräch mit Redakteurin Doris Schmid verrät.

Herr Weber, im vergangnen Jahr standen Sie vermutlich nicht oft auf der Bühne. Einer der wenigen Auftritte war ein Konzert mit Ihren Lehrerkollegen im Rahmen der Konzertreihe Isarsommer.

Tobias Weber: Tatsächlich gab es nicht viele Auftritte. Die kann ich an eineinhalb Händen abzählen. Deshalb war das ein sehr besonderer Tag für uns, als wir in den Ratsstuben aufgetreten sind. Insgesamt war das im vergangenen Jahr schon eine sehr seltsame Situation. Ich kann mich an ein Konzert beim Jazz-Fest in Passau kurz nach dem ersten Lockdown erinnern. Das war sehr bizarr, auf einmal wieder auf der Bühne zu stehen. Es war ein ganz anderes Gefühl, wieder vor Leuten zu spielen.

Hatten Sie Lampenfieber?

Tobias Weber: Das ist vielleicht der falsche Ausdruck. Aber es macht schon einen Unterschied, ob man zuhause spielt oder zusammen mit anderen Musikern vor Publikum. Wir mussten uns tatsächlich erst wieder musikalisch anfreunden nach der langen Zeit, in der wir auch nicht wirklich proben konnten.

Während des Lockdowns fand der Unterricht an der Musikschule digital statt. Eine gute Erfahrung?

Tobias Weber: Im ersten Augenblick dachte ich: Um Gotteswillen, wie soll das denn werden, weil ich normalerweise viel mit meinen Schülern gemeinsam spiele, das ist ja online gar nicht möglich. Aber es hat sich wider Erwarten als tolles Unterrichtssystem bewährt. Ich bin ganz zufrieden. Alle Schüler haben wahnsinnig viel geübt. Natürlich ersetzt das keinen Präsenzunterricht, aber es hat toll funktioniert. Es gab auch viele Gespräche in der Zeit mit den Schülern. Irgendwie sind wir auch näher zusammengewachsen.

Was haben Sie außerhalb des Unterrichts gemacht?

Tobias Weber: Eigentlich war ich ganz umtriebig. Ich hatte viel Glück, weil die Institutionen, mit denen ich zusammenarbeite, toll reagiert haben. Die Stiftung Nantensbuch beispielsweise hat uns Künstler mit Videoaufträgen versorgt. Da kam eine ganze Menge digitaler Arbeit dazu. Außerdem bin ich seit acht Jahren bei „Nico and the Navigators“, einem Musiktheaterensemble in Berlin. Die erste Produktionsphase musste aufgrund von Corona ausfallen. Im Herbst haben wir das nachgeholt. Das war sehr viel Probenarbeit. Jetzt sind die Stücke fertig für eine baldige Öffnung der Kulturhäuser.

Apropos Stück: Eigentlich wären Sie als Komponist auch wieder in das Singspiel am Nockherberg involviert gewesen. Aber das musste ja wie bereits 2020 ausfallen.

Tobias Weber: Das Starkbierfest am Nockherberg war im vergangenen Jahr die erste Großveranstaltung, die abgesagt wurde. Das war wirklich hart für uns. Das Singspiel stand, und wir waren mitten in den Endproben der Aufführung.

Wie war es denn, das Singspiel?

Tobias Weber: Es war ein sehr schönes Singspiel. Es ging um die Kommunalwahl, den Mautskandal und den Führungswechsel in der CDU und viele andere Themen. Von der Probe gibt es einen Mitschnitt irgendwo in den Archiven des Bayerischen Rundfunks, der jetzt sogar zum Teil in der BR-Mediathek zu sehen ist. Seinerzeit gab es die Überlegung, ob man es nachholt. Aber es wäre aufgrund von Covid-19, den aktuellesten politischen Entscheidungen und Vorkommnissen vollkommen überholt gewesen.

So ein Singspiel lebt von den Reaktionen des Publikums.

Tobias Weber: Richtig. Im Grunde genommen funktioniert es nur mit denn anwesenden Politikern. Aber zumindest Maximilian Schafroth konnte seine Fastenrede halten, die erste mit digitalem Publikum. Freuen wir uns auf das nächste Jahr, wenn es hoffentlich wieder ein Singspiel geben wird.

Womit beschäftigten Sie sich aktuell?

Tobias Weber: Zusammen mit meinem Partner vom Nockherberg, Richard Oehmann, bereite ich gerade ein neues Café-Unterzucker-Album vor. Die ersten Texte sind schon vertont.

Seit 30 Jahren arbeiten Sie in Teilzeit als Gitarrenlehrer an der Musikschule. Ein Segen in diesen Zeiten?

Tobias Weber: Absolut. Für meine Anstellung dort bin ich ausgesprochen dankbar. Ich unterrichte sehr gerne. Eine Festanstellung ist für uns Musiker ein unwahrscheinliches Glück. Ich höre von vielen Kollegen, die in erster Linie Konzerte gespielt haben, schlimme Geschichten. Einige mussten aus ihrer Wohnung ausziehen, weil sie nicht genug Geld für die Miete hatten. Die ganze Branche wurde hart getroffen. Ich bin sehr enttäuscht davon, wie Solo-Selbstständige behandelt wurden. Das ist ein Armutszeugnis.

Stellen Sie der Stadt Geretsried ein gutes Zeugnis aus? Die Kommune hat den Zuschuss für die Musikschule erhöht.

Tobias Weber: Diese Nachricht hat uns überrascht und sehr gefreut. Unser Dank gilt der Vorstandschaft und der Leitung der Musikschule für ihren Einsatz. Von der Stadt Geretsried ist das wirklich ein großartiges Zeichen für die Kultur. Das ist gerade in diesen Zeiten ganz besonders wichtig.

nej

Lesen Sie auch: Die Malerei ist seine Sprache: Otto-Ernst Holthaus wird 90 Jahre alt

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare