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Hautnah dabei ist Markus Stephani (stehend) bei der Tour de France: Der Geretsrieder unterstützt als Physiotherapeut das Rosenheimer Radsportteam Bora-Argon 18.

Radsport

Der Muskelflüsterer

Geretsried - Der Physiotherapeut Markus Stephani betreut das Radsportteam Bora-Argon 18 bei der Tour de France im kommenden Juli.

Direkt nach der Etappenankunft muss es schnell gehen. Fahrer verpflegen, die Behandlungsbank vorbereiten, massieren. Sportler für Sportler, bis spät in den Abend. Drei Wochen lang, jeden Tag. „Mit einem Frankreich-Urlaub hat das nichts zu tun. Trotzdem mache ich diesen Job gerne“, sagt Markus Stephani. Als Physiotherapeut begleitet der 32-Jährige das in Rosenheim beheimatete Profiradsportteam Bora-Argon 18 bei den wichtigsten Rennen auf der ganzen Welt – auch bei der Tour de France. „Von früh bis spät ist immer etwas zu tun. Auch als Physio ist man komplett ins Renngeschehen eingebunden“, erzählt der Geretsrieder.

Seit 2014 arbeitet er für die Mannschaft. Als aktiver Radsportler und Triathlet – Stephani finishte bereits drei Ironmen – interessierte er sich früh für die Arbeit im Sport. Nach seiner Weiterbildung zum Sportphysiotherapeut betreute er unter anderem die Nationalmannschaften der Schwimmer und der Snowboarder – 2014 kam dann die Anfrage von Bora. „Erst war ich als Freelancer bei einer Rundfahrt in Polen dabei. Das hat gut geklappt, und als dann 2015 eine Stelle frei wurde, haben wir uns schnell darauf geeinigt, dass ich fest für das Team arbeite“, erinnert er sich.

In seiner zweiten Saison gehört Stephani mittlerweile zum Stamm des Teams. Die Kapitäne kommen zu ihm, wenn sie Hilfe brauchen, bei der Tour ist er als Betreuer gesetzt. „Trotzdem bin ich nervös, in drei Wochen kann immer etwas passieren“, weiß er. So wie im vergangenen Jahr. Auf der siebten Etappe der Frankreich-Rundfahrt wurde die halbe Bora-Equipe in einen Massensturz verwickelt. Prellungen, Schürfwunden, Verrenkungen – Tagesgeschäft im Profiradsport. „An diesen Tag hatte ich die halbe Mannschaft auf der Bank. Bis kurz vor Mitternacht habe ich massiert, gedehnt, eingerenkt“, erinnert er sich. „Am nächsten Tag ging es um sechs Uhr früh weiter mit den Vorbereitungen für die Etappe.“

Die Tour de France ist nicht nur für die Fahrer, sondern auch für die Betreuer eine Belastungsprobe. Ein Tag beim wichtigsten Radrennen der Welt beginnt für Stephani meist mit der Vorbereitung des Teamfahrzeugs. „Man schaut, dass genügend Energy-Gels und Riegel für die Fahrer da sind. Und natürlich werden – wenn nötig – noch einmal Tapes geklebt, einzelne Wirbelkörpersegmente mobilisiert oder Funktionsmassagen für die Wettkampfvorbereitung durchgeführt“, erzählt er. Pause gibt es auch während des Rennens keine: In der Verpflegungszone zur Etappenmitte reicht Stephani den Fahrern Stoffbeutel mit Essen und Getränken, bis zu 8000 Kalorien benötigen die Sportler täglich. „Dann geht es sofort ins Hotel – die Vorbereitungen für die Behandlungen am Abend.“

Während der Massagen ist Stephani für die Radprofis dabei nicht nur der Muskelflüsterer, sondern meist auch Vertrauensperson. „Besonders, wenn es mal nicht so gut gelaufen ist, bin ich den Fahrern oft auch eine moralische Stütze“, so der Sportphysio. Bei den Sitzungen helfen ihm auch seine eigenen Erfahrungen als Sportler: „Wenn du radsportaffin bist, verstehst du natürlich die ganzen muskulären Abläufe besser. Im Zeitfahren wird beispielsweise das Gesäß mehr belastet, bei Bergetappen mehr der Rücken. So weiß man sehr schnell, was fehlt.“ Wenn die Sportler gut fahren, „bekommt man direkt ein Feedback, dass man seine Arbeit richtig gemacht hat – cool.“ 2015 war es Emanuel Buchmann, der die Bora-Equipe zum Jubeln brachte: Jung und unbekümmert war der 22-Jährige auf der schweren elften Etappe durch die Pyrenäen Dritter geworden. „Das war ein Highlight, die Euphorie hat das ganze Team mitgetragen“, blickt Stephani zurück. Seine tiefen Einblicke machen ihm auch auf anderer Seite Mut: Die Zeiten, in denen Doping eine Rolle gespielt hat, seien „Gott sei Dank vorbei. Bei uns im Team gibt es so strenge Regeln. Der Radsport hat hier viel getan.“ Wenn man direkt involviert sei und merke, wieviel Aufwand und Logistik hinter einem Rennen wie der Tour stecken, „fiebert man noch mehr mit. Es ist schon etwas anderes als nur vor dem Fernseher zu sitzen. Und als Physio kann ich sogar noch einen Teil dazu beitragen, damit es für das Team besser läuft“, so der Geretsrieder.

In diesem Jahr hofft er, dass ein Bora-Fahrer zumindest eine Etappe gewinnt: „Vielleicht ja wieder Buchmann. Der könnte mal ein ganz Großer werden.“ Für die Tour, die am 2. Juli startet, wird er schon ein paar Tage früher anreisen, die letzten Vorbereitungen erledigen. Von früh bis spät gibt es schließlich immer etwas zu tun: Fahrer verpflegen, die Behandlungsbank vorbereiten, massieren. Sportler für Sportler, bis spät in den Abend. Drei Wochen lang, jeden Tag. Als Physiotherapeut beim größten Radrennen der Welt.

Werner Müller-Schell

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