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18 Jahre lang koordinierte Christian Sydoriak unzählige Einsätze in der Region (li.).

Familie statt Feuerwehr

Nach 18 Jahren: Christian Sydoriak beendet Dienst als Kreisbrandinspektor Nord

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Für ihn stand die Feuerwehr immer an erster Stelle: Christian Sydoriak war 18 Jahre lang als Kreisbrandinspektor Nord im Einsatz. Ab jetzt hat seine Familie Vorrang.

Geretsried – Als es zuletzt so arg geschneit hat wie in diesen Tagen, war Christian Sydoriak im Einsatz. Im Jahr 2006 schaufelten Ehrenamtliche der Feuerwehr die Dächer in Geretsried frei. Darauf angesprochen entgegnet der heute 63-Jährige sofort: „Ich war nicht oben, ich hab’ nur koordiniert.“

Sydoriak ist bescheiden, betrachtet diesen und die unzähligen anderen Brände, Unfälle, Hochwasser, Stürme, zu denen er sein Leben lang ausgerückt ist, nüchtern. Auch die beiden Ehrenzeichen, das Silberne Ehrenkreuz des Deutschen Feuerwehrverbands und das Steckkreuz des Feuerwehr-Ehrenzeichens des Innenministers, die er verliehen bekommen hat, sind ihm nicht so wichtig. „Ich habe all das mit anderen erreicht, ich stelle mich nicht gerne selbst in den Vordergrund“, sagt er.

Und doch verdient der 63-Jährige zweifellos Anerkennung: 18 Jahre lang war er als Kreisbrandinspektor Nord im Dienst, zuvor über 15 Jahre als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Geretsried. Seit 15. Juli 1969 ist er dort Mitglied, seit diesem Tag steht sein Hobby an erster Stelle.

„Mein Anziehzeug lag auf dem Stuhl neben dem Bett parat“, berichtet er. Gab es nachts einen Alarm, brauchte er nur hineinschlüpfen und war bereit. Das war er auch bei Silvesterfeiern, an Heiligabend und Geburtstagen. Er blieb beim alkoholfreien Weißbier, seine Frau und er fuhren meist mit zwei Autos zum Veranstaltungsort. „Die Feuerwehr hat private Termine in der Regel zerschossen.“

Damit ist seit Montag Schluss. Sydoriak hat seine Funkgeräte – analog und digital – seinen Piepser, den Feuerwehr-Einsatzplan, die Uniform und das Dienstfahrzeug an seinen Nachfolger Erich Zengerle übergeben (wir berichteten). Ab jetzt hat die Familie Vorrang – auch wenn sein aktiver Dienst für die Geretsrieder Feuerwehr erst in eineinhalb Jahren mit seinem 65. Geburtstag endet.

Hat jetzt viel Zeit zum Lesen: Christian Sydoriak ist seit Montag nicht mehr als Kreisbrandinspektor Nord im Dienst. 

In der gewonnenen Zeit – seit elf Tagen ist der Personalreferent der Firma Rudolf Chemie auch im Ruhestand – will Sydoriak etwas mit seinem Enkel Jonas (vier Monate) unternehmen, seinen beiden Kindern helfen und mit seiner Frau in den Urlaub fahren. „Sie will wieder nach Namibia, aber ich finde, zweimal ist genug, vielleicht geht es nach Marokko.“ Und ansonsten freut sich der 63-Jährige darauf, dass er abends mal „zwei Glasl Wein trinken kann, ohne Angst zu haben, dass man negativ auffällt“.

Auch wenn sein Posten als Führungskraft bei der Feuerwehr mit vielen Entbehrungen verbunden war, Sydoriak bereut keine Minute. Der Gedanke, Menschen und Tieren helfen zu können, trieb ihn an. Und die Kameradschaft bei der Feuerwehr war seins. Bei Einsätzen müssen die Helfer Hand in Hand arbeiten. „Das geht nur, wenn man miteinander kann.“

In seiner Jugend wohnte Sydoriak in Waldram, die Feuerwehr Wolfratshausen warb ihn an, als die erste Jugendgruppe installiert wurde. Sein erster Einsatz war ein Hofbrand in Gelting. „Das war heftig“, gesteht der 63-Jährige. Verarbeitet hat er das Erlebte bei Gesprächen in der Gruppe und mit der Familie. Es folgten hunderte weitere Einsätze, zum Teil sehr schwere. „Das geht einem natürlich nahe, aber man muss es wegschieben, sonst kann man das nicht mehr machen.“

Und Sydoriak wollte dabeibleiben. „Wenn ich zu etwas Ja gesagt habe, ziehe ich das auch durch“, sagt er. Das erklärt auch sein Durchhaltevermögen als Kreisbrandinspektor Nord. Egal wie stressig ein Einsatz war, der 63-Jährige ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Man hat seine Routine im Kopf und ist kein Einzelkämpfer.“ Christian Sydoriak ist eben nüchtern und bescheiden.

sw

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