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Pioniere: Angiolina und Mario Francescato waren die ersten, die in Geretsried ein Eiscafé eröffneten.

Eiscafé Roma macht zu

Nach fünf Jahrzehnten ist Schluss

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    Andreas Steppan
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Das Roma war das erste Eiscafé in Geretsried. Seit 1965 verkauften Mario und Angiolina Francescato dort ihr Gelato. Heuer bleibt der Laden zu. Das Ehepaar sucht einen neuen Betreiber.

Geretsried – Jahrzehntelang freuten sich die Geretsrieder im Frühjahr auf die erste Kugel aus dem Eiscafé Roma. Heuer warten sie vergeblich. Mario und Angiolina Francescato sind aus der Winterpause nicht zurückgekehrt. Das Ehepaar hat das Lokal an der Johann-Sebastian-Bach-Straße aufgegeben und sucht einen neuen Betreiber.

Als Mario Francescato 1965 das erste italienische Eiscafé nach Geretsried brachte, waren seine „Gelati“ im Oberland noch ein exotischer Leckerbissen. Im Angebot waren damals 15 Sorten. Zum 35-jährigen Bestehen im Jahr 2000 hatte das Roma 86 Geschmacksrichtungen, von denen im ständigen Wechsel 36 zur Auswahl standen. Dabei war der Anfang für Francescato alles andere als einfach. Sein Geschäft lag „fast mitten im Wald“, sagte der Italiener damals im Gespräch mit unserer Zeitung. Der nahe gelegene Neue Platz war zu dieser Zeit noch eine Baustelle. Die Geretsrieder seien ein „raues Publikum“ gewesen. „Wir mussten hier echte Pionierarbeit leisten, denn die Leute haben unser Produkt noch gar nicht gekannt.“

Francescato stammt aus einer der traditionsreichsten Eiskonditoren-Gegenden Italiens, der Provinz Belluno in Venetien. Gelernt hat er sein Handwerk allerdings bei einem Landsmann in Fürstenfeldbruck. Seit 1961 war er bei ihm in Ausbildung, bevor er sich „fertig fühlte“, um sich eine eigene Existenz aufzubauen. Zufällig stieß der Italiener auf eine freie, eben erst gebaute Lokalität in Geretsried. Da Francescato damals erst 20 Jahre alt und somit minderjährig war, wurde das Eiscafé Roma zunächst auf den Namen seines Bruders eröffnet. Überhaupt stand ihm seine Familie – Eltern und drei Geschwister – während der Gründerjahre tatkräftig zur Seite.

Während er in Italien seinen Militärdienst leistete, führten seine Angehörigen das Geschäft allein. Seit seiner Heirat 1968 leitete der Eiskonditor das Roma gemeinsam mit seiner Frau Angiolina, die ebenfalls aus den Dolomiten stammt. Sie hatte er in Fürstenfeldbruck kennen gelernt, wo sie „für eine Saison“ ausprobieren wollte, als Bedienung zu arbeiten.

Daraus wurde schließlich eine Lebensaufgabe. Über fünf Jahrzehnte verkauften die Francescatos ihr selbst gemachtes Eis. 

ast/nej

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