+
Schwerstarbeit in der Neujahrsnacht: Feuerwehrmänner durchstoßen das Dach des Hauses an der Sudetenstraße auf der Suche nach Glutnestern. Sie stehen auf dem Balkon von Stadtrat Wolfgang Werner. 

Nach Silvesterfeuerwerk

Nach Großbrand in Geretsried: Nur noch bedingt bewohnbar

  • schließen

Geretsried - Nach dem Großbrand an der Sudetenstraße steht fest: Das Mehrparteienhaus ist in einem üblen Zustand, nur ein Teil der Bewohner kann zurück. Betroffen ist auch SPD-Stadtrat Wolfgang Werner. 

Geretsried – Der Großbrand in Geretsried, der in der Silvesternacht und an Neujahr die Feuerwehr teilweise bis zu 17 Stunden in Atem gehalten hatte, beschäftigt Mieter, Retter und Behörden auch am Tag danach. Wie berichtet hatte womöglich eine Silvesterrakete den Balkon in der dritten Etage eines Wohn- und Geschäftshauses an der Sudetenstraße 43 in Brand gesetzt. Von dort aus breitete sich das Feuer auf den Dachstuhl aus. Zwar gelang es den Einsatzkräften in der Nacht, die Flammen unter Kontrolle zu bringen. Doch Glutnester in der Dachisolierung hielten die Feuerwehrleute auch am Neujahrstag auf Trab. Erst gegen 16.30 Uhr, sagte Geretsrieds Erster Feuerwehrkommandant Erik Machowski, „war das Feuer komplett gelöscht“.

Danach dichteten rund 40 Kräfte des Technischen Hilfswerks „äußerst zügig und professionell“ (Machowski) das Dach ab. In den vier Wohnungen direkt darunter sieht es allerdings nicht gut aus. Eine davon bewohnt Wolfgang Werner. Dass sein Heim brannte, während er mit Frau und Kind in Tschechien Silvester feierte, erfuhr der SPD-Stadtrat erst an Neujahr. „Gegen Mittag hat mein Bruder angerufen und mir die schlechte Nachricht überbracht.“ Wie es nun weitergeht? Er bleibe bis Freitag in Tschechien, sagte Werner am Telefon, „denn in Geretsried kann ich jetzt eh nichts tun, die Wohnung darf ja noch nicht betreten werden“. Nach seiner Rückkehr werde er mit der Familie fürs Erste bei seiner Mutter unterkommen. Mittelfristig hofft der 42-Jährige auf eine Ersatzunterkunft, bis seine Wohnung renoviert ist.

Der Stadtrat war zur Zeit des Unglücks in Tschechien

Werner hat die Hoffnung, dass zumindest einige seiner Sachen – Dokumente, Kleidung und Spielzeug des Filius’ – das Feuer einigermaßen unbeschadet überstanden haben. Wie ihm sein Bruder berichtet habe, „ist das Schlafzimmer relativ heil geblieben“. In der persönlichen Tragödie beweist Werner Größe: Wichtig sei zuvorderst, dass kein Mensch verletzt oder gar ums Leben gekommen ist, „alles andere kann man ersetzen“. Und seinen Humor hat der 42-Jährige ebenfalls nicht verloren. Im Nachhinein war er „lieber im Urlaub, als womöglich in der Unterhose auf der Straße zu stehen und zusehen zu müssen, wie die eigene Bude abfackelt“.

Der Zustand der Wohnungen ist in der Tat übel. In einer „sind zwei Räume komplett ausgebrannt“, bestätigt Feuerwehrkommandant Machowski. Der restliche Teil sowie zwei weitere Appartements unter dem Dach, die er selbst in Augenschein genommen hat, seien völlig verrußt und zudem durch das Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen. Sein Fazit: „In diesem Zustand nicht bewohnbar.“ Die Mieter der ersten und zweiten Etage konnten dagegen noch am Neujahrstag in ihre zuvor aus Sicherheitsgründen evakuierten Räume zurückkehren.

Wolfgang Selig ist Geschäftsführer der Geretsrieder Baugenossenschaft. Ihr gehört das Anwesen. Er war am Neujahrstag am Brandort. Sein aktueller Kenntnisstand: Auch die Wohnungen unter den Dachwohnungen seien durch das Löschwasser teilweise stark beeinträchtigt, ebenso der Penny-Markt im Erdgeschoss. Wie viele Wohnungen im Haus genau beschädigt seien, wisse er wohl am Donnerstag, sagte Selig gegenüber unserer Zeitung. Bis dahin werde ein Gutachter voraussichtlich den genauen Schaden ermittelt haben. „Ersatzwohnraum, der ja möbliert sein müsste, steht kurzfristig bei uns leider nicht zur Verfügung“, bedauerte Selig. „Aber wir beraten nächste Woche über unsere Handlungsoptionen.“

Im Rathaus ist das Silvesterfeuer ebenfalls Thema. Bürgermeister Michael Müller und Werner Frank vom Ordnungsamt hätten sich während des Feuerwehreinsatzes ein Bild von der Lage verschafft, bestätigt Pressereferent Thomas Loibl. Ihr erster Dank galt den Einsatzkräften, „die hervorragend gearbeitet haben“. Ob und wie die Stadt den Betroffenen helfen kann, konnte Loibl am Dienstag noch nicht konkret sagen. „Zuvor müssen erst einmal Gespräche geführt werden, unter anderem mit der Baugenossenschaft.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tüchtig und lebenslustig bis zum Schluss
Ein Leben voller Höhen und Tiefen ist zu Ende gegangen. Im gesegneten Alter von 94 Jahren starb am 10. Januar Jaromir Frühwirt.
Tüchtig und lebenslustig bis zum Schluss
Arm, aber herzlich
Lisa Napiletzki aus Dietramszell arbeitete 16 Monate in Bolivien und verliebte sich in das Land und seine Menschen.
Arm, aber herzlich
Katz-und-Maus-Spiel
Ein 65-jähriger Autofahrer aus München entzieht sich auf dem Autobahnzubringer einer Polizeikontrolle. Und liefert an deren Ende in Fürstenried eine verblüffende …
Katz-und-Maus-Spiel
Die Verzahnungsrunde als Lernprozess
Die Geretsrieder River Rats starten mit einem Heimspiel gegen den TSV Peißenberg.  Coach Ludwig Andrä fordert von seiner Mannschaft absolute Laufbereitschaft und ein …
Die Verzahnungsrunde als Lernprozess

Kommentare