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Nachhaltige Energie aus der Nachbarschaft: So ist der Stand bei der Geothermie in Gelting

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Von: Peter Herrmann

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Straubinger bei CSU
Informationen aus erster Hand: Am CSU-Stammtisch erläutere Enex-Geschäftsführer Dr. Robert Straubinger das Geothermieprojekt in Gelting. © SH

Die Geretsrieder CSU diskutiert mit Experten über die Erfolgschancen des Geothermieprojekts in Gelting. Klar ist: „Wir sind abhängig von der Energiegewinnung.“

Geretsried – Die Firmen Eavor und Enex Power Germany bauen wie berichtet im Oktober die Bohrplätze für das Geothermieprojekt auf dem Gut Breitenbach bei Gelting auf. Doch wie hoch sind die Erfolgschancen und wie realistisch der Aufbau eines Fernwärmenetzes wirklich? Antworten darauf lieferten Enex-Chef Dr. Robert Straubinger und Eavor-Geschäftsführer Andreas Gahr am Stammtisch des CSU-Ortsverbandes im Gasthof Geiger.

Nachhaltige Energie aus der Nachbarschaft: So ist der Stand bei der Geothermie in Gelting

„Jetzt merkt man erst, wie abhängig wir von der Energiegewinnung sind“, stellte CSU-Ortsvorsitzender Martin Huber fest. Die von ihm angekündigten Expertenvorträge lockten am Sonntagvormittag rund 35 Besucher zum Stammtisch. Dr. Robert Straubinger enttäuschte die Erwartungen nicht und sprach gleich mal Klartext. „2013 und 2017 haben wir in den Dreck gelangt“, räumte der Enex-Geschäftsführer ein. Die fehlgeschlagenen Bohrungen führte er auf die hydrothermale Vorgehensweise und den damals noch nicht absehbaren „hohen Gebirgsdruck“ auf das Gestein zurück.

Geothermie auf Gut Breitenbach: Fünf Kilometer tiefe Bohrung

Mehr Erfolg verspreche die Closed-Loops-Technologie, die in 98 Prozent aller Gebiete in Deutschland anwendbar ist. Dazu werden ab Oktober zwei Bohrplätze auf Gut Breitenbach aufgebaut. Von dort geht es fünf Kilometer in die Tiefe. Die Installierung von zwölf Leitungen ist laut Straubinger „aufwendig, aber notwendig“. Ein Risiko besteht in der Hitze, die in der Tiefe die elektronischen Anlagen beeinträchtigen könnte.

Bohrungen in Gelting: Bürgermeister berichtet von Erdbeben-Sorgen einiger Bürger

CSU-Bürgermeister Michael Müller berichtete von Bürgern, die die Auslösung eines Erdbebens befürchten. „Wir haben bei den letzten Bohrungen fünf seismische Geräte aufgestellt, und nichts ist passiert“, beruhigte Straubinger. Wegen des Wärmetauschers bestehe auch bei der nun angewendeten Closed-Loops-Technik keine Gefahr.

Kraftwerk soll 2024 stehen

Eavor-Geschäftsführer Andreas Gahr rechnet damit, dass die beiden Bohrplätze im Juni 2023 fertiggestellt sind. Hinzu kommt der Bau eines Kraftwerks, das 2024 stehen soll. Mit den Geretsrieder Stadtwerken traf Gahr bereits Vereinbarungen über den vorrangigen Aufbau eines Fernwärmenetzes. „Damit können wir die beiden Städte Geretsried und Wolfratshausen versorgen“, versicherte Gahr. Straubinger geht von einem durchschnittlichen Produktionswert von rund 15 Megawatt pro Tag aus, die Höchstleistung liegt bei 65 Megawatt.

„Wird viel Zeit vergehen“: Geltinger spricht über Fernwärmenetz

Dass ein Fernwärmenetz nicht zum Nulltarif zu haben ist, gab Gerhard Meinl zu bedenken. Der Dritte Bürgermeister rechnet mit Kosten von einer Million Euro pro Kilometer. Konkrete Zahlen wollten Gahr und Straubinger auf Nachfrage von CSU-Mitglied Dr. Josef Orthuber jedoch nicht nennen. „Allein die beiden Bohrplätze kosten schon einen fetten siebenstelligen Betrag“, verriet Straubinger.

Der Geltinger Stadtrat Franz Wirtensohn empfahl schon mal Geduld. „Bis ein Fernwärmenetz in Geretsried aufgebaut ist, wird viel Zeit vergehen, weil das Stadtgebiet so weit auseinandergezogen ist“, prognostizierte er. Vielleicht hilft ja auch der nicht ganz ernst gemeinte Vorschlag von Gerhard Meinl. „Die Kerzen in der Nikolauskapelle stehen schon zum Anzünden bereit, damit das was wird“, meinte er.

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