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Dicke Akten: Der arbeitslose 19-Jährige ist in der Vergangenheit schon zwei Mal auffällig geworden. 

Verhandlung vor dem Wolfratshauser Amtsgericht

Nächtliche Ruhestörung eskaliert

Ein starkes Stück hat sich ein Geretsrieder (19) geleistet: Erst krakeelte er betrunken unter dem Balkon eines Hauses. Und als die Hausherrin ihn beschwichtigen wollte, schlug er auch noch zu. Dafür ist er jetzt zu einer Geldstrafe über 1800 Euro verurteilt worden. 

Geretsried – Sie will nur für Ruhe sorgen, als eine Gruppe Jugendlicher gegen 1 Uhr nachts unter ihrem Balkon krakeelt. Als sie vor die Tür tritt, eskaliert die Situation. Die Frau bekommt einen Schlag auf die Schulter, stürzt, muss operiert werden. An den Folgen leidet sie noch heute. Die linke Schulter ist nur zu 60 Prozent funktionsfähig. Noch schlimmer sind die psychischen Nachwirkungen. „Ich habe Angst, traue mich allein nicht mehr aus dem Haus oder in die Tiefgarage“, erklärte die Geretsriederin (56) vor dem Jugendrichter, wo sich zwei junge Männer (18 und 19 Jahre alt) wegen Körperverletzung und Nötigung verantworten mussten.

Auf dem Heimweg seien sie auf die Idee gekommen, zusammen noch Bier zu trinken, erklärte der ältere Hauptangeklagte, warum sich die zunächst sechs und später drei jungen Leute am Abend des 9. September 2016 auf einer Bank am Stern niedergelassen hatten. Ein Ehepaar fühlte sich durch die jungen Leute gestört. „Ich habe vom Balkon heruntergerufen, sie sollen leise sein“, erklärte der Ehemann (39). Weil es außer Kommentaren wie „Maul halten, Fresse halten“ keine Reaktion gegeben habe, sei er vors Haus gegangen. Dort sei er von einem der Burschen mit einer Bierflasche bedroht worden.

Der junge Mann bestreitet den Schlag und entschuldigt sich nicht

Wenig später kam seine Ehefrau hinzu. „Ich habe massiv gebeten, dass sie gehen sollen, dass es jetzt langt“, erklärte die Geschädigte. Dann habe sie kurz nach ihrem Mann geschaut. „Als ich mich wieder umdrehte, bekam ich einen heftigen Schlag auf die Schulter.“

Der 19-Jährige bestritt, die Frau geschlagen zu haben. Sie habe ihn an den Armen festgehalten und sei vermutlich gestürzt, als er sich losgerissen habe. „Die Version nehme ich ihnen nicht ab“, sagte der Staatsanwalt. Er beantragte einen viertägigen Arrest. Jugendrichter Urs Wäckerlin hielt es angesichts des Lebenslaufs des bereits zwei Mal straffällig gewordenen, derzeit arbeitslosen 19-Jährigen nicht geboten, noch Jugendstrafrecht anzuwenden. Er verurteilte den Geretsrieder wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 1800 Euro (120 Tagessätze).

Der mitangeklagte 18-Jährige, der mit der Bierflasche gedroht haben soll, wurde freigesprochen. „Ich bin weggeblieben, weil ich keinen Ärger wollte“, hatte der Azubi mehrmals beteuert. „Wenn ich das gewesen wäre, hätte ich mich heute entschuldigt.“ Drei Zeugen hatten ebenfalls ausgesagt, der 18-Jährige sei während des Vorfalls nicht mehr zugegen gewesen. Rudi Stallein

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