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Die fleißigen Eigentümer: Simon und Ehefrau Tatijana von Quadt haben den Maulhof 2015 erworben und renovieren das Anwesen. 

Alter Maulhof in Gelting

Der Nestbau ist in vollem Gange

Der Maulhof an der Wolfratshauser Straße in Gelting sieht derzeit alles andere als bewohnbar aus. Die junge Eigentümerfamilie arbeitet aber fleißig daran, dass sich das ändert. Ende des Jahres wollen sie einziehen. 

Gelting Die Verwandlung ist nicht zu übersehen: Aus dem alten „Maulhof“ mit bröckelndem Putz und zerschlagenen Fensterscheiben im Herzen von Gelting wird langsam ein kleines Schmuckstück. Das denkmalgeschützte Bauernhaus ist seit den 1970iger Jahren nicht mehr bewohnt. Doch je mehr es verfiel, desto mehr schieden sich an dem Häuschen auch die Geister. Die einen bezeichneten es als „Bretterbude, die schon längst abgerissen gehört“ hätte, die anderen sahen noch Potenzial in dem Gemäuer. Zu letzteren gehört Familie von Quadt, die das Kleingütler-Anwesen 2015 erwarb. Seit Jahresanfang arbeiten nun in und an dem Haus die Handwerker. „Vorher haben wir uns intensiv mit dem Amt für Denkmalschutz auseinander gesetzt“, erzählt Simon von Quadt. „Was dürfen wir, was nicht? Was muss unbedingt erhalten bleiben? Schließlich hat jeder Stein hier seine Relevanz.“ Bereits 1591 wird in der Geschichte ein gewisser Balthasar Kloiber erwähnt, der hier als Lehensnehmer einen Acker bestellt hatte. Rund 250 Jahre später kaufte Martin Maul, auf den der Hausname „Maulhof“ zurück geht, das Anwesen und errichtete einen Bauernhof. „In einem Balken haben wir die Jahreszahl 1859 entdeckt“, berichtet der jetzige Besitzer. Ob diese Marke allerdings einem spätereren An- oder Ausbau, oder dem ursprünglichem Haus zuzuordnen ist, konnte nicht geklärt werden.

Doch egal, jetzt konnten die Bauarbeiter endlich anrücken. Auf den alten Dachstuhl, „der es mit der Statik auch nicht mehr so hatte“, wurde ein neuer gesetzt, die Holzfassaden überprüft und, wo nötig, erneuert. „Auf der Westseite war nichts mehr zu erhalten“, berichtet der 34-Jährige weiter. „Das ist halt die Wetterseite, das Holz war verfault.“

Unliebsame Überraschungen sind den Eigentümern erspart geblieben

Die Raumaufteilung bleibt so wie früher, die ehemalige Stube, der Kartoffelkeller am Eingang und die Küche im Erdgeschoss. „Den alten Stadl wollen wir als Wohn- und Esszimmer integrieren.“ Später einmal wird nur die Deckenhöhe daran erinnern, das der Maulhof aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt. Liegen heute die Standard-Raumhöhen bei 2,20 Meter bis 2,40 Meter, bleiben im Wohnzimmer nach dem Legen des Dielenbodens etwa 1,90 Meter. „Aber wir müssen ja nicht andauernd in die Höhe hüpfen“, wischt Tatjana von Quadt humorvoll alle Bedenken zur Seite. „Und wenn Besucher über 1,90 Meter sind, pinnen wir rote Warnschilder an die Deckenbalken.“

Auch im ersten Stock kann man die zukünftige Pracht schon erahnen, ebenso wie im ausgebauten Dach. Alles ist hell und licht, das Buntwerk, eine damals weitverbreitete zierende Holzbautechnik, ist sichtbar.

„Wir hoffen, dass wir Ende 2017 zumindest schon teilweise hier wohnen können.“ Vorausgesetzt natürlich, dass bis dahin die Gasheizung, Stromleitungen und die sanitären Anlagen eingebaut sind. Unliebsame Überraschungen hat die Familie bei den Umbauarbeiten bisher nicht erlebt. „Zumindest nichts, womit wir nicht gerechnet hatten“, resümiert Simon von Quadt. „Bis auf die Ameisen, die es sich in dem maroden Holzbalken gemütlich gemacht haben.“

Warum tut man sich so eine Arbeit überhaupt an? „Das haben uns die Geltinger auch gefragt“, sagt Tatjana von Quadt. „Aber wir wollten einfach etwas Individuelles, etwas, wo wir selbst mitgearbeitet haben.“ Apropos Dorfbewohner: „Ich glaube, sie freuen sich, dass der alte Maulhof zu neuem Leben erweckt wird.“ Und zeigen ihrerseits Interesse an den Bauarbeiten: „Ab und zu stand plötzlich einer im Haus. Da haben wir uns eben gleich kennen gelernt.“ Sabine Hermsdorf-Hiss

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