Schätze aus Glas: Anita Zwicknagl, Museumsfachkraft der Stadt, und Helmut Hahn, Vorsitzender des Fördervereins Heimatmuseum, zeigen die neu angeschafften Exponate für Museum der Stadt.
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Schätze aus Glas: Anita Zwicknagl, Museumsfachkraft der Stadt, und Helmut Hahn, Vorsitzender des Fördervereins Heimatmuseum, zeigen die neu angeschafften Exponate für Museum der Stadt.

Teile der Sammlung von Walter Weber erworben

Neu im Museum der Stadt Geretsried: Böhmisches Glas in allen Variationen

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
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Das Museum der Stadt Geretsried hat neue Exponate erworben. Böhmisches Glas in allen Variationen kann bestaunt werden, wenn die Ausstellung wieder eröffnet.

Geretsried – Die Sammlung des Geretsrieder Stadtmuseums wächst: Etwa 30 historische handgeschliffene Überfanggläser aus Böhmen hat die Stadt erworben. Die kunstvoll gestalteten Teller, Becher, Krüge, Pokale, Schalen und Schüsseln stammen aus der Sammlung von Walter Weber, der einen Teil nach Geretsried verkauft hat.

Ursprünglich stammt Weber aus der Nähe von Frankfurt, berichtet Helmut Hahn vom Museumsförderverein während eines Ortstermins vor dem Lockdown. „Er war im Auswärtigen Amt in München beschäftigt und hat in Geretsried gewohnt.“ Als Egerländer schloss er sich der Gmoi in Geretsried an. „Er ist ein leidenschaftlicher Sammler gewesen“, sagt der Gmoi-Vorsteher. Glas und Porzellan aus Böhmen hatten es Weber angetan. Nun entschloss er sich zum Verkauf einiger Stücke und nahm Kontakt zu Hahn auf.

„Das Reizvolle daran ist, dass es wirklich alte Sachen sind“, schwärmt Kulturamtsmitarbeiterin Anita Zwicknagl. Auf einem Pokal ist die Zahl 1853 eingraviert, ein anderes Stück stammt aus dem Jahr 1842. Gefertigt wurden sie in Nord-Böhmen, eine Gegend, die bekannt war für ihre Glasherstellung – und für ihre Bäder- und Kurkultur. So sind die meisten Exponate vermutlich Souvenirs und Auszeichnungen, wie beispielsweise ein Pokal für einen geschätzten Lehrer.

Museumsfachkraft Zwicknagl berichtet, dass Gegenstände dieser Art nicht oft im Fluchtgepäck der Heimatvertriebenen zu finden gewesen seien. Es gab wichtigere, und vor allem nicht so empfindliche Dinge, die die Menschen auf der Flucht aus ihrer Heimat einpackten. Solche Gläser seien erst in späteren Jahren aus der ehemaligen Tschechoslowakei herausgebracht worden, ergänzt die Rathausmitarbeiterin.

Im Raum der Egerländer im ersten Stock des Museums gibt es übrigens weitere kunstvoll gestaltete Gläser und Porzellanbecher zu bestaunen. Einige davon dienten Kurgästen als Trinkgläser. Weil das Heilwasser, das man daraus trank, die Zähne dunkel verfärben konnte, wurden die Gläser von den Porzellangefäßen abgelöst, berichtet Hahn. Das erkläre den in den Griff integrierten Schnabel. So konnte das Wasser an den Zähnen vorbei direkt in den Mund fließen.

In die Neuanschaffung wurde Hahn zufolge ein unterer vierstelliger Betrag investiert. Die Ausgaben teilen sich der Förderverein, der zwei Drittel trägt, und die Stadt, die das restliche Drittel beisteuert.  nej

Info

Aufgrund der Corona-Pandemie ist das Museum der Stadt derzeit geschlossen. Daher können die Neuanschaffungen auch nicht besichtigt werden.

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