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Prösterchen: Nach der Bundestagswahl treffen sich im Clara-Zetkin-Saal die alten und neuen Abgeordneten der Linksf raktion. Freude über 9,2 Prozent bei (v. li.) Susanne Ferschl, Klaus Ernst, und Nicole Gohlke, der Geretsrieder Andreas Wagner sowie Eva Schreiber und Harald Weinberg aus Bayern. 

Er sitzt für die Linke im Bundestag

Neu-Parlamentarier Andreas Wagner lebt sich in Berlin ein

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Andreas Wagner aus Geretsried wird für die Linke im Bundestag sitzen. Wie er sich in der Hauptstadt einlebt, hat der 45-Jährige unserer Zeitung verraten.

Geretsried/Berlin – Unter den Linden 50 – so heißt Andreas Wagners neue Büroadresse in Berlin. Der Geretsrieder, vor zwei Wochen für die Linken in den Bundestag gewählt, bezog jetzt an der legendären Prachtstraße im Stadtteil Mitte einen eigenen Arbeitsplatz. Was gar nicht so einfach war: „Weil mit der FDP und der AfD zwei Fraktionen zusätzlich im Parlament sitzen, ist momentan alles etwas beengt“, sagt der 45-Jährige. Auch sonst befindet sich Wagner noch in der (Zurecht-)Findungsphase. „Es ist spannend und interessant, aber auch eine Umstellung. Ich muss mich erst an die neue Aufgabe herantasten. Doch ich freue mich auf die parlamentarische Arbeit.“

Keine Angst, unter einer Spreebrücke zu landen

Viele Jobs hat ein Neu-Parlamentarier zu erledigen. Er muss sich eine Wohnung suchen, „denn ein Hotel wird auf Dauer zu teuer“. In der prosperierenden Bundeshauptstadt eine Bleibe zu finden, ist aber mittlerweile nicht einfach. Wagner fürchtet trotzdem nicht, irgendwann unter einer Spreebrücke zu landen. „Wäre das einem Abgeordneten passiert, hätten wir es sicher schon in der Zeitung gelesen“, sagt er ganz entspannt.

Außerdem muss sich der Geretsrieder eine Mannschaft zusammenstellen. Am Donnerstag führte er erste Bewerbungsgespräche. „Brauche ich einen wissenschaftlichen Mitarbeiter? Will ich einen Praktikumsplatz anbieten?“ Diese Fragen beschäftigen den 45-Jährigen derzeit.

Priorität besitze aber das Wahlkreisbüro, das er „möglichst zügig im Raum Geretsried-Wolfratshausen eröffnen“ möchte und für das er einen Büroleiter respektive eine Leiterin benötigt. Kontakt zu halten zu den Menschen, die ihn in den Bundestag gewählt haben, in seinem heimatlichen Wahlkreis präsent zu sein, das ist dem Heilerziehungspfleger „sehr, sehr wichtig“. Als Mitarbeiterpauschale steht jedem Abgeordneten ein Betrag von 20 870 Euro monatlich zur Verfügung. Viel Geld. Auch damit müsse man erst einmal umzugehen lernen, sagt Wagner.

„Wir sind eine relativ starke Landesgruppe“

Vergangene Woche traf er zum ersten Mal auf seine Fraktionskollegen von den Linken. Zeit zum Beschnuppern und Kennenlernen. „Wir sind mit sieben Leuten eine relativ starke Landesgruppe“, sagt der 45-Jährige. Die teilt sich auf in vier Neulinge und drei alte Polit-Hasen. Erstere können gerade in der Startphase von den routinierten Parteigenossen profitieren.

Wagner ist seit Dr. Edmund Stoiber der erste Politiker aus dem Nordlandkreis, der ein Bundestagsmandat erhalten hat. Der Wolfratshauser Stoiber war vom 18. Oktober bis 8. November 2005 Mitglied des Deutschen Bundestags. Damit erschöpfen sich jedoch die Gemeinsamkeiten der beiden. Anders als Bayerns ehemaliger Ministerpräsident („... zum Flughafen ... in zehn Minuten“) bevorzugt Andreas Wagner die Bahn, um nach Berlin zu gelangen. „Wenn’s terminlich passt“, fährt er lieber mit dem ICE. Inklusive der S-Bahnfahrt von Geretsried nach München dauert die Reise in die Hauptstadt rund siebeneinhalb Stunden. Zeit, die für den 45-Jährigen „nicht verloren“ ist, denn „im Zug lässt es sich prima arbeiten“.

Wie lief der Wahlsonntag in der Region Wolfratshausen? Das Minutenprotokoll zum Nachlesen finden Sie hier.

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