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Auf dem Eis lief es für den ESC Geretsried im Premieren-Heimspiel gegen den EHC Königsbrunn wie am Schnürchen: Die River Rats siegten mit 9:5.

Eishockey-Bayernliga: River Rats bestreiten gegen Königsbrunn ihr erstes Spiel auf heimischem Eis

Neu überdachtes Geretsrieder Eisstadion begeistert Spieler und Fans: „Eine super Halle“

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Das befürchtete Chaos beim ersten Heimspiel der River Rats im neu überdachten Geretsrieder Eisstadion ist ausgeblieben. Nach dem Bayernliga-Spiel gegen Königsbrunn waren überall nur strahlende Gesichter zu sehen.

Geretsried – Mit einem etwas mulmigen Gefühl blickte Markus Janka dem ersten Heimspiel der Geretsrieder River Rats im neu überdachten Eisstadion entgegen. Was dem Vorsitzenden vor allem Sorgen machte, war die geringe Anzahl an Tickets, die der Verein verkaufen durfte – gerade mal 200. „Das gibt ein Chaos“, fürchtete Janka im Hinblick auf die unzähligen Kartenanfragen, die bei ihm eingegangen waren. Doch als in der Partie gegen Königsbrunn die Schlusssirene ertönt war, sah man überall nur strahlende Gesichter. Das befürchtete Chaos war ausgeblieben. Und ganz nebenbei hatten die River Rats Königsbrunn mit 9:5 vom Eis gefegt.

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Stefan Lerche, Sponsor der Geretsrieder River Rats.

Das Heinz-Schneider-Eisstadion ist wiedereröffnet – und trotzdem eine einzige Baustelle. Das Gebäude ist umgeben von Gerüsten. Auf der Sitzplatz-Geraden türmen sich Kartons. In der Luft liegt der Geruch von Staub und frischem Beton. Die nagelneuen blauen Sitzplatzschalen sind überzogen von einer dicken Staubschicht. Wer noch etwas von der alten Freiluft-Arena wiedererkennen will, muss schon genau hinschauen. Dann werden die schwarzen Streifen auf den Betonstufen sichtbar, die die zahllosen Regengüsse hinterlassen haben – und die Grashalme und Löwenzahn-Triebe, die nun einen ebenso verzweifelten wie aussichtslosen Kampf gegen die Trockenheit führen.

Trockenheit im Heinz-Schneider-Eisstadion – das ist für Martin Köhler eine völlig neue Erfahrung. Der Stürmer hat miterlebt, wie das alte Dach vor 13 Jahren unter der Schneelast nachgab und abgetragen werden musste. Seither hat er unzählige Spiele bei Kälte absolviert, das Trikot von Regen durchnässt. „Ich kann gar nicht sagen, welches das schlimmste Spiel war – es hat so viele schlimme Spiele gegeben“, sagt der 31-Jährige. Spontan fällt ihm das Spiel gegen Germering ein, das wegen Schneefalls abgebrochen werden musste: „Schön, dass man sich jetzt keine Gedanken mehr machen muss, ob es regnet oder schneit. Das hier ist eine super Halle – unglaublich.“ Köhler freut sich schon auf das erste Spiel vor richtig großer Kulisse: „Das wird super.“

Und vor dem Stadion? Dort haben Moni Schibelka und Theresa Riedl an der Kasse einiges zu tun. Vor den beiden liegt eine Namensliste. Das ausverkaufte Spiel gegen Königsbrunn darf sich nur ansehen, wer auf dieser Liste steht – Dauerkartenbesitzer und Fans, die ihre Tickets im Vorverkauf erworben haben. Ein paar Dutzend Fans, die nicht auf der Liste stehen, warten geduldig vor dem Stadion. Vielleicht gibt es ja doch noch ein paar Resttickets an der Tageskasse? Die Entscheidung, ob noch ein paar Glückliche das Spiel ansehen dürfen, fällt um 17.30 Uhr. Dann zählt Moni Schibelka die Häkchen auf der Namensliste nach – und kommt zu einem verblüffenden Ergebnis: Viele Fans sind nicht rechtzeitig erschienen, so gibt es plötzlich wieder 72 Tickets in der Tageskasse. Sehr zur Freude von Dominik Erbeskorn. Bereits um 16 Uhr kam der Fan zum Stadion, hoffte darauf, eines der begehrten Tickets zu ergattern. Nun ist er einfach nur glücklich, als ihm Theresa Riedl den Einlass-Stempel auf den Handrücken drückt: „Beim ersten Spiel im neuen Stadion dabei zu sein – das ist ein Erlebnis.“ Moni Schibelka fragt schmunzelnd: „Bist nervös?“ Erbeskorn entgegnet lachend: „Und wie.“

Keine Probleme gab es an der Kasse, besetzt mit Moni Schibelka (re.) und Theresa Riedl (2. v. re.)

Ein anderer Fan in der Schlange ist so glücklich über sein Ticket, dass er gleich noch 15 Euro in die Vereinskasse spendet. Fünf Minuten vor Spielbeginn zählen Schibelka und Riedl noch mal durch: 192 Karten sind verkauft. Hinzu kommen Landrat, Bürgermeister und ein paar Stadträte, die durch eine Nebentür ins Stadion gelangt sind. Also: „Ausverkauft.“

Markus Janka beobachtet strahlend, dass an der Kasse das befürchtete Chaos ausgeblieben ist: „Das war eine Punktlandung. Es wäre schade gewesen, wenn 50 Leute draußen stehen hätten müssen.“ Nun sei eine „Riesenlast“ von seinen Schultern gefallen. Eigentlich wollte der ESC-Vorsitzende ausschlafen, doch dann trieb es ihn schon um 6.30 Uhr aus dem Bett, „weil mir noch zwei, drei Gedanken durch den Kopf gegangen sind“. Aber alles habe sich gelohnt, „man sieht bei den Zuschauern nur strahlende Gesichter“. Beispielsweise bei Stefan Friedl. Der Fan ist völlig geplättet, als er das neue Stadion betritt: „Durch das helle Holzdach wirkt das Stadion sehr groß. Saugut – ich bin ewig froh, dass wir das neue Stadion haben.“ Mindestens ebenso glücklich über die Rückkehr in die Heimat ist Zeitnehmer Wolfgang Steinbach. Er deutet auf das Kästchen mit gelben und roten Knöpfen vor sich und sagt: „Die Uhr macht alles von selbst.“ Ganz anders als die Uhr am Ausweich-Spielort Mittenwald, mit der er es zuletzt zu tun hatte: „Sie hat sich immer selbstständig gemacht. Manchmal waren die Strafzeiten verschwunden, manchmal hat sie sich selbst ausgeschaltet – eine Katastrophe.“ Der Freiluft-Ära trauert Steinbach nicht hinterher. Mit Schaudern erinnert sich der Zeitnehmer an die Arbeit bei zweistelligen Minusgraden: „Wenn man da tippen oder schreiben musste – das war zum Teil schon ekelhaft.“

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Das Funktionsteam an der Bande (von vorne nach hinten) Wolfgang Steinbach (Zeitnehmer), Andrea Gschwendtner (Stadionsprecherin) und Olaf Gschwendtner (Spielberichts-Erfasser).

Rico Lehwald lehnt ganz entspannt an einem Geländer und genießt eine Halbe Bier. „Wenn man so lange dabei ist wie ich, dann ist man nicht mehr nervös“, sagt der Betriebsleiter und Vorsitzende des Stadionvereins: „Ich habe ein tolles Team an Mitarbeitern, auf die ich mich verlassen kann.“ Gefordert waren Lehwald und sein Team vor allem bei der Generalprobe am Freitag, als die Geretsrieder Junioren das erste Spiel im Stadion absolvierten. Beispielsweise ließ sich eine Strafbanktür nicht richtig schließen: „Die letzte Schraube haben wir kurz vor Spielbeginn reingedreht – aber wir sind pünktlich fertig geworden.“

Stefan Friedl, Fan der Geretsrieder River Rats

Ein paar Meter weiter steht Stefan Lerche. Er beobachtet zufrieden, wie der ESC gegen Königsbrunn ein Tor nach dem anderen schießt: „Man sieht, dass die Mannschaft mit Euphorie ans Werk geht.“ Man könne vor den Handwerkern und den Ehrenamtlern nur den Hut ziehen, sagt Lerche: „Sie haben alles gegeben.“ Das neue Dach sei nicht nur für die Erste Mannschaft, sondern auch für die Jugend und das ganze Umland ein Gewinn. Er habe zwischenzeitlich darüber nachgedacht, sich als Sponsor zurückzuziehen, „aber jetzt werde ich doch weitermachen“. Die Perspektive stimme schließlich: „Welcher Bayernligist wird schon von Top-Stars wie Markus Janka und Korbinian Holzer geführt? Da wird die Basis für eine gute Zukunft geschaffen – ich bin gespannt, wo die Reise hingeht.“

Ebenso optimistisch ist Rico Lehwald: „Jetzt beginnt eine neue Ära, jetzt kann es wieder aufwärtsgehen.“ Erst einmal stehen aber noch viele Restarbeiten an. Das Stüberl soll so schnell wie möglich fertig werden. Außerdem geht es um die Toiletten, Kabinen, Bodenbeläge. Erst einmal müssten aber alle baurechtlichen Bestimmungen erfüllt werden. Und das Feintuning an der Lautsprecheranlage, ergänzt Markus Janka. „Aber wenn alles schon perfekt laufen würde, hätten wir keine Ziele mehr.“

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(pr)

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