Querfeldein: Den Umgriff des S-Bahnhofs vor den Toren Geltings (im Hintergrund) und entlang der geplanten Trasse entwickelt die Stadt.  Grafik: Deutsche Bahn
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Querfeldein: Den Umgriff des S-Bahnhofs vor den Toren Geltings (im Hintergrund) und entlang der geplanten Trasse entwickelt die Stadt.

Stadt sichert sich Vorkaufsrecht

Neuer S-Bahnhof in Gelting: Stadtrat entwickelt umliegende Bereiche

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Wenn die S-Bahn durch Gelting rollt, will der Stadtrat die Entwicklung der Flächen um den neuen Bahnhof herum nicht dem Zufall überlassen. Er gab nun den Startschuss für erste Untersuchungen.

  • Das Planfeststellungsverfahren für die S7-Verlängerung läuft.
  • Der Stadtrat leitet vorbereitende Untersuchungen für Gebiet um S-Bahn-Trasse in Gelting ein.
  • Eine Stadtplanerin empfiehlt die Ausweisung neuer Gewerbeflächen in Gelting

Geretsried – Auch wenn so mancher im Saal der Ratsstuben angesichts der langwierigen Planungen müde lächelte, für Bürgermeister Michael Müller besteht kein Zweifel: „Die S-Bahn kommt“, betonte der Rathauschef in der Stadtratssitzung am Dienstag. Die Verlängerung der Trasse von Wolfratshausen nach Geretsried wird einige Veränderungen für die größte Stadt im Landkreis mit sich bringen.

Der erste Halt auf Geretsrieder Flur ist in Gelting in der Nähe des Gewerbegebietes und vor den Toren des Dorfes geplant. Die Entwicklung des umliegenden Bereichs „dürfen wir nicht dem Zufall überlassen“, sagte Müller. Dementsprechend beschloss der Stadtrat einstimmig, vorbereitende Untersuchungen durchführen zu lassen, um eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme einleiten zu können. Zudem sicherte er sich für die Grundstücke östlich/südöstlich von Gelting ein Vorkaufsrecht.

Mehr Gewerbeflächen in Gelting

Stadtbaurat Rainer Goldstein bezeichnete Letzteres als ein „Instrument, um die kommunale Bauleitplanung zu unterstützen“. Die S-Bahn-Trasse führe „wild über alle Grundstücke hinweg“. Aus dieser Situation müsse die Stadt mit den Eigentümern etwas machen, das für alle passend ist. Auf allen Flächen, die für den Bau der S-Bahn erforderlich sind, liege eine Veränderungssperre, sagte Goldstein auf Nachfrage von Volker Reeh (Geretsrieder Liste). Um den Bereich zwischen der Bebauung und der Bundesstraße 11 sinnvoll zu entwickeln, sind weitreichende Überlegungen nötig, wie Hilke Jäger vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München deutlich machte. Laut Demografiebericht steigt die Einwohnerzahl in Geretsried bis 2032 auf 32 000 Einwohner. Damit die Arbeitsplatzdichte entsprechend mitwächst, seien neue Gewerbeflächen nötig. „Dafür steht Gelting im Fokus“, so die Stadtplanerin.

Im Stadtbereich selbst und daran angrenzend gebe es keine freien Flächen. Daher gelte es sich zu überlegen, wo in Gelting Gewerbeflächen entwickelt werden könnten und wie man den Übergang vom Dorf ins Gewerbegebiet gestaltet. „Der historische Ort Gelting sollte erhalten und weiterentwickelt werden“, so Jäger. Zudem könne die Aufenthaltsqualität im Gewerbegebiet etwa durch Sportflächen gesteigert werden. Es brauche übergreifende Untersuchungen und Überlegungen, „bevor Gewerbeanfragen in die falsche Richtung gehen“, so die Stadtplanerin.

Bürgermeister weist Kritik zurück

Neue Stadträte wie Patrik Kohlert und Dr. Elmar Immertreu (beide Geretsrieder Liste) fühlten sich von dem Thema auf der Tagesordnung überrumpelt. „Ich hätte mir das in einer Klausur gewünscht, um uns Neue abzuholen“, sagte Kohlert. Sein Fraktionskollege hatte ein Problem damit, in öffentlicher Sitzung „über privates Gelände zu verfügen“. Bürgermeister Müller wies die Einwände zurück. „Wir beginnen jetzt erst mit der Diskussion“, stellte er klar. Der Start könne nicht im stillen Kämmerlein erfolgen. „Sie fordern doch immer Transparenz“, echauffierte er sich. Wer im besagten Bereich Grund hat, müsse doch wissen, wenn die Stadt Planungen anstellt.

Reeh mahnte, die Verkehrsplanung nicht außer Acht zu lassen. Dominik Irmer (Freie Wähler) forderte, viel produzierendes Gewerbe anzusiedeln. „Jetzt ist die Logistik sehr stark.“


Nicht alle sind für die Verlängerung der S-Bahn-Strecke. Kritiker arbeiten an einem Info-Film.

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