Bis auf die Außenanlagen fertig: Das Heizkraftwerk am Schulzentrum an der Adalbert-Stifter-Straße.
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Bis auf die Außenanlagen fertig: Das Heizkraftwerk am Schulzentrum an der Adalbert-Stifter-Straße.

Regenerative Energien

Neues Heizkraftwerk: Leiter Jan Dühring gibt exklusiven Einblick

Das Heizkraftwerk an der Adalbert-Stifter-Straße ist seit Freitag in Betrieb. Leiter Jan Dühring zeigt die Anlage.

Geretsried Es ist die zweitbeste Lösung – die beste wäre die Versorgung mit Geothermie gewesen –, aber die Stadt ist stolz auf die Insellösung. Seit Freitag läuft das Heizkraftwerk (HKW) an der Adalbert-Stifter-Straße, das das Schulzentrum, die Stadtbücherei und das Jugendzentrum Saftladen mit Wärme versorgt. Ab Frühjahr 2019 sollen auch das Isarau-Stadion und das Schützenheim an der Jahnstraße sowie das Eisstadion angeschlossen werden. 2020 ist das neue Hallenbad als größter Wärmeabnehmer an der Reihe.

„Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Umstieg auf regenerative Energien“, sagt Stadtwerke-Leiter Jan Dühring. Das Kommunalunternehmen Stadtwerke tritt als Investor der rund drei Millionen teuren Anlage auf. Das Projekt wird zu etwa zehn Prozent durch das Technologie- und Förderzentrum im Rahmen des Förderprogramms Bioklima mit Mitteln des Freistaats Bayern gefördert.

Alles blitzt: Einen Einblick in das neue Heizkraftwerk gab unserer Zeitung Stadtwerke-Leiter Jan Dühring.

Vergangene Woche führte Jan Dühring unsere Zeitung durch das fast fertige HKW auf dem ehemaligen Mittelschul-Parkplatz, das bereits im Probebetrieb lief. Zu rund 60 Prozent wird dort Wärme aus Hackschnitzeln erzeugt, die übrigen 40 Prozent liefern zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) und ein Spitzenlast-Gaskessel. Die Gesamtleistung beträgt 600 Kilowatt.

Der Hauptteil der Wärme stammt aus Biomasse. Die Holzhackschnitzel und das Waldfrisch – noch feuchtes Holz – stammen aus der Region, das heißt aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und aus dem Nachbarlandkreis Miesbach. Etwa drei bis vier Mal pro Woche liefert ein Lastwagen das Gut an und entlädt es geräuscharm in eine große Schütte im Süden des Gebäudes. Der Vorgang erfolgt laut Dühring am Nachmittag, wenn der größte Betrieb am Schulzentrum vorüber ist.

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Etwa 250 Schüttraummeter umfasst der Hackgutspeicher. Von ihm aus wird das Häckselmaterial über Förderbänder ins Innere des Kraftwerks transportiert und verbrannt. Die zwei Blockheizkraftwerke laufen mit Erdgas, das die Stadtwerke von der 17er Oberlandenergie beziehen. Der zusätzliche Erdgaskessel springt bei Störungen ein und „an den paar Tagen im Jahr, wo es minus 15 Grad hat“ und die Spitzenlast erreicht wird, so Dühring. Durch Kraft-Wärme-Koppelung werden in den BHKW Wärme und Strom erzeugt. Der Strom, den die Stadt nicht selbst verbraucht, wird ins Netz eingespeist.

Die riesigen, metallen Kessel im Inneren, die ausgeklügelte Elektronik und die großen Aschebehälter, die regelmäßig geleert werden, sind beeindruckend. „Dabei funktioniert die Heizanlage wie in einem Privathaushalt – nur sind eben die Dimensionen andere“, sagt Dühring. Durch drei mächtige Kamine auf dem Pultdach des Gebäudes wird der Rauch in die Luft geblasen. Dank Abgasreinigung und Entschwadungsanlage kommt er fast geruchs- und farblos heraus.

Im Moment werden die Außenanlagen erstellt. Um das Grundstück herum kommt noch ein Zaun. Als Ersatz für die gefällten acht Bäume und die entfernten Sträucher pflanzen die Stadtwerke an anderer Stelle 20 neue Bäume.

Jan Dühring bezeichnet das HKW als gute Insellösung auf dem Weg zur Kohlendioxid-Neutralität. Ihr sollen weitere in Geretsried folgen. Gedacht ist an Blockheizkraftwerke am Neuen Platz, in Stein und eventuell an der Isardamm-Grundschule. Vor allem am Neuen Platz müssten die privaten Hauseigentümer jedoch mitspielen, sagt der Stadtwerke-Leiter. Dazu bedürfe es viel Überzeugungsarbeit.

tal

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