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Baureif: Der Stadtrat hat am Dienstagabend das Bebauungsplanverfahren für den Neubau am Karl-Lederer-Platz zum Abschluss gebracht. Nach Ostern will der Investor Krämmel mit dem Abbruch beginnen.

Neues Zentrum in Geretsried

Stadtrat: Klare Mehrheit für Krämmel-Bau

Mit 26:3 Stimmen hat der Stadtrat am Dienstagabend den Bebauungsplan für die Grundstücke Karl-Lederer-Platz 14 bis 18 zur Satzung beschlossen. Damit ist der Weg frei, dort einen bis zu siebengeschossigen Neubau zu errichten.

Geretsried Knapp 80 Bürger und öffentliche Stellen hatten m Rahmen der dritten und letzten Auslegung des Bebauungsplans für den Karl-Lederer-Platz schriftlich Stellung genommen. Der Entwicklungs- und Planungsausschuss befasste sich am Montagabend mit den Bedenken und Anregungen. Einstimmig empfahl er dem Stadtrat, den Plan als Satzung zu beschließen. Dem folgte das Gesamtplenum am Dienstagabend mit 26:3 Stimmen. Nur Volker Reeh und Sabine Lorenz (CSU) sowie Arthur Wolfseher votierten dagegen (ausführlicher Bericht folgt).

Größte Sorge bleibt die Grundwassersituation

Wie bei den vorangegangenen Anhörungen betrafen die Einwände vor allem die Grundwassersituation. Direkte Anwohner, aber auch Bewohner umliegender Wohngegenden wie der Graslitzer Straße oder des Blumenviertels äußerten die Sorge, dass durch den Bau der Tiefgarage nach starken Niederschlägen Grundwasser verdrängt und in die Keller ihrer Häuser laufen könnte.

Die Stadt verweist in ihrer Antwort auf das Gutachten und die Planungen der Firma DHI Wasy. Diese will wie berichtet das Wasser mit Dükern umleiten. Das Regenwasser wird mit Rigolen abgeleitet. Aktuell wird zur Beweissicherung ein Pegel-Messnetz mit 20 Messstellen im gesamten Stadtgebiet eingerichtet.

Kritisiert wurden von den Gegnern des Projekts zudem Höhe und Größe des Baukörpers der Krämmel Familien GbR, die Verschattung und Verkleinerung des Karl-Lederer-Platzes sowie der zu erwartende Lärm durch Warenanlieferungen für den Supermarkt im Krämmel-Gebäude. Architekt Klaus Kehrbaum zeigte eine Untersuchung des Ingenieurbüros Hausladen zur Verschattung des Platzes. Es sei richtig, dass der jetzige Parkplatz keine Sonne mehr abbekommen werde. Doch auf die Westseite des Platzes – dort, wo der künstliche Bach verläuft – werde die Sonne scheinen, so Kehrbaum. Der Bereich soll so gestaltet werden, dass er noch mehr zum Verweilen einlädt.

Tiefgarage mit 260 öffentlichen Stellplätzen

Die Aufenthaltsqualität auf dem Karl-Lederer-Platz wiederum soll durch eine „Bespielung der Erdgeschosszone durch Handelsflächen und durch eine Aufwertung des Platzes“ erreicht werden. Für den Wochenmarkt wird ein „Funktionsplan“ erstellt. Zur Höhe des siebenstöckigen Krämmel-Neubaus mit rund 26 Metern sagte Kehrbaum, auch der Kreisbaumeister plädiere für diese Höhe. Die Befürchtung, der Parkplatzsuchverkehr werde zunehmen, weil es weniger Parkmöglichkeiten geben werde, räumte Kehrbaum mit dem Verweis auf 260 öffentliche Plätze in der Tiefgarage aus.

Die letzte der 59 eingegangenen Bürgerstellungnahmen ist eine Ermunterung an die Stadträte. „Baut das Ding im Sinne einer modernen Weiterentwicklung der Stadt“, schreibt ein Bewohner des Hirschenwegs.

In der Diskussion hakte Freie-Wähler-Stadtrat Dominik Irmer wegen der Grundwasserproblematik nach. Er sagte, der Grundwasserstand sei in Geretsried sehr schwankend. „Ist sichergestellt, dass alles Wasser abgeleitet werden kann, wenn der Grundwasserpegel steigt?“, fragte er den Architekten. Kehrbaum antwortete, das Düker-System werde bei allen Tiefgaragen im Zentrum angewandt. Die Düker könnten individuell auf unterschiedliche Wasserpegel eingestellt werden. Das Modell sei bayernweit einzigartig, weshalb man sogar einen Zuschussantrag dafür gestellt habe. Sonja Frank (Freie Wähler) meinte, sie habe ein sehr gutes Gefühl. „So genau wurde die Grundwassersituation noch nie geprüft.“

Anwohner kündigen Bürgerbegehren an

Mit keinem guten Gefühl verließ das Dutzend Anwohner, das die Sitzung verfolgt hatte, das Rathaus. „Alles wurde wieder nur durchgewunken und abgenickt“, kritisierte die Sprecherin der Interessengemeinschaft Karl-Lederer-Platz, Eva Eberhardt. Sie kündigt ein Bürgerbegehren an, für das es ihrer Aussage nach schon Pläne gibt.

Von Tanja Lühr

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