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4,6 Tonnen Hightech: Die neue Mammoth im Einsatz. Am Steuer sitzt Vladimir Kireev, einer der sechs Eismeister im Heinz-Schneider-Eisstadion. 

Stadt schafft Hightech-Maschine an

Neuzugang im Geretsrieder Stadion: Der  Kumpel der Eisflüsterer

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Der alte Eisaufbereiter im Heinz-Schneider-Stadion hatte einen kapitalen Motorschaden. Ersatz musste her. Die Stadt beschaffte ihn für 170 000 Euro.

Geretsried – Allrad, vier Breitreifen auf Alufelgen, starker Elektromotor, LED-Tagfahrlichter und eine ellenlange Liste kostenpflichtigen Sonderzubehörs. Kostenpunkt: rund 170 000 Euro cash. Klingt nach einem schnittigen Tesla, ist aber keiner. In der Garage des ESC Geretsried steht seit Mitte November eine Mammoth der südtiroler Firma WM Ice Technics. Mit der 4,6 Tonnen schweren Eisaufbereitungsmaschine zaubern der städtische Eismeister Andrej Merkel und seine fünf Kollegen des ESC aus dem Spielfeld im Heinz-Schneider-Stadion einen perfekt zu bespielenden Hochglanz-Untergrund.

Zunächst muss man einen Irrtum ausräumen: Die Zamboni, so nennt der Volksmund diese Maschinen – analog dem Begriffsmonopol von Tempo für Papiertaschentücher –, ist in vielen Fällen keine. Auch der alte Geretsrieder Eisaufbereiter, nach 20 Jahren Dienst siech wegen eines kapitalen Motorschadens, stammte nicht aus der US-amerikanischen Kult-Schmiede, „sondern ist auch eine Mulser“, sagt Stadionchef Rico Lehwald. Willi Mulser, gelernter Huf- und Fahrzeugschmied aus Blumau bei Bozen, gründete die Firma WM Ice Technics 1985.

Obwohl ein Hightech-Produkt, hat eine Mulser ein Verfallsdatum. Für die alte Maschine ließen sich zwar – meist gebrauchte – Ersatzteile finden, sagt Lehwald. „Das Problem ist, dass du nicht schnell genug an sie rankommst. Bei einem Ausfall kannst du während der Saison nicht Wochen auf ein Teil warten.“ Den Oldie behält der ESC als Reserve – in der Hoffnung, „dass irgendwann ein alter, aber funktionierender Motor auftaucht, den wir einbauen können“.

Tatsächlich fuhr, besser kroch, während der ersten Wochen der laufenden Saison aber eine Zamboni, Baujahr 1979, durchs Stadionrund – und verlängerte so jede Drittelpause während einer Eishockeypartie um eine zweite Bockwurst. Diese Maschine war Vorgängerin der nun defekten Mulser. Die Stadt hatte sie Ende der 1990er Jahre an den EC Thanning abgegeben, der damit sein Natureis am Müllerberg pflegte. Wegen der meist warmen Winter stand die Zamboni dort aber mehr herum, als dass sie arbeitete. „Wir mussten erst ein bisschen basteln, ehe sie wieder rund lief“, sagt Robert Kurzlechner, einer der fünf ESC-Eismeister auf Teilzeitbasis.

Nun aber flitzt die Mammoth mit in der Spitze 13 Stundenkilometern durchs Stadion, hobelt, wäscht und glättet schließlich das Eis mit Warmwasser in einem Arbeitsgang. Zu bedienen sei die Maschine dank Vollautomatik kinderleicht, sagt Kurzlechner, „nach fünf Minuten Einweisung kannst du das auch. Heraus kommt halt dann allerdings 0815-Eis.“ Ein Eismeister, der etwas auf sich hält und Hockeyspielern wie Schlittschuhläufern den bestmöglichen Untergrund bieten will, bedient den Brummer komplett manuell. „Für Top-Eis“, ergänzt Kurzlechners Kollege Sebastian Eiler, „braucht’s Fingerspitzengefühl.“ Ihre Bahnen und Kurven ziehen die Eisflüsterer ebenfalls nach Gefühl. Es würde zwar ein GPS-Modul geben, das dies dem Fahrer abnehmen könnte, jedoch ist das laut Lehwald „noch nicht zugelassen. Es wäre aber cool, würde Wasser, Strom und letztlich Geld sparen.“

Darüber hinaus kann der Kunde jede Menge Gimmicks ordern – wenn er sein Portemonnaie weit genug öffnet. Da die Stadt das Geld des Steuerzahlers gewissenhaft ausgibt, sind im Modell des ESC einige der 24 Knöpfe auf dem Bedienpanel nicht belegt, beispielsweise jener mit dem Sitzheizungssymbol. „Haben wir nicht, leider“, sagt Kurzlechner grinsend.

Die Mammoth ist ein Vorführmodell, hat eine erhabene Weihe hinter sich: „Sie war eine der Maschinen, die im Mai bei der Eishockey-WM in Dänemark zum Einsatz kamen“, verrät Lehwald. Direkt aus dem Katalog wäre sie noch teurer gewesen. Die Stadt kaufte sie so, wie sie ist, also ohne Fahrerkabine. „Nur die Harten fahren im Winter Cabrio“, sagt Kurzlechner und lacht. Im offenen Stadion mache dieser Umstand „den Jungs im Moment noch das Leben etwas schwer“, ergänzt Lehwald. Aber das Problem ist gelöst, sitzt wie geplant 2019 das neue Dach auf der Arena. Dann zahlt sich zudem aus, dass der Koloss mit Strom, nicht – wie sein Vorgänger – mit Benzin fährt. „Du hast keine Abgase in der Halle während der Eisaufbereitung, schwärmt Eiler, „und das Ding ist noch dazu so leise, einfach klasse.“ Zum Glück des ESC braucht’s keinen Tesla, eine Mammoth genügt vollkommen.

peb

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