Blick auf die Stadt Chamalières
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Malerisch: Geretsrieds Partnerstadt Chamalières mit zirka 17 000 Einwohnern liegt in der Region Auvergne-Rhône-Alpes.

CORONA - Partnerschaftsverein berichtet von Situation bei den Freunden in Chamalières

„Nicht mal Spazierengehen war erlaubt“: Wie Chamalières die Corona-Pandemie erlebt

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Auch wenn Besuche derzeit nicht möglich sind, hält der Partnerschaftsverein Kontakt zu Chamalières. In Zeiten der Corona-Pandemie gibt es einige Parallelen.

Geretsried/Chamalières – Die Städtepartnerschaft zwischen Geretsried und Chamalières in der Auvergne ist lebendig. Regelmäßig besuchen sich die Bayern und die Franzosen gegenseitig, heuer wollten sie bei der Maifeier auf dem Karl-Lederer-Platz gemeinsam das Stadtjubiläum feiern. Wegen der Corona-Pandemie musste der Partnerschaftsverein alle Pläne aufs nächste Jahr verschieben (wir berichteten). Doch Freunde halten auch in der Krise zusammen. So haben Vorstandsmitglieder wie Edith Peter und Gerhard Meinl laufend Kontakt nach Chamalières – und entdecken viele Parallelen.

Auch in Frankreich lag das öffentliche Leben über Monate lahm. Die Einschränkungen waren allerdings viel einschneidender als in Deutschland. „Zeitweise war nicht einmal Spazierengehen erlaubt“, berichtet Marie-Christine Béraud, Vorsitzende des Partnerschaftskomitees in Chamalières in einer E-Mail an Edith Peter. Glücklicherweise habe ihre Kollegin einen Garten, um frische Luft schnappen zu können, ergänzt die Geretsriederin. Béraud habe aber sehr darunter gelitten, dass sie ihre Enkelkinder, darunter ein Neugeborenes, lange Zeit nicht sehen durfte.

Auch Bürgermeister Louis Giscard d’Estaing war während des Lockdowns von seiner Familie getrennt. „Er war die ganze Zeit in Chamalières und seine Frau mit den Kindern in ihrem Haus auf dem Land“, sagt Gerhard Meinl, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins in Geretsried. Mit dem Krisenmanagement Giscard d’Estaings scheinen die Bürger zufrieden zu sein. Sie wählten ihn Ende Juni erneut zum Rathauschef.

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Wie in Bayern waren auch in Frankreich am 15. März Wahlen. Amtsinhaber Louis Giscard d´Estaing musste in die Stichwahl. Während diese in Bayern als reine Briefwahl durchgeführt wurde, hat Frankreich den Termin verschoben. „Frankreich hat keine Briefwahl“, erklärt Meinl.

Frankreich war eines der in Europa am stärksten von Covid-19 betroffenen Länder. Chamalières hatte aber glücklicherweise weder Tote noch Erkrankte zu beklagen, teilt Béraud mit. Wirtschaftlich spürt die Stadt allerdings die Folgen der Pandemie. Die größten Arbeitgeber in der Region sind der Reifenhersteller Michelin und Fahrzeugproduzent Peugeot in Clermond-Ferrand. Die Werke waren wochenlang geschlossen, teilweise gab es Kurzarbeit, berichtet Peter. Auch die Hotellerie sei stark betroffen, ergänzt Meinl.

Immerhin über die Versorgung mussten sich die Bürger von Chamalières zu keinem Zeitpunkt Sorgen machen. Als der Wochenmarkt im Freien nicht stattfinden konnte, organisierten Stadtverwaltung und Bürgermeister Stände von regionalen Händlern im Einkaufszentrum Carrefour Europe. Mund-Nasen-Masken besorgten und bezahlten Stadt und Metropolregion. „Zivilkräfte wurden aktiviert, die zusammen mit den Bürgerkomitees der einzelnen Stadtviertel zweimal Mund-Nasen-Masken an alle Bürger der Stadt verteilten“, sagt Béraud. Wie in Deutschland war allerdings ein Produkt rar: „Auch in Chamalières wurde von den Bürgern Toilettenpapier gehortet.“

Nach dem Lockdown gehen die Franzosen ganz gerne wieder aus, ist Meinls Eindruck. Ältere Menschen meiden Restaurants jedoch nach wie vor, sagt Béraud. „Aber man trifft sich zuhause und im Garten, auch Besuche bei Verwandten und Freunden außerhalb von Chamalières werden wieder unternommen.“ Die Menschen seien vorsichtig optimistisch.

sw

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