In der Serie „Gott und die Welt“ macht sich diesmal Christoph Schirrmacher Gedanken über Bedeutung der Reformation.

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Nicht mehr auf Nummer sicher gehen

In der Serie „Gott und die Welt“ macht sich diesmal Christoph Schirrmacher Gedanken über Bedeutung der Reformation.

Christoph Schirrmacher Pastor der Christuskirche Geretsried (Baptisten) im Bund Evangelisch-freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.

Geretsried - In vier Tagen jährt sich zum 500. Mal der Thesenanschlag Martin Luthers. Die Medien sind derzeit voll davon – wie immer bei solchen Anlässen. In diesem Fall hatte sogar schon 2008 eine Luther-Dekade begonnen. Zum einen, um die historische Bedeutung der Reformation zu betonen: Sie hat die ganze Welt verändert – auch die katholische Kirche, die ja in der Gegenreformation nicht nur den Protestantismus bekämpfte, sondern aus diesem auch Anregungen für sich selbst aufnahm. Zum anderen sollte die Dekade verdeutlichen, dass sich Reformation nicht auf den Thesenanschlag reduzieren lässt. Schon viele Jahre vorher hatte Luther angefangen darüber zu grübeln, wie er Gott für sich persönlich gnädig stimmen könnte. Als disziplinierter Mönch betete und fastete er viel und war zu jedem guten Werk bereit. Er spürte aber instinktiv, dass er mit diesem Lebensstil Gott nicht beeindrucken konnte.

Im Jahr 1515 hatte er dann über der Lektüre des Römerbriefs seinen persönlichen Durchbruch. Der Brief identifiziert als Ursache dieser Zweifel die Beziehungsunfähigkeit des Menschen, sowohl anderen Menschen als auch Gott gegenüber. Dieser wird wie ein durchtriebener Gebrauchtwagenhändler behandelt, bei dem man sich nur auf das verlassen kann, was man Schwarz auf Weiß hat. Praktisch sieht das so aus, dass der Mensch sich Gott gegenüber auf eine formale Ebene begibt. Für den Gehorsam der Gebote wird eine Verschonung von Schicksalsschlägen und das Seelenheil eingefordert.

Paulus setzt diesem berechnenden Verhalten eine Beziehung der Liebe entgegen, in der es auf das gegenseitige Vertrauen ankommt. Gott bringt sein Vertrauen in die Menschen zum Ausdruck, indem er Jesus als Sohn Gottes auf die Erde schickt. Er wirbt um Gegenliebe und lädt uns ein, ein Kind Gottes zu werden. Dieser väterlichen Liebe Gottes zu vertrauen nennt die Bibel Glaube. Ich bin von Gott geliebt, weil ich sein Kind bin – nichts kann daran etwas ändern. Alles, was ich dann an guten Werken zustande bringe, ist immer nur eine Folge der Liebe, die ich erfahren habe. Ich brauche mir nicht das Heil zu verdienen, weil es mir schon längst zugesagt ist. Dazu ist jeder eingeladen.

Die gemeinsamen Feierlichkeiten zum Jubiläum zeigen, dass diese urchristlichen Gedanken heute in allen Kirchen zu hören sind. Darum lade ich Sie ein, den kommenden Dienstag auch dazu zu nutzen, diese Aussagen persönlich zu reflektieren. Ich bin mir sicher, es wird sich für Sie lohnen.

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