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Erfolgreicher Trainer: Der Geretsrieder Michael Hopfes (li.) führte 2016 seinen malayischen Schützling Julian Lee zu den Weltmeisterschaften.

Porträt der Woche

Nur die Männerversteherin fehlt

Der ehemalige Geretsrieder Eiskunstläufer Michael Hopfes arbeitet erfolgreich als Trainer in Kanada, kommt aber regelmäßig in seine Heimat zurück.

Barrie/Geretsried Deutschland steht für Kultur und sehr gutes Brot. Und tiefgründige Freundschaften. Zumindest für Michael Hopfes, früher Profi-Eiskunstläufer und heute international gefragter Eiskunstlauf-Trainer. Er lebt inzwischen in Kanada, stammt aber aus Geretsried. Hopfes war acht Jahre alt, als ihm im dortigen Heinz-Schneider-Eisstadion jemand auffiel. „Der hat Pirouetten gedreht“, erinnert er sich. „Das hat mich sehr fasziniert.“ Also begann er bei Uli Hartmann vom TuS Geretsried mit dem Eiskunstlauf. Oft fuhr er auch zum Training nach Garmisch, seine Eltern chauffierten ihn hin und her. Irgendwann wurde dies ihnen zu viel. Und so hieß es: „Entweder machst Du das g’scheit, oder Du hörst auf.“ 

Michael Hopfes als aktiver Eiskunstläufer 1999 bei einem Wettkampf in Gelsenkirchen.

Der damals Zehnjährige entschied sich für g’scheit und schaffte die Aufnahmeprüfung fürs Sportinternat in Oberstdorf. Erst als in München 1991 ein Eiskunstlaufzentrum eröffnet wurde, kehrte Hopfes heim. Er ging wieder in Geretsried zur Schule und trainierte in München. Keine einfache Zeit, aber die Erfolge entschädigten für viele Entbehrungen: Im Alter von 15 Jahren wurde er bei der Junioren-WM in Seoul Zwölfter, mit 16 landete er in Colorado Springs auf Rang 14. Es folgte ein 21. WM-Platz bei den Erwachsenen 1997 in Lausanne.

„Mit 26 wollte ich dann eigentlich aufhören und Pilot werden“, erzählt er. Aber da stellte ihm ein Freund Lisa Webster vor. Die US-Amerikanerin bot ihm an, ihn zu sponsern. Einzige Bedingung: Er müsse in ein großes Trainingszentrum wechseln. Der junge Geretsrieder willigte ein und entschied sich für das „Mariposa“ in Barrie/Ontario, Heimat des dreifachen kanadischen Weltmeisters Elvis Stoijko. Erst im Jahr 2000 beendete Hopfes seine Profikarriere mit Platz zwei bei der Deutschen Meisterschaft.

Anschließend ging er zurück nach Bayern, um sich zum Berufspiloten ausbilden zu lassen. Aber erneut kam alles anders: „Nach dem 11. September hatten viele Fluggesellschaften Probleme. Es herrschte Pilotenüberschuss, ich bekam keine Stelle.“ Also begann er, als Trainer zu arbeiten. Er gab Stunden in verschiedenen Eisstadien und leitete Trainingslager. Das lief auch gut, nur von Ende März bis zum Sommer herrschte Flaute. Hopfes reichte das „nicht zum Leben. Zumindest nicht für das Leben, das ich wollte.“

Nächster Schritt war die Qualifikation zum „Technischen Spezialisten“. Der darf bei Wettkämpfen die einzelnen Elemente einer Vorstellung identifizieren, die die Punktrichter dann bewerten. Technische Spezialisten, die wie Hopfes auch für Wettkämpfe der International Skating Union qualifiziert sind, gibt es weltweit nur rund 60. 2008 wagte er, motiviert von einem Bekannten, den Umzug nach Mexiko. Dieses Land gilt nicht unbedingt als Hochburg des Eiskunstlaufs, aber: Hier lief zunächst alles bestens für den Geretsrieder. „Dort gibt es fast überall Eisbahnen. Meine Schüler liefen bei der WM mit, es war super.“ Bis auf die Kriminalität. 2014, als in sein Haus eingebrochen wurde, zog er weiter.

Diesmal ging es – mal wieder – nach Barrie. Seine Schüler trainieren dort nicht nur, sie erhalten von Hopfes ein Rundumpaket: „Die Läufer wohnen in meinem Haus und können mit mir und einem Trainerteam trainieren. Die meisten bleiben drei, vier Wochen, sie kommen zum Beispiel aus Mexiko, Taiwan, den USA oder Italien.“ Seinen bisher größten Erfolg als Coach feierte der heute 40-Jährige im vergangenen Jahr, als Julian Yee als erster malaysischer Eiskunstläufer bei der Erwachsenen-WM debütierte. Er schaffte den 21. Platz.

Regelmäßig kommt Michael nach Geretsried, besucht Familie und Freunde. „Kanada ist schon ganz anders als Deutschland, aber ich lebe sehr gerne dort“, sagt er strahlend. Offensichtlich hat er viel richtig gemacht. Ob ihm dort trotzdem etwas fehlt? „Eine Frau“, meint er schmunzelnd. „Mit einem lieben Charakter, Typ beste Freundin. Eine Männerversteherin, eine mit Zielen im Leben. Kinder hätte ich auch gern.“ Klingt nach jemand, der schwer zu finden ist. Wer ein Eiskunstlauf-Trainingslager sucht, der hat es wesentlich einfacher: Er oder sie schreibt einfach eine Mail an michaelhopfes@hotmail.com.

Carina Sappl

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