Umweltfreundlichen Versand von regionalen Produkten hat Frederik Gester in Geretsried und Umgebung angeboten. Nun musste er das Projekt einstellen.
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Umweltfreundlichen Versand von regionalen Produkten hat Frederik Gester in Geretsried und Umgebung angeboten. Nun musste er das Projekt einstellen.

Portal „Dahoamkaufen“ hat sich nicht bewährt

Online-Marktplatz ist geschlossen

Regionale Produkte umweltfreundlich bis an die Haustür liefern: Das hat Frederik Gester mit dem Portal „Dahoamkaufen“ probiert. Leider scheiterte der Test.

  • Die Firma Diloma wollte mit „Dahoamkaufen“ einen regionalen Online-Marktplatz etablieren
  • Während des Corona-Lockdowns gingen die Zahlen noch oben
  • Doch aus wirtschaftlichen Gründen musste Betreiber Frederik Gester den Online-Marktplatz schließen

Geretsried – „Wegen Wartungsarbeiten nicht erreichbar“ ist auf der Internetseite von dahoamkaufen.de zu lesen. Produkte aus dem Haushalts-, Lebensmittel- und Kosmetikbereich sowie aus der Region werden nicht mehr angezeigt. „Dahoamkaufen wurde als Marktplatz mit integrierter Logistik eingestellt“, bestätigt Frederik Gester auf Nachfrage unserer Zeitung die Schließung. Der Geschäftsführer der Firma Diloma hatte die Plattform ins Leben gerufen.

Umweltfreundliche Lieferfahrzeuge

Vor etwa einem Jahr stellte der Betriebswirt sein Konzept und sein Lieferfahrzeug „Olaf“ auf dem Direktvermarkter-Markt vor. „Olaf“ ist ein Lasten-E-Bike, mit dem Gesters Team Waren unter anderem des Isar-Kaufhauses, des Geltinger Dorfladens und des Feinkostgeschäfts „Bavaria Selection“ zu Kunden auslieferten, die über den Online-Shop dahoamkaufen.de bestellt hatten. Damals seien alle, mit denen er geredet hatte, angetan von dem umweltfreundlichen Lieferservice gewesen, berichtet Gester. Von denen allerdings hätten die wenigsten dann tatsächlich auf dem digitalen Marktplatz eingekauft. Während des Lockdowns zur Eindämmung der Corona-Pandemie „sind die Zahlen raufgegangen“, sagt der Geschäftsführer. Danach seien allerdings viele Kunden wieder abgesprungen.

Amazon nimmt sich immer mehr Marktanteile, und lokale Plattformen sterben wie die Fliegen.

Diloma-Geschäftsführer Frederik Gester

Gester stellt fest: „Es war ein Test, er war wirtschaftlich nicht erfolgreich, also muss ich umbauen oder einstellen.“ Der Betriebswirt betrachtet es recht nüchtern, dass er mit seiner Idee gescheitert ist. Verstehen kann er es allerdings nicht. „Amazon nimmt sich immer mehr Marktanteile, und lokale Plattformen sterben wie die Fliegen“, sagt Gerster. Hier seien auch die Händler in der Verantwortung. „Ich mache mir Sorgen, wenn sie nicht bereit sind, ins Onlinegeschäft zu investieren.“

Das war auch einer der vielen Gründe, die den Diloma-Chef dazu bewogen haben, die Plattform einzustellen. Nur einzelne Händler seien engagiert bei der Sache gewesen. Um viele Produkte in den Onlineshop einzupflegen, fehlten ihnen die Kapazitäten. „Viele Einzelhändler, scheuen sich, online zu verkaufen.“ Auch sei es so gewesen, dass die Lieferkosten allein der Kunde hätte tragen müssen. „5 bis 7,50 Euro sind ein fairer Preis, aber sie sind nicht bereit, das zu zahlen“, so Gester. Zumal mit der Bekämpfung des Corona-Virus viele Nachbarschaftsinitiativen entstanden seien. „Natürlich zahle ich nicht für eine Lieferung, wenn mir jemand meine Einkäufe ehrenamtlich vorbeibringt.“

Gester tüftelt an Nachfolgemodell

Der Diloma-Geschäftsführer ist nun von Geretsried nach Hohenschäftlarn gezogen. Wie es dort für ihn weitergeht? „Mal sehen“, sagt Gester. Er könnte sich vorstellen, einen Online-Marktplatz für den südlichen Münchner Landkreis aufzubauen, dann allerdings ohne die integrierte Logistik. „Es wird momentan an einem Nachfolgermodell getüftelt, wobei der Ausgang von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und der Resonanz bei Verbrauchern und Händlern abhängig sein wird.“ Vielleicht werde er aber auch nur noch Onlineshops für einzelne Händler bauen.

sw

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