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„Egal“: Florian Karg (im Vordergrund) bekam für seinen Rap-Gesang viel Beifall. Hätte das Publikum zu entscheiden, würde jeder der P-Seminaristen des Geretsrieder Gymnasiums für seine gesangliche beziehungsweise schauspielerische Leistung mit 15 Punkten benotet.

Gymnasium Geretsried

Mord bei leiser Klaviermusik

Geretsried -  Sie hatten wenig Zeit zum Proben, doch das Ergebnis begeisterte. Das P-Seminar „Kammerchor“ des Geretsrieder Gymnasiums zeigte am Donnerstagabend in der voll besetzten Aula das Musical „Endstation – nichts ist, wie es scheint“.

Bis zum Schluss bleiben musste man schon, um zu erfahren, wie die Fäden in dem aus Rück- und Einblenden verwobenen Stück am Ende zusammenliefen. Doch das Warten auf die Auflösung lohnte sich allemal wegen der gesanglichen und schauspielerischen Leistung der 25 Schülerinnen und Schüler.

Zum fünften Mal hatte Musiklehrer Bernhard Zink ein Praxis (P-) Seminar „Kammerchor“ angeboten. Nur wer bereit sei zu „Überstunden, Blut, Schweiß und Tränen“ melde sich zu Beginn der Qualifizierungsstufe Q 11 dafür an, meinte Zink etwas dramatisch. In der Tat haben die Darsteller sich seit Anfang Mai mächtig ins Zeug gelegt. Normalerweise beginnen sie im März mit den Proben, doch heuer wirkten sie zuvor noch am Musical „Sternensurfer“ mit, das wie berichtet im April aufgeführt wurde. Wie in den Vorjahren stand ihnen der professionelle Schauspiel-Moderator Vincenz Courtens bei „Endstation“ zur Seite. Der Niederländer zeigte den Laien, wie man sich auf der Bühne bewegt, wie man spricht und wie man Spannung erzeugt. Die Handlung und die dazu passende Musik, eine Mischung aus Pop, R&B, Soul und Rock, dachten sich die angehenden Abiturienten selbst aus.

Es geht um eine Studentin, die wegen der ständigen Nörgeleien ihrer Eltern von zuhause abhaut, um die Welt zu entdecken, sich dabei aber tragischerweise in den falschen Mann verliebt, der sie am Ende mit zehn Messerstichen umbringt. Lynn Miklik verkörpert die junge Frau, die im ersten Teil nur tot auf dem Boden liegt und nach der Pause ihren umjubelten Auftritt hat. Ein Hund (Florian Hasreiter) und ein farbiger Straßenmusikant (Jakob Schlosser) fungieren als Erzähler der Geschichte, in der hübsche Gefängnisinsassinnen (Carolin Kramheller, Elena Sickinger und Stefanie Minth) von „bad girls“ singen, eine rothaarige Teufelin (Amrei Melf) und ein Engel (Britta Neuwerk) einen Gewissenskonflikt symbolisieren und zwei Männer klassisch um die Gunst einer Frau buhlen (Fabian Schmid, Julian Meyer).

Mit Applaus bedacht wurden die Soloeinlagen von Stefanie Minth, Tanja Junesch und Florian Karg, der mehr rappte als sang. Witzig gemacht war die kleine Weltreise im Schnelldurchlauf, bei der ein Schlauchboot mit dem Seil über die Bühne gezogen wurde; schön die Idee der sich langsam aus dem Geschehen wegdrehenden Gestalten. Nur von leiser Klaviermusik untermalt war der Mord, so dass das beeindruckende Spiel der Protagonisten zum Ausdruck kam. Verarbeitet wurde in der Eigenproduktion, was junge Menschen bewegt: Beziehungsthemen, Konflikte mit den Eltern, Fernweh, Gewalt und Tod. In einer dramatischen Schlussszene wurde Lynn Miklik zu Grabe getragen. Alle 25 Teilnehmer des Kammerchor-Seminars sangen a capella das Kirchenlied „Amazing Grace“.

Ihre Noten für das P-Seminar bekommen die Schüler nach der Aufführung. Das Publikum vergab 15 Punkte für jeden.

Tanja Lühr

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