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Aus dem Winter in die Sonne: Yvonne Turzer und Thomas Schygulla unternehmen mit ihrem Kleinbus, liebevoll Bockerl genannt, eine Weltreise in den Sommer. 

Kanada ist erstes Ziel

Paar geht auf Weltreise: Mit dem Bockerl in die Freiheit

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Die letzten Vorbereitungen laufen: Yvonne Turzer und Thomas Schygulla werden mit ihrem Kleinbus die Welt erkunden. Die Freiheit, hinzufahren, wohin man möchte, ist pures Glück, sagen sie.

Geretsried – In Kanada an einem See sitzen, einen Fisch auf dem Lagerfeuer und ein Glas Wein in der Hand – Yvonne Turzer (33) hat das Bild schon ganz genau vor Augen. Es ist dieses Gefühl von Freiheit, das sie zusammen mit ihrem Freund Thomas Schygulla (38) hinaus in die Welt treibt. Die Jobs sind gekündigt, der Mitsubishi steht auf dem Parkplatz, im April wollen sie mit dem Schiff über den Atlantik nach Halifax. Das Paar möchte so lange unterwegs sein, wie das Geld reicht.

Yvonne Turzer wollte schon immer auf Weltreise gehen, hatte allerdings nie jemanden, der mitreist – bis 2011, als sie mit Thomas Schygulla zusammenkam. „Wenn man durch ein Land reist, lernt man es besser kennen, als wenn man zwei Wochen in einer Hotelanlage sitzt“, sagt der 38-Jährige. Er findet es interessant, zu sehen, wie andere Kulturen ihren Alltag gestalten.

„Das ist pures Glück“

„Ich glaube, dass wir uns extrem weiterentwickeln werden“, meint Thomas Schygulla. Schon in Neuseeland nahm er sich vor, in Deutschland offener zu sein. „Dort redet jeder miteinander, und die Leute bedanken sich beim Busfahrer für seine Arbeit.“ Neuseeland, dort nahmen die Pläne des Paares ihren Anfang. Die beiden waren vier Wochen mit einem Camper in dem Land unterwegs. „Diese Freiheit hinzufahren, wohin man möchte und an den schönsten Plätzen aufzuwachen. Das ist pures Glück“, sagt Yvonne Turzer, die im Projektmanagement arbeitet.

Dies Glück noch einmal länger erleben – ein Gedankenspiel. Bis die Idee zur Wirklichkeit wurde, sollten noch einige Jahre vergehen. Das Paar zog in Geretsried zusammen – in die Eigentumswohnung der Eltern von Yvonne Turzer. Sobald die Eltern aus ihrer Betriebswohnung dort selbst einziehen möchten, wollte das Paar los. Der Zeitpunkt ist jetzt da.

Alles Ersparte kam aufs Spaßkonto

Yvonne Turzer und Thomas Schygulla bereiten sich schon über zwei Jahre auf die Reise vor. Statt Luxuskäufen kam alles Ersparte auf das „Spaßkonto“ – keine Urlaube, alles Unnötige verkaufen. Zunächst dachten sie, mit dem Rucksack loszuziehen. Aber dann lernte Webentwickler Schygulla einen Kollegen kennen, der sechs Jahre auf Weltreise war – mit dem Auto. „Man lernt die Welt nicht von Flughafen zu Flughafen kennen“, erkannten sie da.

Damit begann die Suche nach dem passenden Gefährt. Die Wahl fiel schließlich auf einen Mitsubishi aus dem Jahr 1996. „Es sollte ein altes Auto sein, das nicht viel Elektronik hat und für das man überall Ersatzteile bekommt“, erklärt Thomas Schygulla. Weil der Kleinbus so zerknautscht und eckig wie ein Rambock aussieht, nennen er und seine Freundin den Mitsubishi liebevoll Bockerl.

Der Name passt auch deshalb, weil das gute Stück ziemlich oft bockt. Bereits bei der ersten Fahrt aus Pforzheim nach Geretsried verabschiedete sich das Getriebe. „Das war ein totales Desaster“, sagt Schygulla. Seitdem flickt das Paar – mithilfe von Yvonne Turzers Vater, der Kfz-Mechaniker ist – das Bockerl an allen Ecken. Sind sie mit einer Sache fertig, wartet die nächste Baustelle.

Je kleiner, desto besser

Aber: Das Bockerl hat viele Vorteile und war bereits auf Weltreise. Es hat Offroad-Reifen und Allrad, ein Zeltdach zum Ausfahren, ist autark und so klein, dass Verschiffen und Tanken billiger sind. Sobald der Mitsubishi mit dem Kennzeichen „WOR-LD“ und stilechten Hörnern ausgestattet ist, sollte nichts mehr schiefgehen.

Die beiden wollen zunächst durch Kanada, nach Alaska, durch die Staaten, Mittel- und Südamerika bis nach Patagonien – von Sommer zu Sommer. Aber so genau steht eigentlich noch nichts fest. „Wenn eine Abzweigung kommt, schauen wir, wo wir rauskommen“, sagt Yvonne Turzer.

Die Zukunft ist völlig offen

Angst? Dass das Bockerl mal liegenbleibt, damit rechnet das Paar fest. Aber in der Vorbereitung haben die beiden schon viel über ihr Gefährt gelernt. „Vorher wusste ich nicht einmal, wie ich den Bohrer halten soll“, sagt die 33-Jährige. Auch streiten würden sie sicher mal, wenn sie sieben Tage die Woche rund um die Uhr auf fünf Quadratmetern zusammenleben. Die einzige Angst sei höchstens, überfallen zu werden, sagt Yvonne Turzer. Doch ihr Freund bleibt gelassen: „Wir haben uns viel informiert und sind ja nicht die Ersten, die das machen.“

Übers Zurückkommen machen sich die beiden übrigens keine Gedanken. „Vielleicht fangen wir an, in Kanada Pferde zu züchten“, sagt Turzer. Aber erst einmal geht es dem Paar nur ums Wegkommen. Mit dem Bockerl an den See in Kanada, in die Welt – dahin, wo die Freiheit wartet.

Mitreisen

Wer Yvonne Turzer und Thomas Schygulla auf ihrer Weltreise begleiten will, kann auf dem Blog www.pommes-ungewiss.de vorbeischauen. Pommes? Der Name entstand beim Herumalbern.

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