Menschen in traditionellem Gewand bei einem griechischen Tanz
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Ein Bild aus einer anderen Zeit: Auf dem Patronatsfest herrschte immer beste Stimmung

Interview mit Evangelos Karassakalidis

Patronatsfest fällt schon wieder aus - Griechische Gemeinde ist enttäuscht, äußert aber Verständnis

Das Fest der griechischen Gemeinde zieht über 1000 Besucher an - eigentlich. Wegen Corona fällt die Veranstaltung erneut aus. Der Chef der griechischen Gemeinde ist zwar enttäuscht - hat aber Verständnis. Ein Interview

Geretsried – Zum 25. Mal würde heuer, konkret an diesem Wochenende, das traditionelle Fest der Griechischen Gemeinde zum Patronatstag Peter und Paul auf dem Karl-Lederer-Platz stattfinden. Es lockt jedes Jahr über 1000 Besucher aus nah und fern an. Trotz niedriger Sieben-Tage-Inzidenz ist an so eine große Veranstaltung im Moment nicht zu denken. Unsere Zeitung sprach mit Evangelos Karassakalidis, dem Vorsitzenden der Griechischen Gemeinde, über die zurückliegende Corona-Zeit und geplante Aktionen.

Herr Karassakalidis, hat die Griechische Gemeinde das Patronatsfest zu Peter und Paul am 29. Juni in irgendeiner Form, zumindest als Gottesdienst, gefeiert?

Karassakalidis: Ja, wir hatten einen liturgischen Gottesdienst am Patronatstag. Weil die evangelische Petruskirche, in der wir sonst unsere Gottesdienste abhalten, aufgrund der Abstandsgebote nur Platz für 30 Gläubige bietet, dürfen wir seit Ausbruch der Pandemie jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat in die katholische Kirche Heilige Familie am Johannisplatz. Dort passen 100 Leute rein. Gerade an Ostern, unserem höchsten Feiertag, waren wir sehr dankbar für dieses freundliche Angebot.

Ein Patronatsfest im kleineren Rahmen wäre keine Option gewesen?

Karassakalidis: Nein, das hätte zu viel Aufwand bedeutet. Wir hätten bei jedem einzelnen Besucher kontrollieren müssen, ob er geimpft oder negativ getestet ist. Neue Gäste hätten wir nur einlassen können, wenn andere wieder gegangen wären. Das ist nicht das, was wir uns unter einem unbeschwerten Fest vorstellen. Ich schätze, die Stadt hätte selbst ein kleineres Fest auch gar nicht genehmigt.

Sind Sie traurig darüber?

Evangelos Karassakalidis

Karassakalidis: Natürlich haben wir im vergangenen Jahr, als das Fest bereits ausfallen musste, gehofft, unser Jubiläum heuer feiern zu können. Aber ich finde es absolut vernünftig, dass man jetzt – trotz niedriger Inzidenzzahlen – noch vorsichtig ist. Wenn sich jemand anstecken würde, würde uns das immer negativ anhaften. Das wäre ganz schlecht fürs Image. Wir wollen das auf keinen Fall riskieren. Die Griechische Gemeinde ist da völlig einer Meinung.

Ein Blick in Ihre Heimat: Wie geht es Ihren Landsleuten in Griechenland?

Karassakalidis: Ich verfolge regelmäßig die Nachrichten. Auch in Griechenland ist man noch vorsichtig. Es gibt zum Beispiel Lokale nur für Geimpfte, die dürfen zu 80 Prozent belegt sein. In allen anderen Lokalen dürfen nur 25 Prozent der Tische belegt sein. Ich war im vergangenen Sommer für drei Wochen in Kavala in Nordgriechenland. Ich persönlich fand es sehr angenehm, dass kein solches Gedränge wie zu normalen Urlaubszeiten herrschte. Am Strand zum Beispiel mussten zwischen zwei Sonnenschirmen vier Meter Platz sein. Das war richtig entspannt. Ende Juli werde ich wieder dorthin reisen – mal sehen, wie es dann aussieht. Ich hoffe, dass in Griechenland wie in Deutschland nicht alles, was man durch die Corona-Regeln erreicht hat, durch die Delta-Variante des Virus wieder kaputt gemacht wird.

Hat der Zusammenhalt innerhalb der Griechischen Gemeinde in Geretsried unter den Kontaktbeschränkungen in den vergangenen Monaten gelitten?

Karassakalidis: Das Neujahrsfest, die Gewässersegnung, die Karfreitagsprozession, der Christkindlmarkt und das Patronatsfest sind immer schöne Anlässe, um sich zu treffen. Das hat schon gefehlt. Aber wie gesagt, wir können wenigstens unsere Gottesdienste abhalten, und seit den Lockerungen sehen wir uns auch in kleineren Gruppen wieder. Die Tanzgruppe probt allerdings noch nicht. Besonders geschmerzt haben die Kontaktverbote natürlich die Jüngeren – das sehe ich an meinen Kindern. Wir Älteren konnten besser damit umgehen. Ich persönlich habe die Zeit im Homeoffice und die Tage, an denen ich mein Enkelkind gehütet habe, damit meine Tochter arbeiten konnte, sehr genossen.

Wie sehen die Zukunftspläne der Griechischen Gemeinde aus?

Karassakalidis: Ob der Christkindlmarkt, der als nächstes anstehen würde, stattfinden kann, weiß noch keiner. Wir hoffen auf ein großes Patronatsfest nächstes Jahr, das dann vielleicht sogar zwei Tage von Freitagnachmittag bis Samstagabend dauern könnte. Wir wären bereit!

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Interview: Tanja Lühr

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