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Aufgrund der neuen Pläne für eine Zentralgarage muss der Bebauungsplan für das Krämmel-Gebäude am Karl-Lederer-Platz noch einmal ausgelegt werden. Die Grafik zeigt rot umrandet die Ausmaße der eingeschossigen Tiefgarage mit rund 400 Stellplätzen, davon die Hälfte öffentlich zugänglich. Die Pfeile markieren die drei Ein- und Ausfahrten im Westen (Höhe Rathaus) sowie im Norden und Süden der Egerlandstraße. 

Pläne für das neue Stadtzentrum 

Trotz Protest der Anwohner: Stadt hält an Turmbau fest

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Der Bebauungsplan für das Krämmel-Vorhaben am Karl-Lederer-Platz lag zum zweiten Mal öffentlich aus. Während es von den Behörden kaum Einwände gab, äußern rund 40 Bürger, der Großteil davon Anwohner, erhebliche Bedenken. Nun geht es in die dritte Runde. Wegen der veränderten Ausgestaltung der Tiefgarage wird die Auslegung wiederholt.

Geretsried – Der Entwicklungs- und Planungsausschuss des Stadtrats behandelte am Dienstagabend die eingegangenen Stellungnahmen. Das heißt, die Mitarbeiter des Bauamts verlasen in Auszügen die Einwände und dazu jeweils die Abwägung der Stadt – ein formaler Akt, der sich über fast drei Stunden zog und vor allem die anwesenden Anwohner auf eine harte Probe stellte. Nur zuhören und nichts sagen zu dürfen, fällt direkt Betroffenen schwer. Eine Frau verließ unter Protest den Sitzungssaal.

Bürgermeister ruft Zuhörer zur Ordnung

FDP-Stadtrat Günther Fuhrmann hatte zuvor erklärt, dass man die Planung von Anfang an falsch aufgezogen habe. Der Krämmel-Bau sei sukzessive größer geworden. Dadurch würde der ganze Karl-Lederer-Platz verkleinert und verschattet. Die Aufenthaltsqualiät erhöhe sich dadurch nicht, sagte Fuhrmann – und erntete dafür Beifall von den Rängen. Bürgermeister Michael Müller (CSU) musste einmal mehr darauf hinweisen, dass Publikumsreaktionen gleich welcher Art in Sitzungen nicht erlaubt sind.

So verfolgten die Zuhörer fortan schweigend oder leise murrend die Ausführungen. Von den Stadträten meldete sich außer Fuhrmann nur Dominik Irmer (Freie Wähler) zu Wort. Seiner Meinung nach stellt das Thema Grundwasser eines der größten Probleme dar. „Wir müssen bei der weiteren Auslegung darauf pochen, zu erfahren, mit welchen technischen Maßnahmen man einen Anstieg des Grundwassers verhindern will“, sagte er.

Grundwasser soll durch Düker reduziert werden können

Wie berichtet fürchten Anwohner, dass das Grundwasser durch die geplante Tiefgarage verdrängt wird und sich seinen Weg in ihre Keller sucht. Die Stadt verweist auf ein Modell des Ingenieurbüros dhi wasy, wonach eventuelle Eingriffe in das Grundwasser durch sogenannte Düker, also Druckleitungen unter der Tiefgarage, reduziert werden können. Zudem wurden Messstellen eingerichtet, die bereits vor Baubeginn die Grundwasserstände aufzeichnen. Die Beweissicherung werde im Rahmen der Baugenehmigungsphase festgelegt.

Einwände bleiben gleich

Im Prinzip waren während der zweiten Auslegung die gleichen Einwände erhoben wie schon während der ersten. „Was hier geplant ist, erschlägt einen im wahrsten Sinne des Wortes“, schreibt ein Geretsrieder, der nicht am Karl-Lederer-Platz wohnt. „Monsterbau“ nennt eine Anwohnerin den dort geplanten siebengeschossigen Turmbau. Die Folge aus ihrer Sicht: „Das denkmalgeschützte Rathaus wird in seiner Bedeutung herabgesetzt und das ,Gesicht‘ der Stadt nachhaltig beschädigt.“

Verkaufspreis bleibt unter Verschluss

Immer wieder taucht die Frage auf, was die Krämmel Familien GbR für den Zukauf von 500 Quadratmeter städtischen Grund bezahlt hat. Auch die Rechtmäßigkeit des Verkaufs wird angezweifelt. Dazu stellt die Stadt noch einmal klar, dass solche Vertragsangelegenheiten der Nichtöffentlichkeit unterliegen. „Der geäußerte Verdacht von Rechtsverstößen und Amtsmissbrauch entbehrt jeglicher Grundlage.“

Verschattung ist laut Ingenieurbüro „zumutbar“

Die Stadt hält an ihrem Ziel „ausdrücklich“ fest, mit dem siebengeschossigen Krämmel-Bau „einen städtebaulichen Kontrapunkt“ zur umliegenden Bebauung zu setzen, wie es heißt. Dass dieser dem Karl-Lederer-Platz und den umliegenden Häusern Sonne nimmt, ist unbestritten. Laut einer Verschattungsstudie des Ingenieurbüros Hausladen sind diese Beeinträchtigungen den Nachbarn jedoch „zumutbar“.

Anwohner sorgen sich auch um den Lieferverkehr zu dem Vollsortimenter, der sich in dem Krämmel-Bau ansiedeln soll. Dazu hat ein Gutachter eine „Worst-Case-Betrachtung“ gemacht. Im schlimmsten Fall könnten täglich sieben Lkw anliefern, zwei davon in der Ruhezeit. Trotzdem würde die Lärmbelastung die Grenzwerte nicht überschreiten, heißt es. Die Anlieferzone soll eingehaust und schalltechnisch abgeschirmt werden.

Ist noch Platz für Veranstaltungen?

Viele Bürger treibt die Frage um, ob auf dem verkleinerten Karl-Lederer-Platz noch Veranstaltungen stattfinden können. Für den Grünen Markt, so erklärte die Stadt, sei keine Feuerwehranfahrtszone auf dem Platz erforderlich. In Abstimmung mit den Organisatoren habe der Architekt Klaus Kehrbaum einen Funktionsplan erarbeitet, wie der Markt auch künftig dort stattfinden kann. Bei größeren Festivitäten könnten die beiden Platzseiten durch Straßensperrungen zusammengeschaltet werden. Untersuchungen dazu laufen noch. Wie berichtet gibt es die Option, den Verkehr durch die darunter liegende Tiefgarage zu schleusen.

Knapp 20 Anwohner drohen mit Klage

Die Pläne für die Zentralgarage mit rund 400 Plätzen, davon die Hälfte öffentlich zugänglich, waren erst kürzlich vorgestellt worden. Deshalb muss der Bebauungsplan noch einmal überarbeitet und ausgelegt werden. Der Ausschuss nahm die Behandlung der Einwände einstimmig zur Kenntnis. Die Anwohner verließen sichtlich verärgert den Saal. Knapp 20 haben sich einen Anwalt genommen und drohen mit einer Klage.

Investoren erzielen Einigkeit

Eine zumindest mündliche Einigung haben dagegen die Krämmel Familien GbR und der Eigentümer des direkten Nachbargrundstücks, die Projekt KLP UG, erzielt. Wie deren Geschäftsführer Ludwig Hölzl, in der Sitzung bestätigte, wollen die beiden Investoren die Häuserzeile an der Südseite des Karl-Lederer-Platzes gemeinsam abbrechen und neu bauen. Die Abstimmung über die Fassadengestaltung läuft. Sobald die Verträge unterzeichnet sind, so Hölzl, „werden wir unsere Einwände zurückziehen“.

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