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Planer: Arbeitsplatzdichte in Geretsried „unterdurchschnittlich“

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Viel Fläche, wenig Arbeitsplätze: Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München und Stadtrat streben eine höhere Arbeitsplatzdichte ins Auge.
Viel Fläche, wenig Arbeitsplätze: Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München und Stadtrat streben eine höhere Arbeitsplatzdichte ins Auge. © Hans Lippert

Für Geretsried ist ein neues Gewerbeentwicklungskonzept in Arbeit. Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München sieht in einigen Bereichen Nachholbedarf.

Geretsried – Die größte Stadt im Landkreis muss aufpassen, dass die Arbeitsplatzentwicklung mit dem Wohnungsbau mithält. Bereits jetzt sei die Zahl der Arbeitsplätze mit 337 pro 1000 Einwohnern im bayernweiten Vergleich „unterdurchschnittlich“, so Daniel Gromotka, Referent für Regionalentwicklung im Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München. Angesichts des weiterhin prognostizierten Bevölkerungswachstum in Geretsried sei darauf zu achten, dass die Entwicklung nicht „zu unharmonisch“ ablaufe.

Gromotka stellte im Stadtrat ein Zwischenergebnis des Gewerbeentwicklungskonzepts vor. Nachdem die Standortanalyse abgeschlossen war, fand Ende November ein Stadtratsworkshop statt, in dem Standortprofilziele festgelegt worden sind. Davon ausgehend erarbeitet der Planungsverband nun Handlungsempfehlungen, die im ersten Quartal 2022 vorliegen sollen, wie Gromotka ankündigte.

Die Standortanalyse lässt darauf schließen, dass diese umfangreich ausfallen könnten. Geretsried sei seit 2009 um 10 Prozent gewachsen – und damit die am stärksten gewachsene Stadt im Vergleichsgebiet, so der Diplom-Kaufmann. Auch weise Geretsried die höchste Einwohnerdichte im Verhältnis zur Wohnbaufläche auf. Was die Arbeitsplatzentwicklung angehe, sei die Stadt im Landkreis allerdings im Mittelfeld angesiedelt. „Vergleichsweise große Flächen bieten wenig Arbeitsplätze“, so Gromotka. Das liege beispielsweise an angesiedelten Logistikern. „Die Nutzung der Gewerbeflächen sollte künftig dichter sein.“ Potenzial wäre dem Experten zufolge vorhanden.

Gewerbegebiet Süd

200 Unternehmen beherbergt das Gewerbegebiet Süd. 71,9 Hektar ist es groß – mit Luft nach oben. 8,5 Hektar zusätzliche Gewerbeflächen wären durch Nachverdichtung drin, so Gromotka. Der Fokus sollte auf Dienstleistern liegen. Auch ein Handwerkerhof sei denkbar. Er rät außerdem zu einer Neuordnung. Der Gesamteindruck des Gewerbegebiets wirke „relativ unaufgeräumt“.

Gewerbegebiet Nord

Dieses Urteil fällt der Planungsverband auch für das Gewerbegebiet Nord. Die Eckdaten: 108 Unternehmen, 37,7 Hektar. Mit 2,2 Hektar ungenutzter Kapazitäten ist dort zwar nicht mehr ganz so viel Platz. Nachverdichtung, optische Anpassung und Verbesserung seien aber gemeinsam mit den Eigentümern möglich, so Gromotka. Er gab den Tipp, dass Produktionsbetriebe heutzutage auch mehrgeschossig geplant werden könnten.

Gewerbegebiet Gelting

Auf einer Fläche von 44,4 Hektar befinden sich in Gelting 86 Unternehmen. Theoretisch stünden 8,5 weitere Hektar zur Verfügung, so der Planungsverband. Hier sei ratsam, auf hochwertige Architektur zu achten. Wünschenswert wären emissionsarme Unternehmen aus dem Bereich der Forschung, Büros und auch hier ein Handwerkerhof. Besonders im Gewerbegebiet Gelting-Ost sieht Gromotka aufgrund der S7-Verlängerung die Chance, ein attraktives Quartier zu entwickeln, das die Nähe zum Wald beispielsweise durch Holzbauweise aufgreift. „Hier sollte man auf hohe Aufenthaltsqualität achten.“ Freizeitwert um den Arbeitsplatz herum sei besonders bei Jüngeren gefragt. Auch ein Mobilitätskonzept zur besseren Anbindung an den künftigen Bahnhof sei erforderlich.

Ausblick

Ziel in Geretsried soll sein, bis 2040 eine Arbeitsplatzdichte von 450 zu erreichen, in diesem Bereich liegt sie in Wolfratshausen und Bad Tölz bereits heute, so Gromotka. Im Stadtratsworkshop habe man sich für eine Mischung von 75 Prozent Büroarbeitsplätzen und 25 Prozent Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe ausgesprochen. Aktuell liege man bei einem Mischverhältnis von 50:50, rechnete der Diplom-Kaufmann. Durch die S7-Verlängerung biete sich in Gelting-Ost und auf der Böhmwiese die Chance, qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen.

Der Planungsverband habe durch „zwar nicht ganz saubere“, wie Gromotka betonte, Berechnungen ermittelt, dass Geretsried bei für 2040 prognostizierten 35 805 Einwohnern 16 112 Arbeitsplätze bräuchte. Die Stadt hätte in bestehenden Gewerbegebieten ein Potenzial von 600 zusätzlichen Arbeitsplätzen. 1500 würden dann noch fehlen. „Aber ein paar wären auch in Wohngebieten möglich, wenn man sich diszipliniert, darauf zu achten, wenn Wohnraum geschaffen wird.“

Wirtschaftsreferent Volker Reeh (Geretsrieder Liste) befürwortete alle Empfehlungen. Er bläute seinen Stadtratskollegen die Maßgabe „Innen- vor Außenentwicklung“ ein. Mögliche Baufenster im neuen Flächennutzungsplan müssten mit Bedacht ausgewählt werden, betonte Reeh. Dr. Detlev Ringer (Grüne) stimmte als einziger dagegen, die im Gewerbeentwicklungskonzept definierten Ziele weiterzuverfolgen. Ringer: „Uns sollte klar sein, wenn wir nicht an limitierenden Faktoren wie die Trink- und Abwasserversorgung arbeiten, werden andere Dinge nicht gehen.“

sw

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