Franz Schöttl sitzt am Schreibtisch im Rathaus in Lenggries.
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Neuer Arbeitsplatz auf Zeit: Nach dem Tod von Bürgermeister Markus Landthaler tauschte dessen Vize Franz Schöttl seinen Schreibtisch in der Polizeiinspektion Geretsried mit dem im Lenggrieser Rathaus.

Franz Schöttl im Interview

Wie es ist, plötzlich von der Polizei ins Rathaus zu wechseln

  • Susanne Weiss
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Nach dem Tod von Bürgermeister Markus Landthaler wechselte dessen Vize Franz Schöttl von der Polizei ins Rathaus. Über die Doppelbelastung spricht der 58-Jährige im Interview.

  • Bürgermeister Markus Landthaler starb plötzlich an einem Herzinfarkt
  • Vize-Bürgermeister Franz Schöttl übernahm die Geschäfte
  • Eigentlich leitet er die Polizeiinspektion Geretsried

Geretsried/Lenggries – Franz Schöttl ist in diesen Tagen häufiger in Lenggries als in Geretsried anzutreffen. Eigentlich arbeitet er als Dienststellenleiter in der Polizeiinspektion Geretsried. Seit dem plötzlichen Tod des Lenggrieser Bürgermeisters Markus Landthaler wird Schöttl aber im dortigen Rathaus gebraucht. Seit 18 Jahren sitzt der Lenggrieser für die CSU im Gemeinderat, seit 17 Jahren ist er Vize-Bürgermeister. Wie es ist, aus der Rolle des Polizei-Chefs in die Rolle des Rathaus-Chefs zu wechseln, berichtet der 58-Jährige im Interview.

Herr Schöttl, als Markus Landthaler am Fronleichnamstag an einem Herzinfarkt gestorben ist mussten Sie von heute auf morgen ins Rathaus?

Franz Schöttl: Ja, ich bin gleich am Freitag ins Rathaus.

Wie war das für Sie?

Schöttl: In der Gemeinde herrschte Schockstimmung, und ich habe versucht, das aufzufangen. Auch für die Bediensteten war es sehr schwer, das aufzunehmen.

Hatten Sie an dem Tag frei oder mussten Sie sich bei der Polizei abmelden?

Schöttl: Ich hätte an dem Brückentag frei gehabt, aber das spielt in so einem Moment keine Rolle. Da übernimmt man sofort.

Wie ging es dann weiter?

Schöttl: Die Abteilungsleiter und ich haben uns besprochen. Die erste Woche war geprägt von Trauerfeierlichkeiten und Beileidsbekundungen. Die tiefe Betroffenheit war deutlich zu spüren. Aber dann musste ich auch die Themen aufnehmen, die anzugehen sind. Wir haben eine sehr große, aber gut funktionierende Verwaltung.

Welche Themen sind das?

Schöttl: Wir haben große Vorhaben, die auf den Weg oder zu Ende zu bringen sind. Zum Beispiel muss der Umbau des ehemaligen Gasthofs zur Post abgeschlossen werden, da dort die Eröffnung des Kindergartens für 1. September geplant ist. Wir müssen bei den Planungen für das neue Pflegeheim dranbleiben. Und dann sind auch die Gemeinderats- und Ausschusssitzungen vorzubereiten. Es soll ja bei allem was passiert ist, niemandem ein Nachteil entstehen. Angesichts des Ansturms von Ausflüglern an den Sylvenstein mussten wir uns da natürlich auch schnell was überlegen.

Am 13. September wird ein neuer Bürgermeister gewählt. Warum haben Sie sich nicht aufstellen lassen?

Schöttl: Ich habe mich schon vergangenes Jahr vor der Kommunalwahl im März entschieden, dass ich es nicht mache, weil ich jetzt im 59. Lebensjahr und der Meinung bin, dass man als Bürgermeister eine Perspektive von zwei Amtsperioden also zwöfl Jahren braucht. Daran hat sich jetzt nichts geändert.

Inwieweit hilft Ihnen jetzt die Erfahrung, dass Sie schon so lange Zweiter Bürgermeister sind, die Geschäfte zu übernehmen?

Schöttl: Das hat mir schon sehr geholfen. Ich kenne das Haus, die verschiedenen Einrichtungen und größtenteils die Beschäftigten. Ich muss aber auch sagen, Werner Weindl (vor Landthaler bis April 24 Jahre lang Bürgermeister von Lenggries, Anm. d. Red.) war sehr präsent und hatte Gott sei Dank kaum krankheitsbedingte Ausfälle. Insofern beschränkte sich meine Vertretung auf Urlaubsabwesenheiten und Termine am Wochenende oder abends.

Es ist sicher etwas anderes, ob man jemanden im Urlaub vertritt oder völlig unerwartet die Geschäfte übernehmen muss.

Schöttl: Selbstverständlich. Normalerweise kann man ja absprechen, was in der Vertretungszeit ansteht.

Ist es ein Unterschied, ob man eine Gemeindeverwaltung oder eine Polizeiinspektion leitet?

Schöttl: Ja, schon. In Geretsried habe ich gut 40 Mitarbeiter, bei der Gemeinde Lenggries sind es weit über hundert Beschäftigte durch die vielen Außenstellen. Und meine polizeiliche Tätigkeit kenne ich, da bin ich sattelfest. Da fühle ich mich auf sicherem Terrain. Jetzt kenne ich zwar viele Themen aus dem Gemeinderat, aber es ist auch einiges dabei, womit ich noch kaum in Berührung gekommen bin. Es gibt aber auch Parallelen, mit Menschen muss man bei beiden Tätigkeiten umgehen können.

Und das können Sie?

Schöttl: Da müssten Sie jetzt andere fragen (lacht). Ich glaube, dass ich ganz gut zuhören kann, meine Entscheidungen abwäge, mich auch beraten lasse, aber wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, auch durchsetzen kann. Das menschliche Miteinander ist mir wichtig, und das ist in Geretsried und in Lenggries gut.

Wie ist denn jetzt die Lage in Geretsried?

Schöttl: Da habe ich nicht alles stehen und liegen lassen. Ich bin nur teilweise freigestellt. Mit meinem Stellvertreter, Emanuel Luferseder, tausche ich mich wöchentlich aus. Er ist jetzt offiziell mit der Wahrnehmung der Aufgaben der Dienststellenleitung betraut, wie es im Fachjargon heißt. Zusätzlich haben wir Josef Grasegger aus Garmisch-Partenkirchen bekommen, der die Aufgaben von Herrn Luferseder übernimmt. Darüber bin ich sehr froh und dankbar, dass das so schnell geklappt hat. Die Situation ist für die Dienststelle auch nicht einfach. Aber ich weiß, dass sie in guten Händen ist. Nur in Personaldingen behalte ich mir vor mitzureden.

Ist das für Sie eine Doppelbelastung?

Schöttl: Nein. Ich verbringe den Großteil meiner Zeit in Lenggries und kann mich darauf konzentrieren. Natürlich bin ich auch in Gedanken in Geretsried, aber um eine Gemeinde mit über 10 000 Einwohnern kann man sich nicht über einen längeren Zeitraum nur in Teilzeit kümmern.

Was gefällt Ihnen als Bürgermeister?

Schöttl: Die Vielfalt ist sehr reizvoll. Man befasst sich mit Dingen, die die verschiedensten Lebensbereiche betreffen, und lernt viele interessante Menschen kennen.

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie wieder zurück in die Inspektion kommen?

Schöttl: Dass meine Aufgabe als Dienststellenleiter wieder meine alleinige Aufmerksamkeit hat, wenngleich ich natürlich das Amt des Zweiten Bürgermeisters weiterführe. Im Herbst steht die regelmäßige Personalumstrukturierung an, und im Haus haben wir einiges umgebaut. Es liegt mir am Herzen, dass wir da die Dienststelle voranbringen. Und dann müssen wir eben schauen, dass wir Corona so gut es geht überstehen und zurück zur Normalität kommen. Aber das ist natürlich kein polizeispezifisches Thema.

Lesen Sie auch: Franz Schöttl übernimmt Polizeiinspektion Geretsried

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