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Politische Karriere im Osten: Albert Weiler und seine Frau Petra. 

Ex-Bürgermeisterkandidat der SPD sitzt jetzt für die CDU im Bundestag

Die politische Karriere des Albert Weiler

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Geretsried - Als Albert Weiler einst für die SPD das Geretsrieder Rathaus erobern wollte, blieb er erfolglos. Doch das war nicht das Ende seiner politischen Ambitionen, sondern erst der Anfang. Inzwischen sitzt er im Deutschen Bundestag - für die CDU. 

Geretsried/Milda– Albert Weiler? Da war doch etwas? Richtig: 1998 zog Weiler als Spitzenkandidat der Geretsrieder SPD in die Bürgermeisterwahl – und durfte sich über einen Achtungserfolg freuen. Das Rennen machte seinerzeit Amtsinhaber Hans Schmid. Bei der jüngsten Bundestagswahl holte Weiler (51), der seit einigen Jahren in Thüringen lebt, nun zum zweiten Mal in Folge das Direktmandat in seinem Stimmkreis – für die CDU.

„Natürlich habe ich noch viele Kontakte nach Geretsried“, sagt Weiler in einem Telefongespräch mit unserer Zeitung. „Auch in Seeshaupt habe ich noch viele Freunde, die ich ab und zu besuche.“ Sein Abschied aus der größten Stadt im Landkreis vor mittlerweile 17 Jahren war dem Beruf geschuldet. Weiler arbeitete beim Patent- und Markenamt in München und galt als Experte in puncto Stellenbemessung. Schließlich schickte ihn sein Arbeitgeber in die Außenstelle des Amtes nach Jena, „um dort die Lage zu sondieren“, berichtet Weiler. Schnell war klar: Der Job in der Universitätsstadt ist nicht in ein paar Tagen getan. Es folgte der Umzug mit Ehefrau Petra von Geretsried nach Jena, genauer gesagt in die einige Kilometer von der Kreisstadt entfernte Gemeinde Milda.

In dieser Zeit brach Weiler auch mit der SPD, der er 20 Jahre angehört hatte. Dass die Genossen in Brandenburg „mit der Nachfolgeorganisation der PDS“ gemeinsame Sache machten – „darunter sogar einige IMs“, also sogenannte Informelle Mitarbeiter der ehemaligen DDR-Staatssicherheit – war für Weiler ein Unding. Zwei Briefe schrieb er aus diesem Grund dem damaligen SPD-Chef Gerhard Schröder, eine Antwort bekam Weiler nicht. Sein Parteibuch gab er daraufhin zurück, „denn ich bin konsequent“, sagt der 51-Jährige.

Mit der SPD brach Weiler - wegen des Umgangs mit der PDS

2004 standen in Weilers neuen Heimat Milda (die Gemeinde zählt rund 850 Einwohner) Bürgermeisterwahlen an. Gesucht wurde weniger ein Grußonkel als ein erfahrener Verwaltungsfachmann. Weiler warf seinen Hut in den Ring („Ich habe mir als Wessi natürlich keine Chance ausgerechnet“) – und bekam gut 60 Prozent der Stimmen. Zweimal in Folge bestätigten ihn die Bürger bereits als ihren ehrenamtlichen Rathauschef. „Ich schäme mich fast, es zu sagen: Beide Male mit mehr als 90 Prozent.“

Anfang 2012 saß Weiler mit seiner Ehefrau, die beiden haben 2003 ein Kind adoptiert, bei Kaffee und Kuchen auf der Terrasse, als das Telefon klingelte. Am anderen Ende meldete sich der Generalsekretär der thüringischen CDU „und hat mich gefragt, ob ich mich als Direktkandidat für den Bundestag bewerben würde“. Weiler bat sich ein wenig Bedenkzeit aus, denn in seinem Wahlkreis waren die Christdemokraten noch nie die erste Wahl. Schließlich sagte er Ja – „und ich habe ein Jahr lang einen anstrengenden Wahlkampf geführt“. Das Ergebnis: 2013 zog er als Direktkandidat ins Berliner Parlament ein.

Vor vier Wochen ließ Weiler nach einer zugegebenen Zitterpartie erneut die Korken knallen – er gehört auch die nächsten vier Jahre der CDU/CSU-Bundestagsfraktion an. Sieben Prozent betrug sein Vorsprung auf den Zweitplatzierten in seinem Wahlkreis, ein AfD-Mann. „17 Prozent wären mir lieber“, sagte Weiler in der Wahlnacht. „Man ist ein wenig entsetzt“, so der 51-Jährige mit Blick auf das bundesweite Ergebnis der Alternative für Deutschland.

Ein bisschen schlägt sein Herz weiterhin für Bayern, gibt der Wahl-Thüringer freimütig zu. Abgesehen von sporadischen Stippvisiten in Geretsried „habe ich gute Kontakte zu Verkehrsminister Alexander Dobrindt und CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer“. Rückblickend stellt Albert Weiler fest: „Ich stand ja auch schon in der SPD auf der konservativen Seite.“ 

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