„Das Maß ist langsam voll“

Polizisten beleidigt: Geretsrieder (19) zu Sozialstunden verurteilt

Der junge Mann aus Geretsried hat ein recht loses Mundwerk und ist in seiner Wortwahl nicht zimperlich. Das bescherte dem Studenten (19) binnen vier Monaten gleich zwei Anklagen wegen Beleidigung.

Geretsried/Wolfratshausen - Am Heiligabend vor einem Jahr soll der Geretsrieder vor der Diskothek Turm in Wolfratshausen Polizeibeamte mit der Parole ACAB für All Cops Are Bastards („Alle Polizisten sind Bastarde“) bedacht und als „Bullenschweine“ bezeichnet haben. Zudem soll er einen Gastwirt als „Hurensohn“ tituliert haben – Anfang April bei einem Streit im Lokal und dann zwei Monate später am Telefon.

Vor Gericht trat der Heranwachsende selbstsicher auf. „ACAB kann vieles bedeuten. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass das eine Beleidigung ist“, sagte der Angeklagte, der einräumte, den Spruch in einer Gruppe junger Leute „mitgerufen“ zu haben. „Ich hatte getrunken, war in einem aufgeheizten Zustand.“ Er habe helfen wollen, als vor der Disco bei einer Massenschlägerei auf einen am Boden liegenden Freund eingeprügelt worden sei. „Ich habe dabei selbst ein blaues Auge abbekommen. Ich wollte nur helfen und wurde plötzlich als Täter behandelt“, so der Beschuldigte. „Deshalb war ich ziemlich angepisst.“ Dass er „Bullenschweine“ gerufen habe, stritt er ab. „Das wäre ja blöd gewesen. Sie hatten doch meine Personalien.“

Angeklagter solle „allmählich erwachsen werden“

Was die Sache mit dem Wirt anging, mochte er nicht ausschließen, dass bei einem Streit im Lokal auch der Begriff „Hurensohn“ gefallen war. Allerdings habe er den Mann nie, wie von diesem behauptet, angerufen. Dieser Teil der Anklage wurde vom Gericht vorläufig eingestellt, weil sich das Gegenteil nicht beweisen ließ.

Wegen der übrig gebliebenen Beleidigungen sah das Gericht 32 Sozialstunden als erzieherisch notwendig an. Er sei überzeugt, dass sich der Vorfall vor der Diskothek so zugetragen hat, wie er von den Polizisten zur Anzeige gebracht worden war, und deshalb auch strafbar ist, sagte Richter Urs Wäckerlin. Zwar habe das Bundesverfassungsgericht ein Urteil gegen Fußballfans aufgehoben, die wegen Beleidigung verurteilt worden waren, weil sie in einem Fußballstadion ein Banner mit den vier Buchstaben ACAB mitgeführt hatten. Darauf hatte sich der Geretsrieder berufen. Anders als im Fußballstadion habe aber der Ausspruch vor der Diskothek gezielt den sechs anwesenden Polizeibeamten gegolten. „Die standen Ihnen direkt gegenüber. Das ist der grundlegende Unterschied“, belehrte der Richter den Studenten. Angesichts zweier früherer Vorstrafen empfahl er dem 19-Jährigen, „allmählich erwachsen zu werden“ und sich „solche Kinderreien“ zu sparen. „Das Maß ist langsam voll.“  

red

Rubriklistenbild: © dpa

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