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Bestens ausgerüstet: Vorsitzender Maiko Alpers zeigt die Besonderheiten des DLRG-Raftingboots.

Planschen ja, Raften nein

Profiboot versus Billigvariante: DLRG-Chef erklärt die Unterschiede

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Immer wieder müssen Hobbypaddler aus der Isar gerettet werden - meist ist die vor allem das Transportmittel dem Wildfluss nicht gewachsen. DLRG-Chef Maiko Alpers erklärt, worauf es beim Boot ankommt.

Geretsried/Bad Tölz-Wolfratshausen – Hobbykapitäne haben diesen Sommer bereits mehrmals für spektakuläre Rettungseinsätze auf der Isar gesorgt. Erst vor Kurzem mussten vier Bootstouristen mit ihrem Billigschlauchboot aus der Wasserwalze am Ickinger Wehr gerettet werden.

Obwohl regelmäßig Warnungen für das Befahren der Isar ausgesprochen werden, zieht es immer wieder Paddler auf die Isar – meistens jedoch mit unzureichender Ausrüstung. Während sich Profis wie von der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) nur mit Helm, Schwimmweste und Neoprenanzug aufs Wasser wagen, sind die Laien oft ohne diesen Schutz unterwegs. Ein weiterer eklatanter Fehler: ein billiges Schlauchboot, das dem reißenden Wildfluss nicht gewachsen ist.

Warum ein günstiges Gummiboot aus dem Supermarkt nur für das Planschen im Badeweiher und nicht für das Befahren von Wildflüssen geeignet ist, erklärt Maiko Alpers. Er ist Vorsitzender der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft in Geretsried und hat das Raftingboot 400 Typ II der DLRG maßgeblich mitentwickelt. Alpers kennt die Unterschiede zur Billigvariante aus dem Discounter genau.

Die Ventile (1)

„Profivehikel sind immer mit speziellen Sicherheitsventilen ausgestattet.“ Das heißt: Luft kommt zwar immer rein, aber nie raus – sofern es nicht beabsichtigt ist. Auch wenn ein Ventil abreißt, bleibt die Luft im Boot. Wenn Ventile aus Billigplastik verbaut sind, ist das nicht der Fall. Da kann die Luft sofort wieder austreten und das Boot zum Kentern bringen.

Der Boden (2)

„Er ist bei der Raftingversion speziell ausgehärtet, also ein ganzes Stück stabiler als die Seiten. Der Boden wird am stärksten strapaziert. Einerseits muss er dem Druck von oben – den Personen an Bord – standhalten. Andererseits muss er ohne Probleme über Steine oder Gegenstände im Wasser fahren können. Deshalb besteht der Boden eines Rafts aus zwei Lagen.“

Die Seiten (3)

„Die vier Seitenwände eines Raftingboots bestehen aus mindestens sechs sich überlappenden Luftkammern. Werden eine oder zwei davon beschädigt und verlieren Luft, bleibt das Fahrzeug trotzdem schwimmfähig. Die übrigen Kammern tragen das Gewicht nämlich weiter. Die Billigversionen hingegen haben oft nur zwei oder gar eine Kammer. Ein einziges Loch reicht schon, damit das Schiffchen untergeht.“

Das Material (4)

„Die Unterschiede beim Material sind gewaltig“, sagt Alpers. „Bei Schlauchbooten aus dem Supermarkt ist der verarbeitete Gummi billiger und viel dünner. Dadurch reißt er natürlich schneller oder bekommt Löcher. Ein professionelles Raft ist dagegen um einiges robuster und stabiler.“

Dass Qualität ihren Preis hat, ist in Sachen Schlauchboot offensichtlich. Ein Raftingboot der DLRG, das sieben bis acht Personen trägt, ist dreieinhalb Meter lang und zwischen 1,80 und zwei Meter breit. Kostenpunkt: 5000 Euro. Klar, dass man bei einem Boot für 30 Euro aus dem Discounter Abstriche in puncto Qualität machen muss.

Supermarktangebote nicht gänzlich verteufeln

Trotz allem seien die Supermarktangebote laut Alpers nicht gänzlich zu verteufeln. Wer sich in die Fluten stürzen möchte, sollte sich jedoch vorher bewusst machen, wo er das tut. „Für einen gemütlichen Planscheinsatz am Badesee sind die billigen Modelle sehr gut geeignet“, sagt der 52-Jährige. „Auf Wildflüssen wie der Isar taugen sie allerdings weniger.“

Generell rät der Profi-Wassersportler: „Nicht zu weit rausfahren und auf spitze Steine sowie Treibholz im Wasser achten.“ Letzteres sei in der Regel das Problem, wenn Behörden verbieten, Flüsse zu befahren. Der Wasserpegel sei in erster Linie nicht gefährlich für Bootsfahrer, sondern die angeschwemmten Gegenstände. „Ein Raftingboot kann diesen eher standhalten als ein Billigboot.“ Alpers appelliert an die Vernunft aller Hobbypaddler: „Bitte beachtet diese Hinweise.“ Dann stehe dem Badespaß nichts mehr im Weg.

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