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Ex-Pärchen vor Gericht

Prügelei bringt Drogen-Vergangenheit ans Licht

Ein junger Mann hat ordentlich Prügel bezogen. Der Geretsrieder geht zur Polizei, erstattet Anzeige. In seiner Wohnung sei er überfallen und um 1500 Euro beraubt worden, sagt er aus. Die Kripo ermittelt daraufhin wegen des Verdachts des Raubes – und stößt auf Drogengeschäfte. So findet sich das Opfer plötzlich selbst auf der Anklagebank wieder.

Geretsried – Gemeinsam mit seiner ehemaligen Freundin (23) musste sich ein 22-jähriger Geretsrieder am Montag wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Wolfratshausen verantworten. Am 9. September 2015 hatte die 23-Jährige in München zwei Tüten mit insgesamt 200 Gramm Marihuana gekauft. In der Tölzer Wohnung, in der sie damals mit ihrem Freund lebte, hatten sie davon gleich ein Gramm an einen Bekannten weiterverkauft. Weitere vier Gramm hatten nach den Ermittlungen der Kripo drei Tage später den Besitzer gewechselt. Der Geretsrieder hatte zudem am 19. Oktober 2015 telefonisch bei einer Münchnerin weitere rund 100 Gramm Cannabis bestellt. Ob auch eine Übergabe der Drogen stattgefunden hatte, konnte nicht festgestellt werden. Am 13. Januar vorigen Jahres fand die Kripo bei einer Durchsuchung in der Wohnung und im Auto der Angeklagten, die inzwischen in Hausham mit einem anderen Mann zusammenlebte, knapp 80 Gramm Marihuana.

Pärchen gibt alle Straftaten zu

In der Verhandlung gaben die beiden Angeklagten alle ihnen zur Last gelegten Straftaten zu. Zuvor hatten ihre Verteidiger in einem Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen mit Staatsanwaltschaft und Gericht ausgehandelt, dass ihre Mandanten im Falle eines vollumfänglichen Geständnisses mit Bewährung davon kommen würden. Aufgeflogen waren ihre Geschäfte nur durch die Anzeigen wegen des vermeintlichen Raubüberfalls. Der Schläger und seine Kumpane waren damals schnell gefunden worden. Im Verhör stellte sich jedoch genauso schnell heraus, dass es bei der Aktion am 12. September 2015 nicht um Geld gegangen war.

Zeuge sitzt wegen der Prügel derzeit in der JVA Bernau

Aus Rache für seinen Bruder habe er den nun angeklagten Geretsrieder in dessen damaliger Wohnung in Bad Tölz aufgesucht, erklärte der 25-jährige Maler in seiner Zeugenaussage vor Gericht. Er sitzt derzeit wegen der Prügel eine Haftstrafe in der JVA Bernau ab. Allerdings hatte einer seiner Kumpels bei der Gelegenheit eine größere Tüte Marihuana aus der Wohnung mitgehen lassen. Auch das hatte er der Polizei berichtet.

Bewährung und Sozialdienst

Das Schöffengericht verurteilte die 23-Jährige, inzwischen Mutter einer wenige Monate alten Tochter, zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten auf Bewährung. Als Auflage muss sie 40 Stunden Sozialdienst verrichten. Der Geretsrieder, dessen Eintrag im Bundeszentralregister bereits zehn Verurteilungen aufweist, wurde zu einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Er muss als Bewährungsauflage 1000 Euro an den Kreisjugendring zahlen. Gegen beide wurde zudem ein Drogenkonsumverbot inklusive regelmäßiger Urinproben zum Nachweis ihrer Abstinenz erlassen. Zu ihren Gunsten wertete das Gericht neben den Geständnissen, dass beide Angeklagten nach eigenen Angaben seit geraumer Zeit drogenfrei sind und sich zudem bemühen, ein geordnetes Leben zu führen.

Von Rudi Stallein

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