+
34945270

Aus Spaß wird blutiger Ernst

Prozess: 22-Jähriger raufte mit Polizisten um EC-Karte

Wolfratshausen/Geretsried – Für die jungen Leute ist es ein Spaß: Nachts um eins stellen sie eine Parkbank auf die Wolfratshauser Marktstraße. Als die Polizei kommt, eskaliert die Situation.

Ein Geretsrieder (19) und ein Wolfratshauser (22) mussten sich nun wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Beleidigung vor Gericht verantworten. Eine sieben Zentimeter lange Narbe auf der Stirn erinnert den Polizeibeamten (48) an den Einsatz am 5. Juli 2015. Eine Anwohnerin hatte die Gesetzeshüter alarmiert, weil betrunkene Jugendlicher vom Wolfratshauser Marienplatz eine Bank auf die Bundesstraße gezogen hatten und die Autofahrer grölend umdirigierten.

Als die Polizisten die Personalien der jungen Leute aufnehmen wollten, gab der 22-Jährige falsche Daten an. Als er anschließend mit seiner EC-Karte an einem Zigarettenautomaten hantierte, sah der Polizist seine Chance gekommen. „Ich habe gesagt: ,Die gibst Du jetzt mir‘“, berichtete er als Zeuge vor Gericht. Als der Beamte nach der Plastikkarte griff, bekam er einen Faustschlag gegen die Schläfe. Das Blut rann aus einem Cut über dem Auge, während der Beamte versuchte, den Schläger zu bändigen. Schließlich mischten sich der mitangeklagte Freund des Wolfratshausers sowie ein weiterer Jugendlicher, dessen Aufenthaltsort nicht bekannt ist, ein. „Ich wollte nur schlichten, sie auseinander ziehen“, sagte der 19-jährige Geretsrieder. Inzwischen waren drei Streifenwagenbesatzungen aus Wolfratshausen und Geretsried damit beschäftigt, die beiden Angeklagten festzunehmen. Das gelang erst durch gezielten Einsatz von Pfefferspray.

Während der Aktion hagelte es üble Beleidigungen gegen die Polizisten. Der ältere Täter setzte sich so heftig zur Wehr, dass ihm Hände und Füße gefesselt werden mussten, um ihn zur Polizeiinspektion ins Gewerbegebiet fahren zu können. „Wir haben ihn dort zu viert auf die Matratze gedrückt, es war sehr schwierig“, schilderte ein Beamter den Versuch, dem Mann in der Arrestzelle eine Blutprobe zu entnehmen. Während der jüngere Angeklagte seinen Part bei der nächtlichen Aktion einräumte, suchte sein Spezl auf der Anklagebank nach Gründen („Ich fühlte mich verarscht“), die sein Handeln entschuldbar machten. Der verletzte Polizist, der außer der Platzwunde einen blauen Fleck am Auge, eine Schädelprellung sowie eine Gehirnerschütterung davontrug und elf Tage arbeitsunfähig war, stellte jedoch klar: „Es bestand zu keinem Zeitpunkt Anlass, so zuzuschlagen.“

Der 22-Jährige hatte zur Tatzeit mehr als 1,6 Promille Alkohol im Blut, in dem außerdem Rückstände von Amphetaminen, Cannabis und Crystal Meth gefunden wurden. „Sie waren mit einem ganzen Drogen-Cocktail unterwegs“, stellte Richter Urs Wäckerlin nüchtern fest. Er verurteilte den Jugendlichen zu einem Freizeitarrest sowie der Teilnahme an dem erzieherischen Projekt Tagwerk. Der Wolfrathauser wurde zu zehn Monaten Gefängnis (für drei Jahre ausgesetzt zur Bewährung) und 2500 Euro Schmerzensgeld an den geschädigten Polizisten verurteilt.

von Rudi Stallein

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Arbeitskreis präsentiert Heft über Planung und Bau
Der Dritte im Bunde hat es leider nicht mehr erlebt: Im August 2016, mitten in der Arbeit am zweiten Heft der achtteiligen Serie „Zwei Munitionsfabriken im …
Arbeitskreis präsentiert Heft über Planung und Bau
HSG-Männer steigen in die Bezirksliga auf
Nach dem Schlusspfiff gab es kein Halten mehr. Spieler lagen sich in den Armen, die gut 300 Fans hatte es schon in den Minuten zuvor nicht mehr auf ihren Sitzplätzen …
HSG-Männer steigen in die Bezirksliga auf
Stadtkapelle: Wo Jung und Alt gemeinsam musizieren
Die Stadtkapelle Wolfratshausen erlebt einen Aufschwung. Über die positive Entwicklung in den vergangenen Jahren und insbesondere in 2016 berichtete der Vorsitzende …
Stadtkapelle: Wo Jung und Alt gemeinsam musizieren
So war das Frühjahrskonzert am Geretsrieder Gymnasium
Mit „Te Deum: Prelude“ begrüßte das Jugendsymphonie-Orchester des Gymnasiums Geretsried, dirigiert von Iris Prégardien, das Publikum in der überfüllten Aula zum …
So war das Frühjahrskonzert am Geretsrieder Gymnasium

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare