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Zu fast 80 Prozent energieautark wird der Neubau „Puls G“ am Karl-Lederer-Platz.

Karl-Lederer-Platz

„Puls G“ soll ein Leuchtturm werden

Das Wohn- und Geschäftshaus „Puls G“ am Karl-Lederer-Platz soll ein ökologisches Vorzeigeprojekt werden. Das Energiekonzept wurde von einem Spezialisten entwickelt.

Geretsried – Nicht nur was die Größe betrifft, auch aus ökologischer Sicht soll das Krämmel-Gebäude „Puls G“ auf dem Karl-Lederer-Platz als „Leuchtturm“ im Landkreis aufragen. Das siebenstöckige Wohn- und Geschäftshaus wird sich nach Angaben des Bauherrn Korbinian Krämmel bis zu 80 Prozent selbst mit elektrischer Energie versorgen. Dazu tragen die Elemente Wärmepumpe, Boden-Klima-Wärmeaustauscher, Blockheizkraftwerk und Photovoltaik bei.

Netzneutrales Bauwerk entsteht

Entwickelt hat das Energiekonzept für das ökologische Vorzeigeprojekt der Ingenieur Dr. Volker Stockinger. Er ist leitender Forscher am Competence Center „Energieeffiziente Gebäude und Quartiere“ an der Hochschule München und Planer im Bereich nachhaltige Siedlungs- und Quartierskonzepte. Unter anderem hat er vor sieben Jahren eine Plus-Energie-Wohnsiedlung in Landshut mit rund 200 Wohnungen konzipiert und im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit über viereinhalb Jahre messtechnisch begleitet. Die Wohnanlage erzeugt nicht nur den Großteil ihrer eigenen Energie, sie speist auch noch Strom ins öffentliche Netz ein.

So weit kann das Bauunternehmen Krämmel bei ihrem Projekt „Puls G“ nicht gehen. Allein der Edeka-Markt im Erdgeschoss verbrauche dafür zu viel Kühlenergie, erklärt Volker Stockinger auf Nachfrage. Außerdem fehle es an Platz, um regenerative Energiequellen rund um das Gebäude anzubringen. Der Ingenieur plant deshalb ein sogenanntes netzneutrales Bauwerk, das sich thermisch und elektrisch überwiegend aus regenerativen Quellen versorgt. Der erste Schritt in diese Richtung wurde bereits getan. Unter der Tiefgarage sind ähnlich wie bei einer Fußbodenheizung schlangenförmig Rohre verlegt. Es handelt sich um einen 3000 Quadratmeter großen Erdkollektor als Boden-Klima-Tauscher im Grundwasser. Im Winter nutzt er das acht bis zehn Grad Celsius warme Grundwasser als Wärmequelle, im Sommer kann mit Hilfe des Boden-Klima-Tauschers gekühlt werden.

Kleiner Wermutstropfen bleibt

Einen Großteil des Stroms soll eine Photovoltaik (PV)- Anlage mit bis zu 170 Kilowattpeak auf dem Zwischendach über dem vierten und auf dem Dach über dem sechsten Obergeschoss liefern. Ist Strom aus der PV-Anlage verfügbar, wird zur Wärmegewinnung die Wärmepumpe herangezogen. Ist das nicht der Fall und ist auch der Stromspeicher leer, kommt ein elektrisch geführtes Blockheizkraftwerk (BHKW) zum Einsatz.

Ein kleiner Wermutstropfen besteht darin, dass das BHKW mit Gas betrieben werden muss. Für Hackschnitzel wäre nicht ausreichend Lagerraum vorhanden. „Vielleicht kann man aber irgendwann auf Biogas umstellen, wenn dieses mit großen Power-to-Gas-Anlagen regional aus Überschussstrom erzeugt wird“, sagt Ingenieur Stockinger. Das Blockheizkraftwerk erzeugt Wärme und Strom. Wärme wird zusätzlich aus der Abwärme der Kühlgeräte des Supermarkts gewonnen und mit Hilfe der Wärmepumpe zur Beheizung der Wohnräume im „Puls G“ genutzt.

Tanja Lühr

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