Ala Aliakseyenka mit einigen ihrer Russisch-Schülerinnen am Tag der Frauen.
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Wer lernt, darf auch feiern: Ala Aliakseyenka mit einigen ihrer Russisch-Schülerinnen am Tag der Frauen.

Grundlage fürs weitere Lernen

Quartierstreff: Russisch für zweisprachige Kinder kommt an

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Seit einem Jahr bietet Ala Aliakseyenka in Geretsried Russisch-Unterricht für Kinder an. Der Kurs, der einmal pro Woche stattfindet, ist so erfolgreich, dass die 40-Jährige nun eine weitere Gruppe aufmachen möchte.

Geretsried – In Russland wird der Tag der Frauen am 8. März mit Blumen und Geschenken gefeiert. „Der Muttertag ist dafür nicht so groß wie in Deutschland“, erklärt Ala Aliakseyenka vom Trägerverein für Jugend- und Sozialarbeit in Geretsried. Auch Silvester ist ein bisschen anders: An diesem Tag beschenkt Väterchen Frost die Kinder.

Beides hat Aliakseyenka im vergangenen Schuljahr im Quartierstreff in Stein gefeiert. Seit einem Jahr unterrichtet sie dort Russisch. Neben der Sprache spielt die Begegnung mit der russischen Kultur eine Rolle. Der Kurs, der einmal pro Woche stattfindet, ist so erfolgreich, dass die 40-Jährige nun eine weitere Gruppe aufmachen möchte.

Bisher nutzen 15 Kinder das Angebot

Bislang nutzen 15 Kinder das Angebot. Die Heranwachsenden kommen aus Geretsrieder Familien, in denen jeweils ein Elternteil aus einem russischsprachigen Land kommt. Die Drei- bis Sechsjährigen hätten unterschiedliche Sprachniveaus, erklärt Aliakseyenka, die aus Weißrussland stammt. Sie studierte Deutsch und Englisch und machte zudem eine Weiterbildung in „Russisch als Fremdsprache für Kinder“.

Jede Unterrichtsstunde beginnt mit einer Begrüßung, dann folgt Mundgymnastik. „Es ist wichtig für bilinguale Kinder, die Sprechorgane auszubilden“, erklärt Aliakseyenka. So sei es den Kindern möglich, die weichen und harten Konsonanten im Russischen zu sprechen. Jede Woche lernen sie einen Buchstaben, insgesamt 32 gibt es im russischen Alphabet.

Aliakseyenka integriert viel Bewegung und spielerische Übungen. „Der Unterricht soll Spaß machen, aber die Kinder müssen auch Leistung bringen.“ Die 40-Jährige bereitet jede Stunde mit einem Lernziel vor. Wegen der Corona-Pandemie muss sie bei ihrer Planung beachten, dass die Abstände bei allen Übungen eingehalten werden. „Es ist eine Herausforderung, den Unterricht so spannend zu machen, dass die Kinder motiviert bleiben“, sagt Aliakseyenka. Bisher gelingt ihr das, trotz der unterschiedlichen Sprachniveaus. „Ich bekomme das Feedback, dass die Kinder den Sprachkurs gerne besuchen.“

Der Unterricht soll Spaß machen, aber die Kinder müssen auch Leistung bringen.

Ala Aliakseyenka, vom Trägerverein für Jugend-und Sozialarbeit

Zum neuen Schuljahr hofft Aliakseyenka, eine weitere Gruppe aufmachen zu können, um die Teilnehmer nach Alter zu trennen. „So könnte ich besonders die älteren Kinder besser fördern“, sagt sie.

Die Idee für den Kurs kam Aliakseyenka bei einem Vortrag im Rahmen des Integrationsforums. Prof. Dr. Heiner Böttger erklärte anhand neuester Forschungsergebnisse, dass es elementar sei, die Muttersprache in Wort und Schrift zu beherrschen, um eine Grundlage fürs weitere Lernen – auch der deutschen Sprache – zu haben. Die Weißrussin, die mit ihrem Mann als Spätaussiedler nach Geretsried kam, hatte diese Erfahrung auch mit ihren eigenen Kindern gemacht.

Durch ihre Weiterbildung kennt Aliakseyenka viele Methoden, um Kleinkindern den sprachlichen Unterschied zwischen männlich, weiblich und sachlich oder zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart zu erklären. „Es hilft in jeder Sprache, wenn man einen Überblick über die Struktur der Sprache als Grundstein hat.“

Auch sei der Kurs wichtig, damit den Kindern ihre Muttersprache erhalten bleibt, wenn sie im Kindergarten und der Schule deutsch sprechen. „So sehen sie, dass auch andere Menschen Russisch benutzen“, erklärt Aliakseyenka. In der Entwicklungsphase mit drei, sieben und 13 Jahren würden Kinder nicht so gerne herausstechen. Wenn sie regelmäßig mit Gleichgesinnten zusammenkämen, sei die Sprache normal für sie. „Zweisprachigkeit ist eine wichtige Kompetenz für später.“ Dieses Argument würde die Kinder allerdings noch nicht überzeugen.

Am Johannisplatz, am Neuer Platz und im Ortsteil Stein in Geretsried ist das Quartiersmanagement seit einigen Jahren aktiv. Im Gespräch mit unserer Zeitung zieht Rudi Mühlhans vom Trägerverein Bilanz.

sw

Info

Der Kurs „Russisch für zweisprachige Kinder“ startet wieder am Freitag, 11. September. Interessierte können an dieser Probestunde teilnehmen. Die dauerhafte Teilnahme kostet im Monat 15 Euro (bei über zehn Teilnehmern) beziehungsweise 20 Euro (bei weniger). Fragen und Anmeldung bei Ala Aliakseyenka, Telefon 015253710238 oder Mail Ala.Aliakseyenka@jugendarbeit-geretsried.de

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