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Made in Geretsried: Geschäftsführer André Schneider zeigt die Produktionsstätte am Dieselweg. Im Hintergrund wickelt eine seiner Mitarbeiterinnen eine Saite in Handarbeit.

Firmenporträt

Queen-Gitarrist Brian May spielt auf Geretsrieder Saiten

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Die Geretsrieder Firma Optima stellt Instrumenten-Saiten her - und verkauft sie in die ganze Welt. 

Geretsried – Egal ob für Gitarre, Bass, Violine, Banjo, Mandoline, Hackbrett, Zither oder Harfe – handgewickelte Saiten der Firma Optima aus Geretsried finden in der ganzen Welt Gehör. „In den USA verkaufen wir hauptsächlich Saiten für E-Gitarre und Bass, in Asien für Konzertgitarren und Geigen und in Deutschland für Zither und Hackbrett“, berichtet Geschäftsführer André Schneider, demzufolge Optima etwa 3500 verschiedene Saitensätze anbietet und pro Jahr mehrere Millionen Saiten an den Standorten Geretsried und Markneukirchen produziert. „Wir sind einer von nur noch vier Herstellern in Deutschland, und der einzige, der komplett hier produziert“, sagt der 45-jährige Gitarrenbau-Meister aus Sachsen stolz.

Dass es sich bei Optima um ein Unternehmen mit Weltruf handelt, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Am Dieselweg befinden sich die Produktionsräume im hinteren Teil eines Flachbaus, die beiden Werkstätten verströmen noch den Charme der 1960er Jahre. Und genau in dieser Ära liegen auch die Wurzeln des Saitenherstellers. Die Vorgängerfirma Maxima wurde um 1920 in Markneukirchen gegründet, ehe der Inhaber nach dem Zweiten Weltkrieg nach Geretsried kam. Damals belieferte man exklusiv die Firma Rickenbacker, die ihre legendären Gitarren und Bässe in den USA baut. Und es gibt Musiker, die dieser Kombination bis heute vertrauen. „Vor ein paar Jahren hat ein Bassist aus England angefragt, ob es die alten Saiten noch gibt. Seine Vorräte seien nämlich aufgebraucht“, erzählt André Schneider und schmunzelt. Tatsächlich wurden die gesuchten Flatwounds schon seit 40 Jahren nicht mehr hergestellt, doch der Mann hatte weltweit 470 Sätze dieser Sorte gekauft und nach und nach heruntergespielt.

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In den 1980er Jahren noch deutscher Marktführer, wurde das Unternehmen später in Optima umbenannt und an einen Münchner verkauft. Schneider, bereits jahrelang im Saitenhandel tätig, stieg 2013 gemeinsam mit seiner Frau Claudia ein – parallel dazu erfolgte der Umzug von der Wallensteinstraße an den Dieselweg. 2015 übernahm man zudem die Saitenfirma Lenzner aus Markneukirchen, sodass jetzt auch wieder am Ursprungsort produziert wird. „Mit viel Schweiß und Geld haben wir in den vergangenen Jahren Optima wieder nach vorne gebracht“, sagt der Gitarrrenbau-Meister, der an beiden Standorten jeweils rund 15 Mitarbeiter beschäftigt.

Hilfreich für den Absatz sind natürlich bekannte Musiker, so genannte Endorser. Werben darf Schneider beispielsweise mit dem bereits verstorbenen Rock- und Jazz-Gitarristen Frank Zappa, „der sich wohl mal in den 1960er Jahren bei uns spezielle Saiten bauen ließ“. Vor ein paar Jahren wurde ein Zappa-Signature-Satz entworfen, der auch von der Familie des US-Musikers genehmigt wurde. „Ich habe seinen Sohn Dweezil neulich auf der Musikmesse NAMM in Los Angeles getroffen“, berichtet der Vize-Geschäftsführer.

Ein Aushängeschild für Optima ist neben verschiedenen Rock- und Pop-Musikern (Randy Bachman, John Entwistle, The Ramones, Randy Hansen) und den Volksmusik-Stars „Die Paldauer“ vor allem Brian May. Der Gitarrist der legendären Band „Queen“ entdeckte wohl während Studioaufnahmen in München Ende der 1970er Jahren Optima-Saiten und fand Gefallen daran. All die Jahre kaufte sich der heute 71-Jährige seine Strings im Laden, ehe sein Techniker eines Tages mit dem Hersteller Kontakt aufnahm. „Etwa 2003 wurde ihm dann ein Signature-Satz erstellt“, berichtet der Unternehmer, der den Gitarristen bei einem Treffen anlässlich eines Konzerts als „sehr ruhigen und sympathischen Zeitgenossen“ kennengelernt hat.

Dass „Queen“ immer noch ein Zugpferd sind, habe sich gerade jetzt erst gezeigt: „Nach dem Start des Films ,Bohemian Rhapsody’ über das Leben von Sänger Freddie Mercury sind auch die Umsätze unserer Brian-May-Saiten in den USA in die Höhe geschnellt.“

Dabei, und das ist Schneider bewusst, „sind Saiten eher unsexy“ – zumindest was die Werbung dafür betrifft. Gut für Optima, dass das Aushängeschild die optisch gut erkennbaren Saiten mit 24-karätiger Goldbeschichtung sind. „Sie halten dreimal länger als andere beschichtete Produkte, weil das Edelmetall keinen Schmutz annimmt. Und sie klingen besser als die vielen Produkte, die heutzutage immer weniger Eisen enthalten“, betont der Vize-Geschäftsführer.

Auch wenn in der Produktion noch die alten Wickel- und Poliermaschinen aus den 1960er Jahren verwendet werden, hat die Neuzeit schon Einzug gehalten bei Optima: Schneider, der das ganze Jahr über auf Musikmessen in den USA, Japan, China und Europa unterwegs ist, hat beispielsweise ein Computerprogramm entworfen, das die Zugkraft, Reißfestigkeit und Längenänderung der Produkte dokumentiert und reguliert. Außerdem gibt es konkrete Pläne fürs neue Jahr: „Wir wollen unsere Zither-Saiten-Serie erneuern, die es seit 1956 gibt. Und wir wollen wieder näher an den Kunden heran, zum Beispiel mit einem Online-Shop.“

tw

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