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Rund 30 Zuhörer kamen zu der Veranstaltung, darunter AfD-Kreisvorsitzender Mario Buchner (hinten).

Integration statt Abschottung

Radwan (CSU) warnt vor Pauschalverurteilung des Islam

Geretsried – Rund 30 Besucher folgten am Dienstagabend der Einladung der Union der Vertriebenen (UdV) und der CSU Geretsried, mit dem Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan in den Ratsstuben über den Islam in Deutschland zu diskutieren.

Der Sohn eines aus Ägypten stammenden Vaters warnte dabei vor allem, die rund vier Millionen in Deutschland lebenden Muslime unter Generalverdacht zu stellen.

„Die westliche Welt steht im Krieg mit dem Islamischen Staat. Wir wollen versuchen, heute Abend Antworten auf die Ängste der Menschen zu geben“, sagte der UdV-Bezirksvorsitzende Andreas Orendi – zweifellos ein hoher Anspruch, den Radwan zunächst mit einem halbstündigen Vortrag gerecht werden wollte. „Die überwältigende Mehrheit der mehr als eine Million Menschen, die 2015 als Flüchtlinge nach Deutschland kamen, sind Muslime – vorrangig aus Syrien, dem Irak und Afghanistan“, erklärte der 51-Jährige. „Diese Entwicklung hat das islamische Leben in Deutschland bereits jetzt nachhaltig verändert.“ Die Integration der Flüchtlinge mit langfristiger Bleibeperspektive sei die Basis für ein funktionierendes Zusammenleben. „Für Parallelgesellschaften und ideologische Abschottung sind in unserer Gesellschaft kein Platz“, stellte der Rechtsanwalt und Diplom-Ingenieur fest.

In der Regel seien Moscheevereine in Deutschland als eingetragene Vereine organisiert, die sich zum Teil bestimmten Dachverbänden angeschlossen haben. „Schätzungsweise sind jedoch nur zehn bis 20 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime in diesen Verbänden organisiert“, rechnete Radwan vor. Die Mehrheit der Muslime empfinde diese Vereine als zu radikal. Der Abgeordnete kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die Mehrheit der in deutschen Moscheen predigenden Imame von Geldgebern aus dem Ausland – vor allem aus der Türkei und den Golfstaaten – finanziert werden. Radwan berichtete von persönlichen Begegnungen mit Imamen, die zwar seit mehreren Jahren in Deutschland lebten, aber kaum Deutsch sprechen. „Eine Integration in unsere Gesellschaft ist damit ausgeschlossen“, erklärte der CSU-Politiker. Zudem seien die Inhalte der Predigten auf Basis eines konservativen Islams ausgelegt und nicht mit dem deutschen Grundgesetz kompatibel.

„Wir müssen den Muslimen daher ein Angebot machen, wie sie ihr Leben hier auf der Basis unserer Werte organisieren“, folgerte Radwan. Um Integration zu ermöglichen, müsse der Einfluss aus dem Ausland auf muslimische Gemeinden und Verbände deutlich zurückgefahren werden. Nur so könnten Strukturen geschaffen werden, in denen sich alle Gläubigen angemessen vertreten fühlen. Darüber hinaus sei es notwendig, sich wissenschaftlich mit den unterschiedlichen islamischen Strömungen auseinanderzusetzen. Die fünf von der Bundesregierung geförderten Lehrstühle für Islamische Theologie in Tübingen, Erlangen-Nürnberg, Frankfurt, Münster und Osnabrück seien ein vielversprechender Lösungsansatz.

In der anschließenden Diskussion wurde schnell klar, dass einige Besucher mit dieser differenzierten Betrachtungsweise nicht viel anfangen konnten. Vor allem ein Tisch, der mit Mitgliedern der Partei Alternative für Deutschland (AfD) besetzt war, forderte vermeintlich einfache Lösungen. So verurteilte Wolfgang Maison das deutsche Kanzleramt als „Schleuserministerium“ und forderte wie seine Parteikollegen den schnellstmöglichen Aufbau der „Festung Europa“. AfD-Kreisvorsitzender Mario Buchner appellierte an Regierungsmitglied Radwan, „mit starker Hand“ gegen den politischen Islam vorzugehen und für innere Sicherheit zu sorgen. Seine Parole „Eigenrettung kommt vor Fremdrettung“ wurde auch von einigen CSU-Mitgliedern beklatscht.

Für viele Besucher war es zudem nicht nachvollziehbar, dass Deutschland Waffen in arabische Staaten liefere und mit umstrittenen Machthabern verhandle. Radwan verteidigte das Vorgehen der Bundesregierung. „Es gilt, außenpolitisch die Kräfte zu stabilisieren, die gegen den Terror des IS vorgehen. Dazu gehören auch Waffenlieferungen.“ Ebenso wie CSU-Ortsvorsitzender Ewald Kailberth warnte Radwan davor, die Arabische Liga als eine Einheit zu sehen und „über einen Kamm zu scheren“.

von Peter Herrmann

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