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Großmetzgerei Sieber in Wolfratshausen: geschlossen wegen bakterienbelasteter Produkte. 

Nach Durchsuchungen 

Behörden sind sicher: Sieber-Wammerl schuld an Todesfällen

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Geretsried – Die Behörden sind überzeugt: Die Geretsrieder Großmetzgerei Sieber ist schuld an mehreren Listeriose-Todesfällen. Was die Durchsuchungen am Mittwoch erbrachten.

Die wegen bakterienbelasteter Produkte geschlossene Großmetzgerei Sieber in Geretsried soll für mehrere Todesfälle verantwortlich sein. Dazu hat das Landratsamt Bad Tölz neue Indizien. Sie „geben fast schon Gewissheit“, sagte der Jurist der Kreisbehörde, Michael Foerst. Auf Geheiß der Staatsanwaltschaft wurde das Unternehmen am Mittwoch durchsucht.

Am Dienstag habe das Landratsamt die Ergebnisse neuer Laboruntersuchungen erhalten, sagte Foerst. Demnach sind in drei weiteren Wammerlproben von Mitte April sowie auf einem vegetarischen Aufschnitt von Ende Mai erneut Listerien gefunden worden. Sie haben jenen Bakterienstamm, der für den Listeriose-Ausbruch verantwortlich sein soll. Somit erhärtet sich der Verdacht, dass die Produkte der Firma für 76 Krankheitsfälle in Süddeutschland und mindestens vier Tote in Bayern verantwortlich sind, einer davon in Oberbayern. Bundesweit sind es sogar acht Tote. „Das Bild vervollständigt sich, unsere Annahmen erhalten Bestätigungen“, erklärte Foerst. Ein weiteres Indiz: Das Verbreitungsgebiet des Listeriose-Ausbruchs sei identisch mit dem Liefergebiet von Sieber-Wammerl.

Großmetzgerei Sieber hat Insolvenz angemeldet

20 Polizeibeamte durchsuchten am Mittwoch drei Stunden lang Räume am Firmensitz in Geretsried, drei Labore im Großraum München und in Baden-Württemberg sowie das Privathaus des Firmen-Inhabers im Landkreis Starnberg. „Am Tatvorwurf hat sich nichts geändert“, sagte Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich. Die Justiz ermittelt gegen Sieber wegen Verstößen gegen Lebensmittelgesetze gegen Firmenchef Dietmar Schach. Nach Auskunft von Heidenreich wurden 50 Aktenordner und EDV-Material sichergestellt.

Der alleinige Geschäftsführer hatte in der vergangenen Woche Insolvenz angemeldet, nachdem die Gesundheitsbehörden ein Betriebs-und Vertriebsverbot über die Firma verhängt sowie einen deutschlandweiten Rückruf der gesamten Ware veranlasst hatten – wohl hunderte von Tonnen. Im März war in einem „Original bayerischen Wammerl“ von Sieber eine deutlich über dem Grenzwert liegende Zahl von Listerien nachgewiesen worden. Neue Labor-Ergebnisse ergeben für weitere Sieber-Produkte ähnlich alarmierende Befunde. Das Robert Koch-Institut und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sehen einen Zusammenhang mit einem Ausbruch von Listerioseerkrankungen im Jahr 2012 hauptsächlich in Süddeutschland. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), das dem Gesundheits- sowie dem Verbraucherschutzministerium untersteht, will trotz mehrmaliger Nachfrage weder Todesjahr noch die Herkunfts-Landkreise der Toten bekannt geben. Daher hat unsere Zeitung vor dem Verwaltungsgericht Ansbach Klage wegen Auskunftspflicht nach dem Bayerischen Pressegesetz eingereicht. Über die Klage ist noch nicht entschieden. Solange bleibt auch unklar, ob die Veterinäre der betroffenen Landratsämter frühzeitig Bescheid wussten – und die Öffentlichkeit warnten.

Die Razzia bei Sieber in Geretsried kam zum ungelegensten Zeitpunkt

Die Razzia am Mittwochmorgen und die neuen Labor-Befunde kamen für Sieber zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn just am Mittwoch loteten Insolvenzverwalter Josef Hingerl und der von ihm engagierte dänische Sachverständige Dieter Elsser-Gravesen mit den Lebensmittelbehörden aus, wie eine Betriebsaufnahme möglich sein könnte. Ergebnis: LGL, Regierung von Oberbayern und Landratsamt werden einen von Elsser-Gravesen entwickelten Leitfaden prüfen. Ziel ist es, ein Konzept zu entwickeln, mit dem die Listerien aus dem Betrieb verbannt werden können. Danach solle die Produktion schnellstmöglich wieder aufgenommen werden, fordert Hingerl. Doch das Tölzer Landratsamt dämpfte am Mittwoch diese Erwartungen: In einem Monat könnte es eine Probeproduktion geben, meinte Foerst. Die Waren würden bis zum Ende der Haltbarkeit aufbewahrt und dann im Labor untersucht werden. „Erst danach ist wieder an reguläre Produktion zu denken“, sagt Foerst. „Wir müssen genau arbeiten.“

Zur Suche nach einer Ursache für das Auftreten von Listerien mussten derweil alle Sieber-Mitarbeiter eine Stuhlprobe abgeben. Das hat das Verbraucherschutzministerium in Zusammenarbeit mit dem LGL veranlasst, bestätigt eine Sprecherin des Tölzer Landratsamts gegenüber unserer Zeitung. So soll herausgefunden werden, ob möglicherweise ein Mitarbeiter die Bakterien ungewollt in den Produktionsprozess eintrug. Ein Ergebnis gebe es in zwei bis drei Wochen.

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