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Amtsgericht 

Reifendieb muss hinter Gitter

Ein werdender Vater (23) aus Geretsried muss für neun Monate ins Gefängnis. Der Grund: Er hat Reifen gestohlen. 

Geretsried/Wolfratshausen -Er stand unter offener Bewährung und hatte trotz seines jungen Alters schon sieben Einträge in seinem Vorstrafenregister. Dennoch wurde ein 23-jähriger Geretsrieder beim Anblick von vier aufeinandergestapelten Sommerreifen mit Felgen in der Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses rückfällig. Obwohl die Reifen seiner Nachbarin gehörten, bot er sie im Internet zum Verkauf an.

Nun musste sich der KfZ-Mechatroniker vor dem Amtsgericht wegen Diebstahls verantworten. Mit auf der Anklagebank saß ein 19-jähriger Bekannter, der die Anzeige samt Fotos ins Internet gestellt hatte. „Ich wusste nicht, dass die Reifen ihm nicht gehörten“, behauptete er. „Sonst hätte ich das nie gemacht.“

Reifen gehen für 1000 Euro über den Tisch

Der Erfolg der Aktion war zunächst überschaubar. Auf das Online-Angebot meldete sich nur ein Interessent, der aber den geforderten Preis von 1400 Euro nicht zahlen wollte. Deshalb schaffte der 23-Jährige die vier Reifen in seine Werkstatt und verkaufte sie schließlich für 1000 Euro an einen früheren Kunden.

Die Nachbarin zeigte den Diebstahl bei der Polizei an und forschte selbst auf Internetplattformen nach. Tatsächlich entdeckte sie bei dem Anbieter „Shpock.com“ ihre Reifen. „Den Täter zu überführen, war dann die leichteste Übung“, sagte die sachbearbeitende Polizeibeamtin als Zeugin aus.

23-Jähriger entschuldigt sich

Der Geretsrieder räumte seine Tat sofort ein. Er entschuldigte den Diebstahl damit, dass sein Vater zu dieser Zeit schwer krank in eine Klinik eingeliefert worden und kurz darauf verstorben sei. Mit dem Geld wollte er Ersatzteile für einen VW Golf kaufen, um mit diesem zur Beerdigung fahren zu können. „Der Diebstahl fühlte sich falsch an, deshalb habe ich die 1000 Euro zunächst nicht angerührt“, sagte er. Nachdem ihn die Polizei überführt hatte, hatte der Angeklagte versucht, die Reifen von dem neuen Besitzer zurückzukaufen. Doch der weigerte sich. „Ich habe dann meiner Nachbarin ein Kuvert mit 1200 Euro und einen Blumenstrauß übergeben“, berichtete der 23-Jährige.

Dies werteten die Staatsanwaltschaft und Richter Urs Wäckerlin zwar positiv, nicht aber die offene Bewährung. So saß der junge Mann wegen diverser einschlägiger Delikte bereits mehrmals in Haft. Vor einem Jahr kam er noch mit einer Bewährung davon. Diese Chance nutzte er nicht. „Warum sollen wir Ihnen jetzt vertrauen?“, fragte Wäckerlin. Er verurteilte den Geretsrieder zu einer neunmonatigen Haftstrafe ohne Bewährung. Das Verfahren gegen den Mitangeklagten wurde gegen eine geringe Geldstrafe von 650 Euro eingestellt.

Besonders bitter: Der Verurteilte wird in wenigen Monaten zum ersten Mal Vater. Die Geburt seines Kindes wird er nicht miterleben können.

Peter Herrmann

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