Besonders beeindruckend: Beim Weltcup in Moskau startete Michaela Niemetz bereits dreimal auf der 900 Meter lange Natureisbahn, die von der Universität Richtung Lenin-Stadion führt.
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Besonders beeindruckend: Beim Weltcup in Moskau startete Michaela Niemetz bereits dreimal auf der 900 Meter langen Natureisbahn, die von der Universität Richtung Lenin-Stadion führt.

Eine Geretsrieder Sportlerin im Porträt

Rennrodeln ist für Michaela Niemetz nicht nur Sport, sondern eiskalte Leidenschaft

  • Thomas Wenzel
    vonThomas Wenzel
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Michaela Niemetz liebt es schnell: Mit dem Rennrodel startet die 25-jährige Geretsriederin auf Natureisbahnen bei nationalen und internationalen Wettkämpfen.

Geretsried – Wenn man oben auf dem Hügel im Dörfchen Ergertshausen aufwächst, dann gibt es im Winter eine gute Möglichkeit, um möglichst schnell nach Egling, Deining oder den Riedhof zu kommen – einfach mit dem Schlitten durch den Schnee den Hang hinunterbrausen. Michaela Niemetz lacht. „Ganz so war es nicht“, sagt die 25-jährige Naturbahnrodlerin. Vielmehr sei sie schon von Kindheit an von ihren Eltern zum Wintersport mitgenommen worden. „Und so lange ich sitzen kann, war ich da immer auf dem Schlitten dabei.“ Als Vater Thomas den stellvertretenden Vorsitz des Rodelklubs in Kreuth übernahm, kam sie erstmals mit dem Rennsport in Berührung.

Michaela Niemetz, Naturbahn-Rodlerin aus Geretsried, belegte in der abgelaufenen Weltcup-Saison den neunten Platz.

Mit elf Jahren absolvierte Michaela Niemetz ihre ersten Rennen im Rahmen der Bayerischen Meisterschaften, dann ging es Schlag auf Schlag. 2011 und 2013 wurde sie Deutsche Juniorenmeisterin, 2016 holte sie den Titel bei den Erwachsenen. Auch international feierte die Hörgeräteakustik-Meisterin schöne Erfolge, wurde Neunte bei der Junioren-EM 2013 und Zehnte der Junioren-WM 2012. Bei den Europameisterschaften der Frauen landete die Einsitzer-Fahrerin meist zwischen Rang 13 und 17. Dreimal war sie auch bei der WM am Start und schnitt 2017 (9.) und 2018 (10.) am besten ab. Im Weltcup verbuchte die Starterin vom WSV Unterammergau zuletzt zweimal Platz neun. Seit ihrem internationalen Debüt im Jahr 2013 ist Niemetz allerdings schon von schweren Verletzungen zurückgeworfen worden: „Ich habe mir zweimal die Sprunggelenke gebrochen, das hat gedauert, bis ich wieder auf den Schlitten durfte.“ Allerdings sei sie durch diese Rückschläge keineswegs entmutigt, sondern vielmehr motiviert worden. Wie die heute 25-Jährige auch generell viel Biss zeigte, um den Sprung in den Nationalkader zu schaffen: „Wir sind eine Randsportart, und wenn jemand Talent und Ehrgeiz hat, dann kann er schnell ganz nach oben kommen.“

Selbst im Sommer wirdwird vier- bis fünfmalpro Woche trainiert

Dazu gehört es, sich ganzjährig seinem Sport zu widmen. „Ich trainiere auch im Sommer vier- bis fünfmal pro Woche“, berichtet Niemetz. Kraft- und Ausdauereinheiten stehen dann auf dem Programm, außerdem viele Touren mit dem Mountainbike. Zudem treffen sich die Naturbahnrodler einmal im Monat mit Bundestrainer Herbert Kögl im Olympiastützpunkt in Garmisch-Partenkirchen. Es dauert meist bis in den Dezember hinein, ehe die ersten Fahrten auf Eis möglich sind. „Meist trainieren wir in Österreich oder Südtirol.“ Die Wettkampfsaison ist in der Regel sehr kurz, dafür sind die Aktiven im Januar und Februar eigentlich ständig unterwegs. „Anreise ist in der Regel am Donnerstag, freitags wird auf der Bahn trainiert, am Samstag und Sonntag finden die Rennläufe statt.“ Niemetz, die in Geretsried wohnt, ist deshalb dankbar, einen verständnisvollen Chef zu haben: „Er unterstützt mich sehr.“ Für die kommende Saison sei sogar angedacht, sie mit Hilfe eines Überstundenkontos für die Wettkampfzeit von der Arbeit in der kleinen Herrschinger Filiale von „Vitakustik“ freizustellen: „Wenn ich mich ganz auf den Sport konzentrieren kann, springen hoffentlich noch ein paar Top-Ten-Platzierungen mehr heraus.“ Die wenige Freizeit, die ihr bleibt, verbringt sie als Jugendleiterin beim Technischen Hilfswerk (THW) in Geretsried. „Da trifft es sich gut, dass mein Freund Markus dort auch aktiv ist.“

Lesen Sie auch, wie Michaela in Rumänien ihr bestes WM-Resultat einfuhr.

Die Naturbahnrodlerin bedauert etwas, dass ihre Sportart bislang nicht ins Programm der Olympischen Winterspiele aufgenommen worden ist. „Für 2022 war die Abstimmung ganz knapp mit 50:50, aber dann hat es sich doch zerschlagen.“ Allerdings hat sich der Verband für Olympia 2026 noch einmal beworben – „vielleicht klappt es diesmal“. Und wie wäre es, einfach mit dem Schlitten zu den durch Funk und Fernsehen bekannten Kollegen auf die Kunsteisbahn zu wechseln? Michaela Niemetz lacht. „Ausprobiert habe ich das natürlich schon. Es war faszierend, aber nicht so überragend, dass es mich zu einem Tausch animiert hätte.“ Die Unterschiede seien schon deutlich. So gibt es beim Rennrodeln auf Naturbahn keine überhöhten Kurven, weshalb auch keine so hohen Geschwindigkeiten erreicht werden. Im Normalfall sind es bis zu etwa 80 Stundenkilometern, auf Kunsteis kommt man auf bis zu 140 Sachen. Die rund 1500 Euro teuren Schlitten seien etwa 14 Kilogramm schwer. „Bei uns sieht man außerdem viel deutlicher die Lenkbewegungen, und wir bremsen die jeweiligen Kurven an“, erklärt die 25-Jährige. Nicht zuletzt sei die Natureisstrecke nur 800 bis 900 Meter lang. „Besonders beeindruckend ist beispielsweise die Bahn in Moskau, wo ich schon dreimal am Start war. Da geht es von der Universität aus los und man fährt direkt aufs Lenin-Stadion zu.“

Und genau an Wettkampfstätten wie diesen möchte Niemetz auch noch gerne öfter starten. „So zwei bis drei Jahre möchte ich schon noch aktiv Rodeln“, betont die Geretsriederin, deren Vater Thomas Koordinator des Nationalteams ist. Sie kann sich auch vorstellen, später als Trainerin tätig zu sein. Denn: „Für mich ist das nicht nur ein Sport, sondern Leidenschaft.“

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