Wiedersehen im Amtsgericht

Rentner überschüttet seinen Nachbarn mit Fäkalien

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Das ist wohl an Ekligkeit nicht zu überbieten: Ein 73-Jähriger hat seinem Nachbarn eine Schüssel voll mit Urin und Fäkalien über den Kopf geschüttet. Jetzt muss er 1800 Euro Geldstrafe zahlen.

Geretsried/Wolfratshausen -Der Richter brachte auf den Punkt, was wohl alle Anwesenden im Gerichtssaal dachten. „Dieses Vorgehen ist an Ekligkeit nicht zu überbieten“, stellte Helmut Berger fest, als er in seiner Urteilsbegründung den soeben verhandelten Fall zusammenfasste. Ein wohl schon länger gärender Nachbarschaftsstreit war am 10. Juni diese Jahres eskaliert. Der angeklagte Rentner (73) hatte nach Auffassung des Gerichts einem Nachbarn vor der Wohnanlage im Musikerviertel eine Schüssel voll Urin und Fäkalien über dem Kopf ausgeschüttet. Deshalb musste sich der gelernte Maschinenschlosser wegen Beleidigung, Körperverletzung sowie Sachbeschädigung verantworten. Bei der Aktion wurde auch die Insulinpumpe des Geschädigten (61) in Mitleidenschaft gezogen. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 3000 Euro.

Angeklagter bestreitet Vorfall

Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe. Deshalb hatte er gegen den Strafbefehl über 900 Euro (30 Tagessätze), der wegen des Vorfalls gegen ihn erlassen worden war, Einspruch eingelegt. „Ich habe nichts gemacht. Ich war zu Hause, habe um die Zeit aber schon geschlafen“, ließ der Mann eine Dolmetscherin übersetzen. „Auf der Rückseite des Hauses roch es nach Fäkalien und Urin“, erzählte dagegen ein Polizeibeamter, der sich nach dem Anruf des Geschädigten am 10. Juni dieses Jahres gegen 22 Uhr an Ort und Stelle ein Bild gemacht hatte.

„Es hat bestialisch gestunken“

Der Ekel konnte einen überkommen, als der geschädigte Zimmermann (61) die Sache noch einmal ausführlich schilderte. Er sei mit dem Hund seiner Schwester Gassi gegangen. Auf dem Rückweg habe der Nachbar ihn zu sich gewunken. „Ich dachte, er braucht vielleicht Hilfe und bin hingegangen.“ Doch als er unterm Schlafzimmerfenster stand, habe der Beschuldigte einen Eimer über ihm ausgeleert. „Es hat bestialisch gestunken“, sagte der 61-Jährige, der den ganzen Mist auch in Mund und Nase bekommen hatte. Die Kleidung habe er sofort weggeschmissen und „in der Nacht dreimal in der Wanne gesessen“, bis er den Geruch und Geschmack endlich abgespült hatte.

Zeuge kann ärztliches Attest vorlegen

Der Angeklagte zuckte mit den Schultern und ließ übersetzen: „Ich weiß nicht, worum es geht.“ Stattdessen versuchte der 73-Jährige das Gericht davon zu überzeugen, dass der Zeuge ihn mehrmals beleidigt und zu einem anderen Zeitpunkt grob am Arm angefasst habe, was er durch ein ärztliches Attest belegen könne. Das Gericht sah den angeklagten Sachverhalt nach der Beweisaufnahme jedoch als erwiesen an – und die im Strafbefehl ausgewiesene Strafe als zu gering. „Die 30 Tagessätze sind für so ein Vorgehen nicht zu halten“, sagte Richter Berger. Er verdoppelte das Strafmaß auf 60 Tagessätze zu je 30 Euro.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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