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„Soziale Netzwerke sind nicht sozial, sondern knallhartes Geschäft“: Computer-Senior Gerd Münsinger (li.) warnte gleich zu Beginn vor den Tücken des Internets. 

Rentner wollen es wissen

Computer-Senioren: Großer Andrang beim ersten Treffen

Die Dame ist ratlos, daraus macht sie keinen Hehl. „Ich habe zum Beispiel keine Ahnung, wie WhatsApp funktioniert“, gesteht die Rentnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Ich brauche Anleitung.“ So wie ihr ging es vermutlich etlichen der rund 40 Frauen und Männer gesetzteren Alters, die sich am Mittwochnachmittag beim ersten „Computer-Stammtisch für Senioren“ eingefunden hatten.

Geretsried – Dr. Sabine Gus-Mayer war sichtlich begeistert beim Blick in die Runde. Mit so einem Andrang hatte sie nicht gerechnet. Die Stühle reichten nicht aus, um allen Besuchern Platz zu bieten, die in die Seniorentagesstätte an der Jahnstraße drängten. „Wir wollen praktische Hilfe, Tipps und Tricks geben“, erläuterte die Seniorenreferentin des Stadtrats den Hintergrund des neuen Angebots, das sie gemeinsam mit dem Verein Computer-Senioren Bad Tölz-Wolfratshausen ins Leben gerufen hat. „Viele haben einen Computer daheim, wissen aber nicht damit umzugehen. Dabei sind es manchmal nur Kleinigkeiten, die fehlen“, so Gus-Mayer. Ein möglicher Weg, Scheu und Unwissenheit abzubauen, sei vielleicht die Diskussion mit anderen. „Fachsimpeln Sie, was das Zeug hält“, animierte sie die Runde.

Moderator Münster: „Das Metier ist neu, aber man kann viel Spaß damit haben“

Den Part des Moderators übernahm Computer-Senior Gerd Münster. „Wir wollen in eine offene Diskussion treten. Das ganze Metier ist ja für unsere Generation neu. Aber man kann viel Spaß damit haben“, erklärte der studierte Betriebswirt und Informatiker, bevor er den Anwesenden in einem raschen Exkurs die Welt der Technik näherbrachte. Von E-Book, Smartphone und Tablet spannte Münster den Bogen über Pflegetipps („Smartphone nie mit Spülmittel reinigen“), Betriebssysteme und Anwendungsmöglichkeiten wie Online-Shopping und Partnerbörsen bis zu den Freuden und Fallen von Facebook & Co. „Soziale Netzwerke sind nicht sozial, sondern knallhartes Geschäft. Versuch, so wenig wie möglich persönliche Daten einzugeben“, mahnte der Referent und riet dringend: „Bei Problemen musst Du aktiv werden.“

Stammtisch jeden dritten Mittwoch im Monat

Künftig soll der Computer-Stammtisch jeden dritten Mittwoch im Monat in der Seniorentagesstätte stattfinden. Statt allgemeiner Basisinformationen wie bei der Premiere soll dann jeweils ein Thema, „beispielsweise Online-Banking, Online-Versandhandhandel oder Bildbearbeitung“ detailliert beleuchtet werden, sagte Münster.

Acht Jahre fürs WLAN gekämpft

Möglich macht das Ganze ein kleiner Kasten an der Wand, auf den Gus-Mayer mit Stolz verweist. „Endlich haben wir hier WLAN. Dafür habe ich acht Jahre gekämpft“, freut sich die Seniorenbeauftragte, dass das World Wide Web nun endlich auch die dichten Bunkerwände durchdringt. Mit dem unverschlüsselten Anschluss „Open Geretsried“ ist der Zugang kostenlos. Deshalb sollen die Damen und Herren beim nächsten mal ihre Tabletts mitbringen, um neu erworbenes Wissen gleich an Ort und Stelle anzuwenden und auszuprobieren.

Man kann immer was dazu lernen

Mit guten Grundkenntnissen ausgestattet, war Dieter Lerch (77) zum Stammtisch gekommen. „20 Prozent war neu, die restlichen Sachen wusste ich“, bilanzierte der Rentner. „Aber man kann immer was dazu lernen.“ „Schade, dass es keine Unterlagen zum Mitnehmen gibt“, monierte die eingangs vorgestellte Rentnerin. „Aber ich werde sicher wiederkommen. Ein bisschen was wird schon hängen bleiben.“

Von Rudi Stallein

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