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Mord vor 30 Jahren: Neu aufgerollter Prozess geht auf die Zielger

Mehrfacher Betrug kommt vor Gericht

Der Richter hat „selten eine derartige Dreistigkeit erlebt“

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Trotz offener Bewährungsstrafen lässt eine Geretsriederin (31) das Betrügen nicht. Nun muss sie weitere 18 Monate ist Gefängnis.

Geretsried/Wolfratshausen– Als Richter Helmut Berger in seiner Urteilsbegründung die soeben verhandelten Delikte noch einmal Revue passieren ließ, fasste er seine Meinung in einem kurzen Satz zusammen: „Ich habe selten eine derartige Dreistigkeit erlebt.“

Frau bleibt Frieseur 260 Euro schuldig

Am 25. November 2015 war die Angeklagte in München von einem Schöffengericht wegen mehrerer Fälle von Betrug sowie Fälschen beweiserheblicher Daten zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Zu der Zeit musste sich die Geretsriederin (31) bereits wegen einer anderen Verurteilung zu acht Monaten Gefängnis bewähren. Trotz der zwei offenen Bewährungsstrafen wurde sie kaum zwei Monate nach der letzten Verurteilung erneut straffällig. Einer Friseurin in Wackersberg blieb sie die Zahlung von knapp 260 Euro für ein „Komplettprogramm“ und verschiedene Pflegeprodukte schuldig. Weitere Straftaten folgten: Sie fälschte Ausbildungsurkunden und schrieb sich – als Gipfel der Dreistigkeit – ihre eigene Bewährungsaufhebung, die sie mit dem Namen einer Justizbeamtin des Wolfratshauser Amtsgerichts unterzeichnete.

2300 Euro unberechtigt bezogenes Arbeitslosengeld

Wegen Betrugs, Urkundenfälschung sowie Fälschung eines Gesundheitszeugnisses wurde die Frau nun zu einer weiteren Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt – ohne Bewährung. Die Frau gab die ihr zur Last gelegten Straftaten zu. Bei den Betrugsfällen handelte es sich außer der unbezahlten Friseur-Rechnung um rund 2300 Euro unberechtigt bezogenes Arbeitslosengeld. Inzwischen habe sie sich mit dem Jobcenter darauf verständigt, die Summe in Raten abzustottern, erklärte die Angeklagte.

Eine erhöhte kriminelle Energie legte die Geretsriederin bei ihren weiteren Taten an den Tag. Mit „aus dem Internet selbst zusammengeschusterten Urkunden“ (Richter Berger), die die Frau als „Rettungsassistentin“ auswiesen, bewarb sie sich um eine Stelle auf der Palliativstation der Kreisklinik Wolfratshausen. Als der damalige Pflegedienstleiter nachhakte, fälschte sie eine weitere Urkunde, die sie noch von der Stadt Geretsried mit einem „echten Stempel“ beglaubigen ließ. „Nach dem Krebstod ihres Bruders hat sie sich eingebildet, palliativ arbeiten zu müssen“, erklärte Verteidigerin Carolin Borcherdt das Verhalten ihrer Mandantin. Weil das in Wolfratshausen trotz „ziemlich ausgetüftelter Bewerbung“ nicht funktionierte, legte die Angeklagte noch eins drauf. „Ich wollte unbedingt in dem Kinderhospiz in München arbeiten“, bestätigte sie. Weil das mit einer Bewährungsstrafe im Gepäck nicht möglich gewesen sei, sorgte sie selbst für eine entsprechende Bereinigung und fertigte eine Dokument an, das die „Aufhebung der Bewährungsstrafe“ bestätigte. Zudem fälschte sie mit dem Namen ihres Therapeuten eine Bestätigung, dass eine weitere psychologische Behandlung (ihre Bewährungsauflage) nicht mehr nötig sei. „Das schlägt dem Fass den Boden aus“, stellte Richter Berger fest.

Angeklagte will Fachkosmetikerin werden

Die Angeklagte absolviert derzeit eine Ausbildung zur Fachkosmetikerin. „Sie ist aktiv mit einem Neu-Aufbau beschäftigt und steht auf Sprung, endlich ein geregeltes Leben zu schaffen“, begründete Verteidigerin Carolin Borcherdt ihren Antrag, ihrer Mandantin noch eine Chance in Form einer weiteren Bewährungsstrafe einräumen. Dazu sah Berger angesichts „einer für das Amtsgericht nicht alltäglichen Flut von Anklagen in kürzester Zeit“ keine Veranlassung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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