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Richter: „Das war eine bescheuerte Idee“

Haschisch aus dem BH gefischt: 19-Jährige vor Gericht

Sie wollte ihrem Ex-Freund eins auswischen und brachte sich damit selbst auf die Anklagebank. Weil sie ein Tütchen mit 5,5 Gramm Haschisch bei sich trug, als die Polizei wegen eines lautstarken Streits in der Münchner Wohnung des Mannes nach dem Rechten sehen wollte, musste sich eine Geretsriederin (19) vor dem Jugendrichter verantworten.

Geretsried –  Wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln wurde die Bankkauffrau zu 500 Euro Geldstrafe verurteilt. Die Angeklagte fasste sich kurz. Ihrer knappen Schilderung war aber zu entnehmen, dass es ordentlich gekracht hat, als sie am 6. November vorigen Jahres ihren Ex aufsuchte. „Er schuldete mir 100 Euro. Er konnte mir das Geld nicht geben. Ich wollte ohne Geld nicht gehen“, sagte die 19-Jährige. „Wir haben gestritten, das ist dann etwas eskaliert. Unsere Streitereien waren nicht immer ohne.“ Diese Mal ging die Balkontür zu Bruch, als sie ihren Freund aussperrte. Bei einem Schlag aufs Ohr wurde ihr der Ohrring herausgerissen.

Haschisch als „Pfand“

Das Haschisch habe sie als „Pfand“ bekommen, erklärte die Angeklagte weiter. Als die vermutlich von Nachbarn verständigte Polizei vor der Tür stand, habe sie das Tütchen aus ihrem BH rausgenommen und ihm vor die Füße geschmissen. „Ich wollte der Polizei zeigen, was er mir statt Geld angeboten hatte“, sagte die Geretsriederin. „In dem Moment habe ich nicht daran gedacht, dass ich mich wieder selbst in Schwierigkeiten bringe.“ Die junge Frau war erst drei Monate zuvor wegen des Besitzes von 0,5 Gramm Marihuana zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Zudem war ihr vom Gericht für den Wiederholungsfall Arrest angedroht worden.

Richter Wäckerlin: „Das war eine bescheuerte Idee“

„Das Eis wird immer dünner, ihre Ausreden werden immer kreativer“, sagte Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch. Trotzdem schlage er vor, „zum letzten Mal ihre Geschichte zu glauben“ und es bei einer Geldbuße zu belassen. Das Gericht folgte dem Vorschlag. Die Geretsriederin muss 500 Euro zugunsten der Caritas Suchtberatung zahlen. „Das war eine bescheuerte Idee“, betonte Jugendrichter Urs Wäckerlin. Den angedrohten Arrest brauche es aus seiner Sicht nicht. Dafür sprach unter anderem, dass die Angeklagte das Haschisch der Polizistin aus freien Stücken ausgehändigt hatte. Zudem waren drei Drogenscreenings, die die 19-Jährige nach der früheren Verurteilung abgeben musste, negativ ausgefallen. „Ich hoffe, dass das Thema Betäubungsmittel nun endgültig erledigt ist – inklusive Kontakten zu der entsprechenden Szene“, gab Wäckerlin der jungen Frau mit auf den Weg. 

Von Rudi Stallein

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