+
Schals, Mützen, Käppis und Trikots: Seit dem Aufstieg in die Bayernliga haben die River Rats einen rollenden Fanshop. Um das Merchandising kümmern sich Stefan Lerche, auf dem Foto mit Tochter Carolin (li.) und deren Cousine Jasmin.

VIP-Raum, Fanshop und Maskottchen

Exklusiver Blick hinter die Kulissen bei den River Rats

Geretsried - Seit die River Rats in der Bayernliga spielen, legt sich der Eissportclub (ESC) Geretsried für seine Fans mächtig ins Zeug. Merchandising, Catering, Security – alles fällt jetzt eine Nummer größer aus als früher.

Stefan Lerche, Werbefachmann aus Gelting und Vater eines Eishockey-Nachwuchsspielers, ist für den ESC ein echter Glücksfall. Ehrenamtlich hat er mit Beginn der Saison die Vermarktung von Fanartikeln, die Organisation des Caterings für die Besucher und die Suche nach weiteren Sponsoren übernommen. Vor dem Stadion steht jetzt ein Verkaufswagen voll mit blau-gelben River-Rats-Schals, Mützen, Käppis und Trikots. Carolin Lerche (15) und ihre Cousine Jasmin (14) preisen Kaffeetassen und Brotzeitbrettchen mit dem Mannschaftslogo an. Auch eine „Image-Broschüre auf DEL-Niveau“, wie Stefan Lerche sagt, wurde erstellt.

Jugendliche betreiben den rollenden Fanshop

Eine halbe Stunde vor Spielbeginn und in den Drittelpausen betreiben Freiwillige, meist Jugendliche, den rollenden Fanshop. Standen am Eingang früher ein, zwei Ordner, sind es heute vier bis sechs schwarz gekleidete Securities. „Bei Spitzenbegegnungen sind bis zu zehn ehrenamtliche, geschulte Sicherheitsleute plus zwei bis drei Profis im Einsatz“, sagt ESC-Chef Tommi Stöber.

Kurz vor dem Spiel wird jetzt in der höchsten Amateurliga immer ein bisschen Show geboten. Beim Match gegen Peißenberg begleitete der Nachwuchs, die Kleinschüler unter acht Jahren, die River Rats aufs Eis. Jeder der Männer hielt einen Knirps in voller Eishockeymontur an der Hand. Eine Fanfare, eingespielt von Technik-Crew-Leiter Angelo Axer, sorgte für Gänsehautfeeling. Ein anderes Mal tanzen die Cheerleader des ESC, die Integrationsgruppe dreht ein paar Runden oder die Eiskunstläuferinnen zeigen ihre Pirouetten. Nie fehlen darf das Maskottchen, die Flussratte. Bei unserem Besuch schlüpft der 17-jährige Oliver Sachers in die weite Plüschhose und das übergroße Trikot und setzt sich den grauen Rattenkopf auf.

Zur ersten Drittelpause geht's in den VIP-Raum

Im VIP-Raum: Sponsor und Stammgast Martin Weitl (re.), auf dem Bild mit seiner Tochter und deren Freund.

Zur ersten Drittelpause strömen die Besucher in den VIP-Raum auf der Kopfseite gegenüber dem Ice-Stüberl. Er wurde komplett neu mit Theke und gemütlicher Sitzecke ausgestattet. Petra Bamann erwartet die Very Important Persons – Jahreskarteninhaber, Politiker und Sponsoren – mit Prosecco, Bier und Wein. Seit neuestem versorgt bei jedem Heimspiel ein anderer regionaler Wirt oder Caterer die Besucher. An diesem Freitag ist es die Metzgerei Knöbl, es gibt Pfannkuchensuppe, Rollbraten und Knödel. Am Sonntag tischt der Grieche aus Farchet Gyros und Tzatziki auf. Auch das Wolfratshauser Landhaus-Café, der Gasthof Oberhauser aus Egling und die kleine Bar „Da Daniele“ aus Geretsried lieferten schon Essen, das in Edelstahl-Warmhalteboxen aufbewahrt wird. Nicht nur die Prominenz, auch ganz normale Zuschauer können sich für 35 Euro den Luxus einer solchen Verköstigung gönnen, wenn ihnen einmal nicht nach Pizza, Leberkässemmeln und Bratwürsten aus dem Ice-Stüberl ist. Die Mahlzeiten reichten für 35 bis 40 Personen, sagt Stöber, der sich über neue Gesichter im VIP-Bereich freut. Natürlich auch über neue Sponsoren: „Wenn wir in der Bayernliga bleiben, wovon wir ausgehen, brauchen wir gut 50 000 Euro mehr.“

ESC geht ohne Schulden in die neue Saison

Noch sehe es finanziell trotz des erhöhten Aufwands ganz gut aus, sagt Stöber. Der ESC werde ohne Schulden in die neue Saison gehen. Zu den treuen Sponsoren des Geretsrieder Traditionsclubs gehört Martin Weitl, Inhaber des gleichnamigen Betriebs für Gewerbespültechnik. Die Spülmaschine im VIP-Raum hat er gestiftet und eingebaut. Mit seiner Tochter und deren Freund sitzt er auf der Eckbank in dem mollig warmen Zimmer und verfolgt bei einem Weißbier die Partie auf dem Eis. „Der macht schon was her, der neue Aufenthaltsraum“, findet Weitl. Der Rollbraten schmeckt dem Stammgast „ausgezeichnet“. Als echter Fan ist er bisher auch zu allen Auswärtsspielen mit dem Bus gereist. Seine Hoffnung, dass es die River Rats in die Play-Offs schaffen, hat sich leider zerschlagen. Jetzt heißt es Daumen drücken für den Klassenerhalt.

Tommi Stöber würde sich wünschen, dass wie zu Beginn der Saison wieder 500 Zuschauer kommen. Im Moment sind es 300 bis 350. Mit acht Euro für eine Eintrittskarte bewegt man sich jetzt auch bei den Preisen auf Bayern-Niveau. Stöger: „Wenn es uns gelingt, in der Liga zu bleiben und wenn wir vor allem endlich ein neues Dach bekommen, kann Geretsried wieder zur Eishockey-Hochburg von früher werden.“

Heimspiel: Das nächste Heimspiel der River Rats ist am Sonntag, 27. Dezember, um 18 Uhr gegen den EC Pfaffenhofen.

von Tanja Lühr

Die neue Hymne der River Rats

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Geklautes Geld finanziert Urlaub: Geretsriederin (25) verurteilt
Der Verteidiger brachte es auf den Punkt. „Das war natürlich eine Riesendummheit“, fasste Rechtsanwalt Holger Hesterberg in einem Satz zusammen, was er von der Sache …
Geklautes Geld finanziert Urlaub: Geretsriederin (25) verurteilt
Doppelmord von Höfen: Sohn der Pflegekraft in Polen gefasst
Die Polizei meldet einen wichtigen Fahndungserfolg im Fall Höfen: Der 23-jährige Sohn der Pflegekraft, die bereits seit zwei Wochen in U-Haft sitzt, wurde in Polen …
Doppelmord von Höfen: Sohn der Pflegekraft in Polen gefasst
Rathauschef im Rollstuhl: Wie barrierefrei ist Geretsried ?
Es war eine besondere Überraschung, die sich die VdK-Ortsvorsitzende Gisela Lucht, ihre Stellvertreterin Cornelia Irmer sowie Mitglied Arno Bock am Dienstagnachmittag …
Rathauschef im Rollstuhl: Wie barrierefrei ist Geretsried ?
Doppelmord in Königsdorf: Das ist die Faktenlage 
Das grausame Verbrechen in Königsdorf lässt den Ort sprachlos zurück. Auch die Faktenlage ist schwer zu fassen, Stück für Stück setzt sich das Puzzle zusammen. Hier der …
Doppelmord in Königsdorf: Das ist die Faktenlage 

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare