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Alkoholismus ist ein Schwerpunktthema: Werke des gebürtigen Schotten Ronny Cameron sind ab 30. September beim Geretsrieder Kulturherbst zu sehen.

Großformate des Geretsrieders Ronny Cameron

Schöne Blumenwiesen sucht der Betrachter vergeblich

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Geretsried – Er malt unzensiert. Er prangert Intoleranz an. Er zeigt durch seine Kunst die Schattenseiten des gesellschaftlichen Daseins auf. Der Schotte Ronny Cameron, der seit 1972 in Geretsried lebt, stellt in seinen großformatigen Acrylarbeiten vor allem immer wieder die eine Frage: Wo bleibt die Gerechtigkeit im Leben?

Seine Bilder haben eine plakative und deutliche Sprache. Wie kam es, dass der akademisch ausgebildete Künstler vor 25 Jahren Pinsel und Farbe zur Seite legte und zum routinierten Finanz- und Anlageberater wurde? Vor zwei Jahren begann er wieder zu malen – mit großem Erfolg. Seine Bilder waren im Mai in Wien, München und Kitzbühel zu sehen.

Cameron ist in Glasgow geboren und studierte Kunst am Brighton Collage of Arts. Der heute 72-Jährige ging mit seiner späteren Frau 1972 nach Geretsried. Als junger Künstler lernte er kurze Zeit später den damaligen Chef des Münchner Lenbachhauses kennen. Über ihn kam er 1980 zu einer Ausstellungsbeteiligung im renommierten Maximiliansforum und befreundete sich mit dem Künstler Alf Lechner (ehemaliger Besitzer des Kunstbunkers in Geretsried).

Cameron installierte damals Skulpturen aus Wellpappe. Er bedachte dabei nicht, dass die Statik der sensiblen Kunstwerke der Vibration im Untergeschoss unter Altstadtring und U-Bahn-Nähe nicht standhielt. „Als ich zur Ausstellungseröffnung kam, lag alles am Boden“, erinnert er sich. Die Presse zerriss den noch unerfahrenen Künstler böse. „Das habe ich nicht verkraftet.“ Kaum begonnen, gab Cameron seine Kunstkarriere wieder völlig auf. „Ich schämte mich so, dass ich den Kontakt zu Alf Lechner aufgab.“

Cameron sattelte um zum Finanz- und Anlageberater – und das blieb er bis heute. „Glauben Sie mir, Menschen die bestmögliche Zukunftssicherung maßzuschneidern, ist auch kreative Kunst.“ Vor zwei Jahren überkam ihn wieder die Freude am Malen. In seiner Wohnung am Karl-Lederer-Platz schafft er seine großformatigen Bilder und Collagen in Acryl. „Kunst verlässt man nie ganz. Die Gedanken waren immer da.“

Camerons Bilder haben nichts mit der schönen Blumenwiese zu tun. War er früher ein rein abstrakter Künstler, ist er heute im Gegenständlichen angekommen. Seine Schwerpunkthemen sind Alkoholismus und die damit einhergehende Einsamkeit oder gar Suizid. Homosexualität und die damit einhergehende Intoleranz. Hyperrealistische Menschenakte bringt er mit Gegenständen zusammen und erzählt Geschichten. Cameron: „Ich denke mir eine Situation aus, die ich erlebt habe und die mich bewegt hat.“ Und immer wieder kommt die eine Frage auf: „Warum nur gibt es auf dieser Welt so viele Ungerechtigkeiten?“

Geretsrieder Kulturherbst

Ronny Cameron gehört zum Kreis der elf ausstellenden Künstler beim diesjährigen Geretsrieder Kulturherbst. Seine Bilder sind vom 30. September bis 9. Oktober in der Villa Bunterkunst an der Jahnstraße 4 zu sehen.

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