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Folgenschwere Kollision: Laut Polizei hatte der 45 Jahre alte Fahrer eines Volkswagen beim Abbiegen auf die Staatsstraße 2369 einen von links kommenden Lkw übersehen.

Schon mehrere Retter wurden verletzt

Einsatzkräfte schicken Appell an alle Rowdy-Autofahrer

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Es sind Geschichten zum Kopfschütteln: Rücksichtslose Autofahrer gefährden immer wieder die Arbeit von Rettungskräften im Einsatz. Es gab schon schmerzhafte Zwischenfälle.

Es sind Geschichten zum Kopfschütteln: Rücksichtslose Autofahrer gefährden immer wieder die Arbeit von Rettungskräften im Einsatz. Erst am Montag missachteten laut Polizei mehrere Pkw-Lenker eine Vollsperrung der Staatsstraße 2369 in Geretsried. 

Sie versuchten, sich an der Unfallstelle vorbeizuzwängen, an der gerade ein Wolfratshauser (45) schwer verletzt in seinem VW eingeklemmt war. Den Rettungskräften ist durch das verbotswidrige Verhalten der Autofahrer nichts passiert. Aber es gab schon schmerzhafte Zwischenfälle im Landkreis.

Autofahrer fahren Feuerwehrleuten über den Fuß

Beim Münsinger Ochsenrennen im August 2012 zum Beispiel fuhr ein Andechser (65) über den Fuß eines Feuerwehrmanns (46) aus Berg, der die Straße gesperrt hatte. Der Senior ist deswegen zu 2100 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Im selben Jahr musste eine Bad Heilbrunnerin 1250 Euro Strafe zahlen und für zwei Monate ihren Führerschein abgeben. Sie war wegen der Straßensperren beim Lernfest in Benediktbeuern ausgeflippt, beschleunigte ihr Cabrio an einem Kontrollpunkt an der B 11 und striff mit ihrem Pkw einen Feuerwehrmann (36) am Oberschenkel. Nach wenigen Metern hielt sie an, stieg aus und beschimpfte ihn als „Feuerwehrdepp“.

"Wir erleben das im Einsatz immer wieder"

Dieser Feuerwehrmann war Jörg Meyer, Vize-Leiter Rettungsdienst des BRK im Landkreis. „Wir erleben im Einsatz immer wieder, dass die Leute rücksichtslos sind“, sagt er. Bei der Patientenversorgung auf der Straße würden die Autofahrer „immer gut schnell vorbeifahren“. Auch das Bilden einer Rettungsgasse funktioniere nicht immer. Besonders aggressiv seien Fahrzeughalter, wenn der Rettungsdienst ihr Auto einparkt. „Obwohl wir da ja nicht zum Spaß parken“, ergänzt Rettungsdienstleiter Anton Gerner. Sein Personal werde einmal jährlich zu den Themen Sonder- und Wegerecht geschult. „Wir verhalten uns eher defensiv, weil wir so schneller ans Ziel kommen.“ An die Verkehrsteilnehmer appelliert er, achtsamer zu sein. Denn wer selbst in Notlage sei, dem könne es nicht schnell genug gehen, bis Hilfe vor Ort ist.

Kreisbrandinspektor Christian Sydoriak kennt die Problematik. „Das ist immer wieder Thema“, sagt der Chef der Feuerwehren im Nordlandkreis. „Die Leute müssen rücksichtsvoller werden.“

Uneinsichtigen Fahrern droht der Depperl-Test

Der Straßenverkehr ist ein „soziales Betätigungsfeld“, betont Georg Fischhaber von der Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt. „Egoistisches Verhalten geht gar nicht.“ Die Polizei könne 20 Euro Verwarnungsgeld verlangen – und die Fahrerlaubnisbehörde über Verstöße informieren. Die wiederum verhänge bei massiven Fällen Verkehrsunterricht oder medizinisch-psychologische Untersuchungen, im Volksmund Depperltest genannt. „Das Gefährden von Rettungs- und Einsatzkräften ist so ein Verstoß.“

Lesen Sie auch: Feuerwehrleute packen aus: Das macht uns kaputt!

Die Polizei stellt regelmäßig fest, dass Verkehrsschilder ignoriert werden. Johann Brandhuber, stellvertretender Leiter der Geretsrieder Inspektion, hat deswegen im Gespräch mit unserer Zeitung eine härtere Gangart angekündigt. Zehn Fahrer hat die Polizei verwarnt – sie hatten allesamt am Montag die Blockade der Staatsstraße ignoriert. „Um eine 100-prozentige Sperre zu erreichen, muss man jemanden neben die Schilder stellen“, bestätigt Christian Neubert, stellvertretender Chef der Wolfratshauser Polizei. Bei Behinderungen in der Wolfratshauser Innenstadt oder beim Stadtlauf hätten die Autofahrer immer erheblichen Diskussionsbedarf. Neubert: „Wir erklären das auch, solange dann die Einsicht da ist.“

Appell bei Hunderettung: Passt auch auf die Einsatzkräfte so gut auf!

Erschöpft, aber unverletzt: Die kleine Ausreißerin Lucy irrte an der A95 umher.

Auch bei der spektakulären Hunde-Rettung vom Wochenende auf der A95 bei Wolfratshausen ist das Thema Rücksichtnahme erwähnt worden. „Lobenswert war bei dem Einsatz, dass sich trotz des dichten Verkehrs alle Verkehrsteilnehmer vorbildlich verhielten und tatsächlich langsam an dem Geschehen vorbeifuhren“, schrieb die Polizei in ihrem Bericht. Und weiter: Es wäre wünschenswert, wenn sich die Autofahrer nicht nur bei kleinen Hunden, sondern auch bei Einsatzkräften auf der Fahrbahn so verhalten würden. Die kleine Ausreißerin Lucy war stundenlang über die Autobahn geirrt.

Bilder: Wolfratshauser auf St 2369 in VW eingeklemmt

dor

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