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S7-Verlängerung wieder verzögert: Bürgermeister will „richtig Dampf machen“

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Abstellgleis der S7 in Wolfratshausen
Auf dem Abstellgleis endet die S7 bisher in Wolfratshausen. Wann die Strecke bis in die Nachbarstadt Geretsried verlängert wird, steht wieder einmal in den Sternen. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller will der Bahn Druck machen. Die Verlängerung der S-Bahn-Linie von Wolfratshausen sei „zwingend erforderlich“

Geretsried – Die erneute Verzögerung bei der seit Jahrzehnten geplanten S-Bahn-Verlängerung in seine Stadt will der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller (CSU) nicht hinnehmen: „Da hilft nur richtig Dampf machen.“ Sein Wolfratshauser Amtskollege Klaus Heilinglechner (BVW) reagiert ähnlich: „Für unsere Region ist jede Verzögerung der S7-Verlängerung ein Desaster.“ Wie berichtet hatte Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) eingeräumt, dass der für das Jahr 2024 angekündigte Baubeginn nicht gehalten werden kann.

S7-Verlängerung nach Geretsried wieder verzögert: Bürgermeister will „richtig Dampf machen“

Eine schnelle Umsetzung des Projekts sei „vor allem für die Berufspendler aus Geretsried zwingend erforderlich“, meint Heilinglechner auf Nachfrage unserer Zeitung. Steigende Energie- und Spritpreise würden das Ganze verstärken. „Zudem brauchen wir dringend die Verkehrsentlastung auf den Ortsdurchgangsstraßen.“

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Auch dem Geretsrieder Bürgermeister geht es um die Energie- und Verkehrswende. Doch wie wolle man diese stemmen, „wenn man Verfahren von Jahren und Jahrzehnten hat?“, sagte der Rathauschef im Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend, nachdem er dem Gremium den Brief zum Sachstand der S7-Verlängerung von Verkehrsminister Bernreiter vorgelesen hatte.

S7-Verlängerung: Bürgermeister von Wolfratshausen hat „überhaupt kein Verständnis“

Als Erklärung für die Verzögerungen gibt Bernreiter unter anderem die 2015 beschlossene Neuplanung am Wolfratshauser Bahnhof an – die Gleise sollen durch einen Trog unter der Sauerlacher Straße geführt werden. „Dass dieses komplexe Projekt eine gewisse Vorlaufzeit benötigt, ist völlig klar“, stellt Heilinglechner fest. Aber um damit „eventuelle Bauverzögerungen und Kostenexplosionen“ bei der zweiten Stammstrecke in München zu kompensieren, „dafür habe ich überhaupt kein Verständnis“, schimpft der Rathauschef.

Verkehrsminister äußerst sich zu Bahn-Verlängerung nach Geretsried - nachvollziehbare Gründe fehlen

Wirklich nachvollziehbare Gründe nennt Bernreiter in seinem Schreiben nicht. Auch seine Vorgängerin Kerstin Schreyer hielt sich in diesem Punkt bedeckt. Beim Ortstermin im Januar in Geretsried – es ging eigentlich um die B11-Verlegung – hatte Bürgermeister Müller Schreyer gefragt, warum sich bei der S7-Verlängerung nichts tut. „Ich wollte nur wissen: Warum geht’s nicht weiter?“, redete sich Müller in Erinnerung an das Treffen im Ausschuss lautstark in Rage. Sie wissen’s auch nicht, habe die Antwort gelautet. „Wir müssen uns dringend überlegen, wie wir weiter Druck aufbauen“, appellierte er an die Stadträte.

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In seinen Augen helfe nur eine gemeinschaftliche Aktion – mit der Stadt Wolfratshausen, dem Landkreis und den Abgeordneten, die man mobilisieren möchte. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) habe sich zwar zur B11-Verlegung und zum Ausbau der S-Bahnlinie bekannt. Aber „vermutlich wird Wissing schon Geschichte sein, wenn wir in die nächste Gesprächsrunde gehen“, sinnierte Müller. „Und auch der Herr Bernreiter war sicher nicht der letzte Verkehrsminister, der uns dazu Briefchen schreibt.“ Sein Fraktionskollege Ewald Kailberth erinnerte in der Sitzung an die Idee einer Sitzblockade auf der B11. Dazu Müller: „So langsam kann ich mich mit dem Gedanken anfreunden.“

„Pro Bahn“ schimpft wegen Verzögerungen - „kann nicht sein“

Auch für den Fahrgastverband pro Bahn gehört die S7-Verlängerung endlich umgesetzt. „Es kann nicht sein, dass Projekte aus selbst gewählten Problemen immer wieder nach hinten geschoben werden“, kritisiert Pressesprecher Andreas Barth. Die Bundesregierung wolle die Fahrgastzahlen auf der Schiene bis 2030 verdoppeln, „und dann schafft man es nicht, die Gleise zu verlängern, wo doch ein breiter Konsens besteht“. Barth erwartet von der Staatsregierung einen „belastbaren Zeitplan, der eingehalten wird“. Die Landespolitik solle sich nicht nur mit Worten zur S7 bekennen – sondern auch mit Taten.

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