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S7-Verlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried: Ist Baubeginn 2024 noch zu halten?

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Von: Doris Schmid

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Die S7 am Wolfratshauser Bahnhof.
Endstation: Die S7 fährt von München aus bislang nur bis nach Wolfratshausen. Die Stadt Geretsried wünscht sich den Anschluss an das Gleisnetz seit Jahrzehnten.  © Hans Lippert

Im Jahr 2024 will die Deutsche Bahn mit dem Bau der S7-Verlängerung nach Geretsried beginnen. Ein straffer Zeitplan, an dem Zweifel bestehen.

Geretsried – In prominent besetzter Runde und hinter verschlossenen Türen diskutierten kürzlich der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller und Verkehrsministerin Kerstin Schreyer für die Region wichtige Infrastrukturthemen. Schwerpunkt war die ins Stocken geratene B11-Verlegung. Aber es ging auch um die seit Jahrzehnten ersehnte S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried. Worüber genau gesprochen wurde, darüber gibt der Rathauschef auf Nachfrage unserer Zeitung in einem Interview Auskunft.

Der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller.
Der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller. © red

Herr Bürgermeister Müller, eine gute Stunde nahm sich Verkehrsministerin Schreyer für das Gespräch mit Ihnen Zeit. Wie viele Minuten ging es um die S-Bahn-Verlängerung?

Müller: (schmunzelt) Ich habe die Zeit nicht mit der Stopp-Uhr gemessen. Anlass des Gesprächs war ja die B11-Verlegung. Dieses Thema kann man aber nicht ohne das Thema S-Bahn betrachten. Für die Realisierung der S-Bahn-Verlängerung ist aber nicht die Verkehrsministerin zuständig, sondern die Deutsche Bahn. Es ging also mehr darum, wie man die B11-Verlegung voranbringen kann, unter dem Aspekt, dass auch eine S-Bahn gebaut werden soll. Zu inhaltlichen Fragen zur S7-Verlängerung hätten wir den Planungsträger, die DB Netz, gebraucht. Die saß aber nicht mit am Tisch.

Laut Bahn hängt der Termin zur Inbetriebnahme der Gleisverlängerung nach Geretsried von der Fertigstellung der Vorplanungen für die Tieferlegung des Bahnhofs in Wolfratshausen ab. Wissen Sie Näheres dazu?

Müller: Nichts, was ich verifiziert weitergeben könnte. Es wäre gelogen, wenn ich sage, ich hätte gar keine Informationen. Da ich aber nicht die Bahn bin, möchte ich Aussagen aus der Besprechung öffentlich nicht weitergeben.

Betrifft der Umbau des Bahnhofs in Wolfratshausen auch Geretsried?

Müller: Wir sind in einem gewissen Punkt schon davon berührt. Ab dem Bahnhof ist das Industriegleis Eigentum der Stadt Geretsried. Deshalb nimmt unser Bauamt an den Besprechungen zum Bahnhof in Wolfratshausen teil.

Haben Sie eine Ahnung, warum das Planfeststellungsverfahren so lange dauert?

Müller: Was ich wahrnehme, ist, dass wir einen Zeitplan kommuniziert bekommen haben, der jetzt schon hinten anhängt. Wir haben immer noch keinen Planfeststellungsbeschluss. Der sollte aber schon längst vorliegen. Wenn mit dem Bau der Gleisverlängerung wirklich wie offiziell angekündigt 2024 begonnen werden soll, muss die Bahn diesen Zeitverlust irgendwie aufholen. Verkürzt sich dann die Vorbereitungszeit? Ich frage mich, wie das funktionieren soll. Wie wollen wir die Mobilitätswende schaffen, wenn Verfahren wie das der S-Bahn-Verlängerung Jahre dauern?

Der ÖPNV spielt bei der Verkehrswende ja eine nicht unbedeutende Rolle.

Müller: Großprojekte wie die S-Bahn-Verlängerung sind wesentliche Voraussetzungen dafür. Und die Bahn ist ein wesentliches Rückgrat des ÖPNV. Ohne einen leistungsfähigen und attraktiven ÖPNV werden wir die Mobilitätswende nicht schaffen. Das habe ich bei dem Termin auch zur Sprache gebracht.

Die B11-Verlegung und die S-Bahn-Verlängerung sind eng miteinander verbunden, werden aber in zwei getrennte Verfahren behandelt. Ist das wirklich sinnvoll?

Müller: Die beiden Projekte sollten tatsächlich nicht miteinander vermischt werden. Wenn man eines der beiden Verfahren aufbohren würde, orientiert sich das Ganze an dem, was am längsten dauert ...

... und alles verschiebt sich noch weiter nach hinten. Da besteht die Gefahr, dass sich Voraussetzungen ändern.

Müller: Das haben wir bei den Planungen für die B11-Verlegung gemerkt, die wir gemacht haben und jetzt noch einmal überarbeiten werden. Denn die haben sich zwischenzeitlich überholt. Wir sind damals von etwa 22 000 Autos ausgegangen. Jetzt sind es über 40 000 Pkw, die auf der B11 unterwegs sind. Das ist eine Entwicklung, die keiner so hat kommen sehen. Und sollten, wie geplant, B11 und S-Bahn gleichzeitig gebaut werden, haben wir ein Problem an der Einfahrt Nord.

Ein Platzproblem?

Müller: Wenn dort eine S-Bahn-Trasse gebaut wird, gibt es keinen Platz mehr für den Straßenbau. Die B11 soll ja an dieser Stelle vierspurig werden. Damit der Verkehr weiter fließen kann, muss eine Ausweichstraße gebaut werden. Da kommen sich die beiden Vorhaben in die Quere.

Wie lässt sich dieser Knoten lösen?

Müller: Je nachdem, wann die S-Bahn tatsächlich in Fahrt kommt, könnte man die Zeit nutzen, um den Umbau der Einfahrt Nord vorzuziehen. Auch darüber haben wir mit der Verkehrsministerin gesprochen. Auch deshalb wollen wir die Planungen schnell überarbeiten und zu einem Ergebnis kommen, wie sich der Bereich kreuzungsfrei gestalten lässt.

Mit welchen Kosten rechnen Sie für die Überarbeitung der Planungen?

Müller: Die Planungen damals haben 200.000 Euro gekostet. Für die Aktualisierung rechnen wir mit einer Summe zwischen 200.000 und 500.000 Euro. Vorausgesetzt, der Stadtrat stimmt zu, wollen wir die Aktualisierung möglichst bald beauftragen.

Was kommt nach dem Termin mit Verkehrsministerin Schreyer?

Müller: Ich werde mich auch an Bundesverkehrsminister Volker Wissing wenden. Für eine zukunftsweisende Mobilität in einer Wachstumsregion wie der unsrigen müssen die Projekte mehr als bisher angeschoben werden.

Wie kann die Stadt noch weiter Druck aufbauen?

Müller: Das muss unbedingt begleitend passieren. Sie sehen ja, wenn du dich nicht rührst, bist du ein Aktenzeichen von vielen. Wir müssen Bürger, Vereine und Verbände ins Boot holen. Es darf dabei aber nicht nur um die Straße und die Schiene gehen, sondern um die Mobilitätswende in ihrer Gesamtheit. Wir brauchen ein in sich geschlossenes Konzept. Das fehlt mir noch. Wir brauchen ein Ineinandergreifen von Bund, Länder und Gemeinden, um die Verkehrswende zu stemmen. Dafür müssen wir das Denken in Kasten und Zuständigkeiten überwinden.

nej

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