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Wann kommt sie endlich? Die S-Bahn-Verlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried ist seit Langem in der Planung. Doch es geht bislang nur im Schneckentempo vorwärts.

Planfeststellungverfahren könnte 2020 wieder anlaufen

S7-Verlängerung nach Geretsried: Jetzt ist Berlin am Zug

Nach Monaten des Stillstands kommt in die Planung der S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried wieder Bewegung. Die Deutsche Bahn hat die Genehmigungsunterlagen an das Eisenbahn-Bundesamt in Berlin übergeben.

Wolfratshausen/Geretsried Was die Zuverlässigkeit im Allgemeinen und die Streckenverlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried im Speziellen betrifft, bringen viele Bürger die S-Bahn eher mit Stillstand denn mit Bewegung in Verbindung. Und doch: In Sachen S7-Verlängerung scheint sich nach Monaten des Wartens etwas zu tun – zumindest sieht das Martin Bachhuber so. Es komme wieder Bewegung in die Planung, teilt der Stimmkreisabgeordnete der CSU mit. „Die Deutsche Bahn hat nun die Genehmigungsunterlagen an das Eisenbahn-Bundesamt übergeben.“ Damit seien seitens der DB Netz AG die Umplanungen, die sich mit der Verständigung auf eine Tieferlegung der Gleise an der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen ergeben haben, abgeschlossen.

Das weitere Prozedere würde so aussehen: Nach Prüfung und Freigabe durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) mit Sitz in Berlin werden die Planungsunterlagen der Regierung von Oberbayern übergeben, die dann ihrerseits das im Jahr 2012 begonnene Anhörungsverfahren fortführen wird. „Kommt es zu keinen weiteren Verzögerungen, müsste dies im ersten Halbjahr 2020 möglich sein“, glaubt Bachhuber.

Will das Eisenbahn-Bundesamt die S7-Verlängerung nach Geretsried verzögern?

Diesen Zeitplan aber könne man nur einhalten, wenn das EBA nicht neue Forderungen erhebt, sagt der Landtagsabgeordnete mit Blick auf den Sommer, als Berlin plötzlich zusätzliche Unterlagen von der DB Netz AG verlangt hatte. Deshalb wendete sich Bachhuber mit Unterstützung seines Parteikollegen, dem Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan, damals direkt an das EBA. Von dort, so der Bad Heilbrunner, habe er die Auskunft erhalten, dass man die Verlängerung der S7 im Augenblick nicht bearbeiten könne, weil die DB Netz AG die angeforderten Unterlagen nicht einreiche. Ergo schalteten Bachhuber und Radwan Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ein. Es könne schließlich nicht angehen, „dass hier immer wieder neue Forderungen erhoben werden“. So ein Vorgehen erweckt für Bachhuber „den Eindruck, als wolle man auf Bundesebene die Verlängerung der S7 nicht vorantreiben, sondern verzögern“.

Damit das 2012 gestartete Planfeststellungsverfahren zügig wieder aufgenommen wird, „ist man bei der DB Netz AG bereits mit den Vorbereitungen dafür beschäftigt“, erklärt Bachhuber nach einem Gespräch mit Klaus-Dieter Josel, dem DB-Konzernbevollmächtigten für Bayern. „Derzeit bereitet die Bahn die Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen des Anhörungsverfahrens vor“, so der CSU-Politiker. Dabei werde man das Beteiligungsverfahren erläutern und den Planungsstand vorstellen sowie den Bürgern die Möglichkeit geben, konkrete Fragen zu spezifischen Fachgebieten wie Bau und Logistik, Lärm und Erschütterungen oder Umwelt in kleiner Runde mit Experten und Gutachtern zu diskutieren.

Für Bachhuber klingt das „alles vernünftig und zielführend“. Doch funktioniere es nur, wenn die Regierung von Oberbayern aus Berlin endlich grünes Licht erhält, das Verfahren fortzuführen. Der Bad Heilbrunnerhofft nun, dass das EBA „dieses für unseren Landkreis so wichtige Infrastrukturprojekt nicht auf die lange Bank schiebt, sondern vorrangig bearbeitet“. Er habe den Kollegen Radwan gebeten, „wöchentlich beim EBA auf der Matte zu stehen, damit die Unterlagen ganz oben auf dem Stapel zur Bearbeitung liegen, so Bachhuber augenzwinkernd.

Bürgermeister von Wolfratshausen und Geretsried wollen weiter Druck machen

Klaus Heilinglechner reagiert skeptisch auf die jüngste Entwicklung. Der „große Wurf“ sei das noch nicht, findet Wofratshausens Rathauschef, „schließlich hat es eine gewaltige Verzögerung von vielen Monaten gegeben. Die eingereichten Unterlagen sind nur nachträglich angeforderte Dokumente.“ Heilinglechner hofft, „dass das ausreicht, damit das EBA die nächsten Weichen stellen kann“. Zudem hält er es für „notwendig, dass wir Druck machen“. Deshalb sei eine Demonstration gemeinsam mit der Nachbarstadt in Vorbereitung, „an der sich alle Parteien und viele Bürger beteiligen sollen“. Die Aktion soll verdeutlichen, „welchen großen Stellenwert die S7- Verlängerung für die Region und die Infrastruktur hat“.

Heilinglechners Geretsrieder Amtskollege Michael Müller appelliert ebenfalls an das EBA, „dass es jetzt nicht mehr zu Verzögerungen kommt, sondern wir so schnell wie möglich ins Planfeststellungsverfahren einsteigen können – bestenfalls schon im Frühjahr“. Alles andere könne man den Bürgern nicht mehr vermitteln. „Wenn sich dieser Schritt wieder viele Monate lang zieht, lachen alle nur noch darüber, wie das läuft.“ Mit der gemeinsamen Demonstration möchte Geretsrieds Bürgermeister „ein überparteiliches und interkommunales Zeichen setzen“.

Dominik Stallein und Peter Borchers

Lesen Sie auch: Bis zur S7-Verlängerung: Geretsrieder Rathauschef setzt auf Ringbus-Linien.

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