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Fußball verbindet: Im Saftladen kickern einheimische und ausländische Jugendliche.

Begegnung statt Beobachtung

Saftladen lehnt Videoüberwachung wegen Flüchtlingen ab

Geretsried - Das Jugendzentrum Saftladen lehnt Videoüberwachung ab: Ein CSU-Stadtrat hatte darüber gesprochen, weil sich viele Asylbewerber dort aufhalten.

Angesichts der hohen Zahl von Flüchtlingen im Jugendzentrum Saftladen schlägt CSU-Stadtrat Andreas Rottmüller vor, die Einrichtung mit Videokameras zu überwachsen.

„Unsere Mädels müssen wieder unbesorgt in den Saftladen gehen können“, sagte Rottmüller am Stammtisch seiner Partei am Sonntag (wir berichteten). Einige Mädchen, so erklärte CSU-Stadträtin Sabine Lorenz, würden sich nicht mehr in das Jugendzentrum trauen, weil sie dort von Flüchtlingen angebaggert würden.

Die Begegnung funktioniert gut, sagen Verantwortliche

„Ich weiß absolut nicht, worauf sich Frau Lorenz bezieht“, sagt der Geschäftsführer des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit, Rudi Mühlhans, auf Nachfrage unserer Zeitung. Seit der Ankunft der Asylbewerber in Geretsried habe es im Saftladen keinen einzigen Vorfall dieser Art gegeben. Stattdessen könne man täglich beobachten, wie sich einheimische und ausländische Jugendliche einander annähern.

Zu Rottmüllers Forderung nach einer Videoüberwachung sagt der Sozialpädagoge: „Der Vorschlag ist bestimmt gut gemeint. Ich weiß jedoch nicht, was das nutzen soll.“ Kameras anzubringen wäre aus Mühlhans’ Sicht „ein komplett falsches Signal.“ Dadurch könnte suggeriert werden, ein Besuch im Jugendzentrum sei gefährlich, was definitiv nicht der Fall ist, versichert der Vereinsgeschäftsführer, der im Saftladen sein Büro hat.

SPD-Rätin Halba: "Habe mich über den Vorschlag wirklich geärgert"

„Ich habe mich über den Vorschlag wirklich geärgert“, sagt Kerstin Halba, Vorsitzende des Trägervereins, über den Vorstoß ihres Stadtratskollegen Rottmüller. Eine Videoüberwachung des Jugendzentrums hält die SPD-Stadträtin für sinnlos, da man dadurch keinerlei Präventionswirkung erziele. Dies erreiche man nur durch Gespräche und einen Austausch mit den Sozialpädagogen. Dass derzeit weniger Mädchen in den Saftladen kommen, räumt der Trägerverein ein. „Wir versuchen diesem Trend mit besonderen Angeboten entgegenzuwirken, die auf die Zielgruppe zugeschnitten sind“, erklärt dazu Mühlhans. Sicherheitsmaßnahmen seien dagegen keine geplant. Denn entgegen der Ansicht am CSU-Stammtisch, „können Mädchen das Angebot des Saftladens vollkommen unbesorgt wahrnehmen“, konstatiert der Geschäftsführer.

Dass manche Mädchen ein mulmiges Gefühl haben, kann Kerstin Halba nachvollziehen. „Ich habe mich als junges Mädchen auch unwohl gefühlt, wenn ich durch eine Gruppe von zehn Männern gegangen bin“, sagt sie und fügt hinzu: „Die Hautfarbe der Beteiligten war dabei vollkommen unwichtig.“ Die SPD-Stadträtin vermutet, dass es vielen Mädchen ähnlich geht und rät ihnen, wieder in den Saftladen zu kommen: „Man kann Vorurteile und Ängste am besten durch Begegnungen abbauen.“ In diesem Sinne hat Rudi Mühlhans auch ein Angebot an Andreas Rottmüller: „Wer konstruktive Vorschläge zur Integration vorbringen möchte, darf gerne Fördermitglied in unserem Verein werden.“

von Dominik Stallein

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