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Die „coolen Kids“ Lina, Celina und Paul (vorne v. li.) haben dank der Hilfe der Betreuerinnen Jessica Rusch, Eva Burchard, Leiter Christian Hoffmann und Maria Winkler (hinten v. li.) wieder allen Grund zum Lachen.

Gruppenangebot von Caritas und Diakonie

Scheidung tut weh: Hier finden Kinder Hilfe

Geretsried - Wenn sich die Eltern trennen, ist das für Kinder schmerzhaft. Hier hilt eine Gruppe von Caritas und Diakonie.

Der erste Eindruck täuscht: Kaum, dass die Fotografin und der Reporter unserer Zeitung das Geretsrieder Caritas-Zentrum an der Graslitzer Straße betreten, hören sie ein weinendes Mädchen. Die schlimmsten Befürchtungen und Vorurteile scheinen sich in diesem Augenblick zu bestätigen. Das Bild von traumatisierten Kindern, die die Trennung ihrer Eltern nicht verkraftet haben, verfestigt sich.

Das erste Treffen einer neu zusammengesetzten Trennungs- und Scheidungskindergruppe findet voraussichtlich am 21. September statt. Die Herkunft der Teilnehmer entscheidet, ob der Standort Geretsried oder Bad Tölz gewählt wird. Anmeldungen werden unter Telefon 0 80 41/ 79 31 61 30 entgegengenommen.

Doch dann passiert etwas Besonderes: Das Kind lässt sich von einer Betreuerin binnen weniger Sekunden trösten und führt die erstaunten Journalisten in einen anderen Raum. Dort überreicht Gruppenleiter Christian Hoffmann sieben Mädchen und Jungen Abschlussurkunden und Stoff-Raben. „Das ist ein Symbol für die so genannten Rabeneltern, die sich aber entgegen der weitläufigen Meinung vorbildlich um ihre Kinder kümmern“, erklärt die stellvertretende Gruppenleiterin Eva Burchard.

Gemeinsam mit der Diakonie bietet die Caritas eine Trennungs- und Scheidungskindergruppe an. In zehn jeweils zweistündigen Kurseinheiten wird sieben Grundschülern, deren Eltern in Trennung leben oder geschieden sind, auf unbürokratische Weise geholfen. „Das ist eine bunte Mischung aus Spielen und Diskussionen“, erläutert Burchard. „Am wichtigsten ist aber die Erfahrung, dass sie mit ihrer Situation nicht allein gelassen werden und es anderen Kindern genauso geht.“

Die Voraussetzungen für die Teilnahme ist ein Vorgespräch mit Eltern und Kind. Zudem ist die regelmäßige Teilnahme an den Sitzungen und Elternabenden erwünscht. Der einmalige Unkostenbeitrag erscheint mit 15 Euro Materialgeld überschaubar. Zu Beginn der Treffen dürfen sich die Kinder in ein Stimmungsbarometer eintragen. Anschließend schreiben sie zum Beispiel erfüllbare und unerfüllbare Wünsche auf und lernen so, die Trennung ihrer Eltern zu akzeptieren. Diese vermeintlich einfachen Maßnahmen und viele Gespräche tragen schließlich dazu bei, dass die jungen Kursteilnehmer wieder Vertrauen aufbauen können und ihr Selbstwertgefühl erhöhen.

Dazu trägt nicht zuletzt auch die abschließende Verleihung einer Urkunde bei, auf der die herausragenden Eigenschaften jedes Kindes betont werden. „Mit hat gefallen, dass du immer so nachdenklich warst und dann sinnvolle Entscheidungen getroffen hast“, lobt Kursleiter Christian Hoffmann einen zehnjährigen Jungen. Der holt sich danach seinen Stoff-Raben ab und tobt sich gemeinsam mit den anderen „coolen Kids“, so ihr Gruppenname, auf dem Spielplatz des Caritas-Kindergartens aus. Seine Nachdenklichkeit hat er zumindest in diesem Moment über Bord geworfen.

Peter Herrmann

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